HSV-Remis in Frankfurt Bert, der Baumeister

Neuer Trainer, neues Glück? Beim ersten Auftritt von HSV-Coach Bert van Marwijk wurde schnell deutlich: Es wartet eine Menge Arbeit auf den Niederländer. Das schmeichelhafte Remis der Hamburger in Frankfurt offenbarte zahlreiche Schwachstellen.

Neuer HSV-Coach van Marwijk: "Zeigen, was wir eigentlich wollen"
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Neuer HSV-Coach van Marwijk: "Zeigen, was wir eigentlich wollen"

Aus Frankfurt berichtet


Zehn Minuten vor Anpfiff bauten sich die HSV-Spieler vor der Gästekurve auf, der gesamte Kader blickte entschlossen auf die 4000 HSV-Sympathisanten im Gästeblock. Kurz darauf gingen 36 Spieler- und 8000 Fanarme in die Höhe und klatschten immer schneller, bis am Schluss ein einziges Stakkato stand. Die in dieser Saison schon einige Male zur Schau gestellte Geste sollte diesmal Aufbruchstimmung nach dem Trainerwechsel erzeugen.

Zum großen Erfolg reichte es allerdings nicht in Frankfurt, und eigentlich war auch kein echter Aufbruch unter dem neuen Trainer Bert van Marwijk zu erkennen. Das 2:2 war arg schmeichelhaft für eine Hamburger Mannschaft, die erst in den Schlussminuten ein wenig Fahrt aufnahm. Der Frankfurter Kapitän Marco Russ war jedenfalls nicht der Einzige, der das Ergebnis als glücklich für die Hamburger empfand: "Wir waren über 90 Minuten die Mannschaft, die mehr für das Spiel getan hat und viel mehr Aufwand betrieben hat."

Das stimmte, doch wenn im Hamburger Lager nach dem Spiel nur fröhliche Gesichter zu sehen waren, lag das genau daran. Denn so wie das Spiel lief, so sollte es offenbar auch laufen. "Wir haben in den letzten Wochen nicht gerade taktisch diszipliniert gespielt", fand Heiko Westermann. "Heute haben wir gewartet bis zur 80. Minute, ehe wir vorne reingegangen sind." Oliver Kreuzer fand ähnliche Worte, und auch die konnte man als Spitze auf die taktischen Fähigkeiten des van-Marwijk-Vorgängers Thorsten Fink verstehen: "Wir sind nach den beiden Gegentoren nicht von unserer Linie abgewichen", sagte der HSV-Sportdirektor: "Das kann man auf jeden Fall dem neuen Trainer zuschreiben."

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Van Marwijk beim HSV: Ein Punkt beim Debüt
Doch auch Kreuzer musste bemerkt haben, dass der überwiegende Auftritt des HSV äußerst schwach war. Einen strukturierten Spielaufbau, gefährliche Angriffe - so etwas brachte nur die Eintracht zustande. Doch zu mehr als zu den Treffern von Johannes Flum (31.) und Marco Russ (54.) reichte es trotz drei weiterer guter Möglichkeiten nicht, weshalb Hamburgs Marcell Jansen wenige Minuten vor Schluss noch der Ausgleich gelang (86.). Es war eine Einzelleistung, genau wie im ersten Durchgang, als Pierre-Michel Lasogga mit dem Pausenpfiff das 1:1 erzielte.

In der HSV-Hintermannschaft herrschte in einigen Phasen jedoch wieder das gewohnte Durcheinander: Der einzige Hamburger, der vor Russ' Treffer bemerkt zu haben schien, dass Vorlagengeber Flum nach einem Freistoß völlig allein im Strafraum stand, war Torwart René Adler. Und dem blieb wenige Sekunden später mal wieder nur das Kopfschütteln über seine Vorderleute, die ihm einen Großteil der bisher 19 Gegentreffer eingebrockt haben.

Van der Vaart verschleppt das Tempo

Immerhin wurde der HSV in der zweiten Hälfte etwas agiler, doch auch da erschöpfte sich das Offensivspiel in der Hoffnung auf Standardsituationen. Denn die beherrschen sowohl Calhanoglu (trat die Ecken von links) als auch Kapitän Rafael van der Vaart. Der Niederländer blieb ansonsten schwach, verschleppte mehrfach das Tempo - von dynamischen Bewegungen fehlte jede Spur. Vergleicht man van der Vaart mit seinem Frankfurter Mittelfeldkollegen Sebastian Rode, kann man kaum glauben, dass beide in der gleichen Liga spielen.

Was bleibt also von diesem ersten Abend unter dem neuen Trainer Bert van Marwijk ("Als der Bus hier vorgefahren ist, war alles so wie immer")?

Über kurz oder lang will der Niederländer auch "zeigen, was wir eigentlich wollen: mutig nach vorne spielen". Auf ihn kommt eine Menge Arbeit zu. Man muss dem HSV wohl zugestehen, dass nach den verlorenengegangenen Monaten - oder sind es Jahre, gar Jahrzehnte? - nun erst einmal solides Trainerhandwerk gefragt ist, bei dem jeder Spieler neu lernt, was er auf seiner Position zu tun hat.

Was der HSV "dann eigentlich will", wird er erst danach zeigen können. Und wenn der Club gut beraten ist, redet auch erst mal so lange niemand mehr über mehr über hohe Ziele, bis Anspruch und Wirklichkeit nicht mehr ganz so weit auseinanderklaffen wie im Moment.

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insgesamt 10 Beiträge
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M.Ohnesorg 29.09.2013
1. Die Dinosaurier sind auch längst ausgestorben
und so wird es auch den HSV diese Saison erwischen. Ab in die zweite Liga für jahrelanges Mismanagement!
pets999 29.09.2013
2. Keine Wunder erwarten...
Am Mittwoch hat ein neuer Trainer begonnen und am Samstag soll da eine neue Mannschaft stehen? Wer, außer vielleicht Herr Ruf, hat denn das erwartet? Diese Mannschaft ist total verunsichert. Da ist dieses Spiel ein guter erster Schritt und - in dieser Situation - ein großer Erfolg. Und dass ein Trainer in vier Tagen keine Wunder bewirken kann, sollte auch einem Herrn Ruf klar sein.
lemidi 29.09.2013
3. Missmanagement
Das miserable Management in Hamburg wird eigentlich nur durch das bei Hertha getoppt. Ohne Not einen der besten deutschen Nachwuchsstürmer zu verkaufen, der erwartungsgemäß beim HSV schon Tore geschossen hat, zeugt von gewaltiger Ahnungslosigkeit. Aber vielleicht holt Herr Preetz ja demnächst den Herrn Fink (wenn ein persönliches Problemchen mit Luhukay entstanden sein sollte). Fink hat sich ja für höhere Aufgaben quasi aufgedrängt...
cirus27 29.09.2013
4. es bleibt in der tat abzuwarten,
ob einem vernünftigen mann wie van marwijk die zeit gegeben wird, die altlasten zu entsorgen und mit der kaderplanung für die nächste saison die eigenen jungen spieler anstelle überbezahlter älterer herren zu fördern. ich habe da meine zweifel, weil es in diesem verein zu viele hanseln gibt, die meinen, der hsv müsse weiter nach oben als er derzeit kann.
birka12 29.09.2013
5. birka12
Alles erinnert mich an den 1.FC Köln. Miserables Management ohne Ende, über viele Jahre. Völlig falsches Selbstbild von der Mannschaft und von dem Verein. Erwartungen die überhaupt nicht erfüllt werden können. Viel Geld für die Auflösung von Verträgen. Dann tritt die nächste Phase ein, Schulden die den Verein weiter schwächen. Für den HSV gilt es kleine Brötchen zu backen, vielleicht kann der Abstieg verhindert werden, Köln verschwand im Sog der Inkompetenz. Erst danach beginnt der Neuanfang! Der HSV würde heute auch nicht die Zweite Liga gewinnen!
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