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Kühne-Rückzug beim HSV: Vor dem Zusammenbruch

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Der HSV hat sich bei seiner Finanzplanung auf den Einstieg von Investor Klaus-Michael Kühne verlassen, doch der Milliardär will keine Anteile an der Fußball-AG haben - sondern offenbar sein Geld zurück. Für den Verein kann das zur Katastrophe werden.

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Der Milliardär Klaus-Michael Kühne hat dieser Tage der "Zeit" ein Interview gegeben. Darin hat er sehr viel auf Fahrradwege geschimpft - und auf den Hamburger SV. Er habe schon "viel zu viel Geld" in diesen Verein investiert, sagte der 77-Jährige. Und überhaupt "ärgere ich mich, wenn Geld umsonst ausgegeben wird". Das scheint er jetzt ändern zu wollen. Kühnes Ärger könnte den HSV in seine schwerste finanzielle Krise stürzen.

Der Investor, der dem Verein gut 25 Millionen Euro als Darlehen vorgestreckt und sich damit auch das Recht zu erkaufen geglaubt hat, immer wieder in sportliche Dinge hineinzureden, will sein Geld jetzt offenbar zurückhaben. Jedenfalls verzichtet Kühne auf die Option, das Darlehen wie vom HSV erhofft in Anteile an der AG umzuwandeln. Damit bricht ein Grundpfeiler des Gesamtkonzeptes weg, mit dem sich der Klub im Mai die Ausgliederung der Profi-Abteilung von den Mitgliedern hatte genehmigen lassen. Schließlich war Kühnes Einstieg fest eingeplant.

"Herr Kühne wird sein Optionsrecht nicht wahrnehmen", verkündet der neue HSV-Finanzvorstand Frank Wettstein in dürren Worten. Für den Verein eine finanzielle Katastrophe. Der HSV hat ohnehin schon gut 100 Millionen Euro an Verbindlichkeiten, er hat sich auf das Kühne-Geld verlassen. Mit dem Aufsichtsratschef Karl Gernandt hat man einen Mann an die Spitze des Gremiums gehievt, der bei Kühne als Generalbevollmächtigter angestellt ist. Der Verein hat sich weitgehend in die Hände eines 77-jährigen Geldgebers begeben - der jetzt zum Geldnehmer zu werden droht.

Wer investiert in ein Schlusslicht?

Mit dem Konzept HSV plus aus dem Mai hatte man in Hamburg gehofft, Investoren anzulocken, die Anteile an dem Verein erwerben. Kühne sollte der Türöffner für weitere solvente Partner werden. Ein halbes Jahr später ist davon nichts zu sehen und zu hören. Außer Kühne hat niemand sein gesteigertes Interesse angemeldet. Und jetzt steht der einzige, der bisher Geld in den Klub gesteckt hat, auch noch vor dem Abgang.

Das Problem: Ein Klub, der in den Niederungen der Tabelle herumdümpelt, ist alles andere als attraktiv, um sein Geld in ihn zu stecken. Ein sportlicher Aufwärtstrend ist nicht in Sicht, auch der neue Coach Josef Zinnbauer, ein akribischer, ernsthaft arbeitender Mann, hat die Wende zum Positiven bisher nicht geschafft.

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Stattdessen wird dem Team vom Schweizer Neuzugang Valon Behrami attestiert, ihm fehle es an Charakter, an Mentalität. Das sagt ein Spieler, der gerade fünf Monate dem Klub angehört - und bislang auch nicht unbedingt durch überragende Leistungen auffiel. Von Kühne ist Behrami für dessen Kritik gelobt worden.

Von jenem Kühne, der mal öffentlich die Entlassung von Trainer Mirko Slomka gefordert hatte, der Felix Magath nach Hamburg zurückholen wollte, der eine Verpflichtung von Nationalspieler Max Kruse verlangte.

Wenn der HSV am Wochenende auf Schalke verliert und es auch in den anderen Partien schlecht für die Hamburger läuft, überwintert der Klub auf einem Abstiegsplatz. Wer investiert in ein Schlusslicht?

Fan-Anleihe wurde zum Stopfen von Löchern genutzt

Reserven hat der Verein so gut wie keine mehr. Die 17,5 Millionen Euro, die als Fan-Anleihe an sich für den Bau des HSV-Nachwuchscampus gedacht waren, sind zum Stopfen finanzieller Löcher genutzt worden. Zudem wurden die Gehaltskosten nicht wie geplant auf 38 Millionen Euro gesenkt sondern stiegen auf rund 50 Millionen Euro.

Die Geschäftsführung um den neuen Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer und den neuen Sportdirektor Peter Knäbel hat zwar jahrelang vermisste Seriosität in die Führung einziehen lassen, aber das ist mutmaßlich zu spät passiert. Beiersdorfer und Knäbel werden zu Mangelverwaltern. Ihr Handlungsspielraum ist denkbar gering.

Um sich die Sache schönzureden, hoffen jetzt manche im Verein, ein Rückzug des Querulanten Kühne könnte den Weg für andere Investoren frei machen. Kühne hat jedenfalls die Lust an dem verloren, was er "mein Hobby" nennt: dem Hamburger SV. Der Milliardär hat derweil sein nächstes Prestigeobjekt im Auge. An der Alster lässt er ein Luxushotel erstehen. Es soll laut Kühne "eines der besten Hotels in Europa" werden. So wie der Hamburger SV mal einer der besten Klubs in Europa werden sollte.

Das "Hamburger Abendblatt" ist dem HSV grundsätzlich wohlgesonnen, man hat über Jahrzehnte mit dem Verein mitgejubelt und mitgelitten. Dieser Tage fiel der Zeitung als Überschrift zum HSV auch nichts anders mehr ein als: "Es wird immer schlimmer".

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insgesamt 94 Beiträge
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1. Geht nicht
hibee 19.12.2014
Ich bin kein HSV Fan, aber der HSV kann nicht auf dem letzten Platz überwintern, da Bremen noch gegen Dortmund spielen muss und nicht beide Mannschaften den HSV überholen können, egal wie das Spiel auch enden mag....
2.
hubidubi 19.12.2014
Das dürfte eine der besten Nachrichten für den HSV seit langem sein. Zahlt den Mann aus und jagt ihn zum Teufel, dann wird es vielleicht noch etwas. Mit ihm wird der HSV kurz- bis mittelfristig vor die "Hunde" gehen.
3. Wer sich auf Gedeih und Verderb
cmann 19.12.2014
mit solchen unberechenbaren Tyen wie Kühne "einlässt" darf sich nicht wundern wenn dann mit seiner großzügigen Mitthilfe der "Karren gegen die Wand" fährt. Mein Mitleid hält sich aufgrund des chaotischen Gebarens der früheren "Führungselite" in ziemlich engen Grenzen. Mir tut es für Beiersdorfer leid, der offensichtlich zu spät ans Ruder kam um die jetzige Situation noch zu verhindern.
4. Hsv
nesmo 19.12.2014
Hab Schnauze Voll. Noch ein euphemismus. Unerträglich was die Spieler seit Jahren abliefern und wie hilflos die Führung agiert. Ein wirklicher Neuanfang scheint nur nach einem Abstieg in die 2. Liga möglich, weil erst dann von Grund auf neu aufgebaut wird. Der Dino ist praktisch schon tot, der Kometenaufschlag nicht mehr zu verhindern.
5. Herr Kühne investiert
seit1958 19.12.2014
naturgemäß lieber in Unternehmungen mit Aussicht auf Gewinn. Das hat er in seinem Berufsleben bisher sehr erfolgreich getan und warum sollte er dies jetzt ändern. Keine Sorge HSV, in Hamburg ist soviel Geld versammelt, irgendeinen Deal wird es schon geben um den HSV retten zu wollen. Irgendeine Firma des Stadtstaates Hamburg wird das Stadion kaufen und für eine besonders "gute" Mietrate an den HSV vermieten. Nur wie lange geht es dann weiter bei den Ansprüchen in der Hansestadt?
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