HSV-Debakel in München: "Ich schäme mich"

Von Nils Lehnebach, und Christoph Leischwitz

Debakel in München: Neun Stiche ins HSV-Herz Fotos
Getty Images

Über diese Niederlage wird in Hamburg noch lange gesprochen werden: Der HSV hat gegen Bayern München einen desolaten Auftritt hingelegt und die höchste Pleite seiner Bundesliga-Geschichte kassiert. Dabei war vor dem Spiel noch der Europapokal das Ziel.

Hamburg - Die Laune von HSV-Torwart René Adler schien beim Debakel seiner Mannschaft in München mit der Zeit immer besser zu werden. Während der Keeper nach den Gegentoren eins bis vier noch wütend auf seine Vorderleute schimpfte, schüttelte er zur Halbzeit nur noch den Kopf. Und als er zum achten Mal den Ball aus dem Netz holte, hatte er sogar ein Lächeln im Gesicht.

Wahrscheinlich war Galgenhumor das einzige Mittel für Adler, mit dem katastrophalen Auftritt seiner Vorderleute fertig zu werden. 2:9 ging der HSV in München unter, 0:5 hatte es bereits zur Halbzeit gestanden. So hoch hatte der Club zur Pause noch nie zurückgelegen. Ein 2:9 gab es zuletzt am 7. März 1964 beim TSV 1860 München, der HSV stellte den Negativrekord für seine höchste Bundesliga-Pleite ein. "Es ist für mich unerklärlich, so in ein Spiel zu gehen und zu denken, wir spielen mal locker mit", sagte HSV-Kapitän Westermann.

Schon die letzten Auftritte der Hamburger in München waren blamabel: 0:5 und 0:6 hatte der Hamburger SV die beiden vergangenen Partien in München verloren, dennoch wollten gut 8000 HSV-Fans ihre Mannschaft unterstützen. Sie erlebten eine der größten Demütigungen in der Club-Geschichte, ihre Stars wurden vorgeführt - über 90 Minuten. "Heute ist ein schwarzer Tag für alle HSV-Fans", sagte HSV-Trainer Thorsten Fink.

HSV ergibt sich widerstandslos

Der Coach schien angesichts des Ergebnisses desillusioniert: "Das habe ich als Trainer auch noch nicht mitgemacht", sagte Fink: "Wir waren in allen Belangen brutal schlecht. Jeder sollte selbstkritisch mit sich umgehen - die Mannschaft, der Trainer." Und Kapitän Westermann fügte an: "Ich schäme mich heute, das Trikot getragen zu haben, dabei gewesen zu sein. Ich schäme mich für die Leistung."

Dass die Partie in München nicht einfach werden würde, war zu erwarten. Dass das Team sich aber so widerstandslos ergab, nicht. Mit Per-Ciljan Skjelbred hatte nur ein HSV-Profi eine positive Zweikampfbilanz, insgesamt gewann das Team nur 38 Prozent der direkten Duelle und bekam nicht eine Gelbe Karte. "Wir waren von Anfang an zu weit weg", sagte Fink.

Für den HSV war die Blamage in München die Fortsetzung einer Achterbahn-Saison. Das Team startete mit drei Niederlagen in Serie - und schlug dann Meister Dortmund, der Ausgangspunkt eines Zwischenspurts mit zehn Punkten aus vier Partien. In der Folge lagen Überraschung und Enttäuschung immer nah beieinander, der BVB wurde auch in der Rückrunde besiegt, dafür verlor man zu Hause gegen Augsburg.

Spieler sprechen von Europa, Fink von fehlender Reife

Beim HSV ist man besonders gut darin, Dinge positiver zu sehen, als sie sind. Seit es einigermaßen läuft, sprechen die Profis von Europa. "Wenn wir jetzt ausgeben, um Platz neun oder zehn zu spielen, dann kann ich Urlaub buchen", sagte Torhüter Adler zuletzt. Und Spielermacher Rafael van der Vaart ergänzte: "Am Ende wollen wir zuschlagen und auf Platz sechs stehen." Durch die Niederlage ist der HSV nun auf Rang neun abgerutscht. Dennoch liegt der Club nur einen Punkt hinter Platz fünf. Die Europa League wird in Hamburg also Thema bleiben.

Trainer Fink missfallen die forschen Töne, er betont immer wieder, dass sein Team noch nicht reif genug für das internationale Geschäft sei. In München war zu sehen, dass er recht hat. Immerhin, einer seiner Profis scheint das eingesehen zu haben: "Wir brauchen jetzt von Europa nicht reden, wir können froh sein, dass wir schon 38 Punkte haben. Jetzt müssen einfach klare Worte fallen", sagte Kapitän Westermann.

Es gibt also viel aufzuarbeiten für die Hamburger, Trainer Fink hofft auf eine Reaktion im nächsten Spiel am kommenden Samstag gegen den SC Freiburg (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). "Wir müssen den Fans zeigen, dass das ein einmaliger Ausrutscher war."

Bayern München - Hamburger SV 9:2 (5:0)
1:0 Shaqiri (5.)
2:0 Schweinsteiger (19.)
3:0 Pizarro (30.)
4:0 Robben (33.)
5:0 Pizarro (45.)
6:0 Pizarro (53.)
7:0 Robben (54.)
8:0 Pizarro (68.)
8:1 Bruma (75.)
9:1 Ribéry (76.)
9:2 Westermann (86.)
München: Neuer - Lahm (61. Rafinha), Boateng, Dante, Luiz Gustavo - Javi Martínez, Schweinsteiger - Robben (64. Müller), Kroos, Shaqiri (65. Ribéry) - Pizarro
Hamburg: Adler - Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo - Badelj (81. Kacar), Rincón (57. Rajkovic) - Skjelbred, van der Vaart, Son (57. Arslan) - Rudnevs
Schiedsrichter: Winkmann
Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Statistiken
waldschrat80 31.03.2013
Zitat von sysopAFPÜber diese Niederlage wird in Hamburg noch lange gesprochen werden: Der HSV hat gegen Bayern München einen desolaten Auftritt hingelegt und die höchste Pleite seiner Bundesliga-Geschichte kassiert. Dabei war vor dem Spiel noch der Europapokal das Ziel. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-hsv-geht-in-muenchen-unter-a-891815.html
Anscheinend kann man auch beim Spiegel keine Statistiken lesen (auch andere Zeitungen haben damit Probleme). Die Niederlage ist nicht die höchste Niederlage in der Bundesligageschichte. Der HSV hat in der Vergangenheit bereits Spiele mit 7:0 und 8:1 verloren. Da geschossene Tore mehr zählen als weniger kassierte Tore, sind diese Spiele in der offiziellen Bundesligastatistik korrekt als höhere Niederlagen bewertet. Einzig alleine der Minusrekord bei Gegentoren in einer Partie wurde gebrochen. Schade das immer mehr Journalisten Artikel schreiben ohne von der Materie wirklich Ahnung zu haben (betrifft wie schon geschrieben nicht nur den Spiegel).
2. Europapokal verboten
labalex 31.03.2013
Warum hätte man nicht von Europa reden dürfen sollen, wenn man nach 2/3 der Saison auf einem Europapokalplatz steht? Der qualifiziert doch dafür oder sehe ich das falsch? Dürfen scheinbar alle Mannschaften, nur nicht der HSV.
3. ganz einfach
ziegenzuechter 31.03.2013
Zitat von sysopAFPÜber diese Niederlage wird in Hamburg noch lange gesprochen werden: Der HSV hat gegen Bayern München einen desolaten Auftritt hingelegt und die höchste Pleite seiner Bundesliga-Geschichte kassiert. Dabei war vor dem Spiel noch der Europapokal das Ziel. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-hsv-geht-in-muenchen-unter-a-891815.html
1 monatsgehalt von jedem spieler einbehalten
4. Noch etwas Positives
westerslag 31.03.2013
Ab der 68. Minute hat der HSV 2:1 gewonnen! Auswärtssieg!!
5. Ist - so glaube ich - ...
sappelkopp 31.03.2013
Zitat von waldschrat80Anscheinend kann man auch beim Spiegel keine Statistiken lesen (auch andere Zeitungen haben damit Probleme). Die Niederlage ist nicht die höchste Niederlage in der Bundesligageschichte. Der HSV hat in der Vergangenheit bereits Spiele mit 7:0 und 8:1 verloren. Da geschossene Tore mehr zählen als weniger kassierte Tore, sind diese Spiele in der offiziellen Bundesligastatistik korrekt als höhere Niederlagen bewertet. Einzig alleine der Minusrekord bei Gegentoren in einer Partie wurde gebrochen. Schade das immer mehr Journalisten Artikel schreiben ohne von der Materie wirklich Ahnung zu haben (betrifft wie schon geschrieben nicht nur den Spiegel).
...völlig unwichtig, wie Sie und andere Rechenkasper dieses Ergebnis statistisch bewerten möchten. Für mich ist eine 9:2 Niederlage jedenfalls - wie für jeden Fan - schmerzlicher als ein 7:0. Und auch klar höher.
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Höchste Bundesliga-Siege
Datum Paarung Ergebnis
29.04.1978 M'gladbach - Dortmund 12:0
07.01.1967 M'gladbach - Schalke 11:0
06.11.1982 Dortmund - Bielefeld 11:1
27.11.1971 Bayern - Dortmund 11:1
11.10.1984 M'gladbach - Braunschw. 10:0
04.11.1967 M'gladbach - Neunkirchen 10:0
13.03.1984 Bayern - Offenbach 9:0
10.09.1976 Bayern - TeBe Berlin 9:0
26.03.1966 Tasm. Berlin - Meider. SV 0:9
27.02.1965 1860 München - Karlsruhe 9:0
18.03.2000 Ulm - Leverkusen 1:9
05.10.1974 Eintr. Frankfurt - RWE 9:1
18.04.1970 Hertha BSC - Dortmund 9:1
16.04.1966 Neunkirchen - 1860 1:9
08.09.1979 1. FC Köln - Braunschw. 8:0
08.11.1969 1. FC Köln - Schalke 8:0
12.02.1966 HSV - Karlsruhe 8:0
30.03.2013 Bayern - HSV 9:2
14.11.1981 Eintr. Frankfurt - Werder 9:2
07.03.1964 1860 - HSV 9:2
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