HSV vor der Rückrunde Der gefährliche Platz zehn

Der krisengeplagte HSV hat die Hinrunde als Tabellenzehnter überstanden. Kein Grund zur Entwarnung: Das Geld fehlt, die Vorbereitung lief schlecht, wichtige Spieler sind angeschlagen - und jetzt kommen die Bayern.


Die Fans des Hamburger SV werden am Freitagabend noch einmal daran erinnert, wie knapp der Klub dem Sturz in die zweite Liga entgangen ist. Die Hamburger verabschieden vor dem Spiel gegen den FC Bayern zum Rückrunden-Start (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD) den in der Winterpause zu Celta Vigo gewechselten Marcelo Díaz. Der Chilene wird auf ewig einen Platz in der Geschichte des Vereins haben. In der Relegation gegen den Karlsruher SC verhinderte er mit seinem Freistoßtor in der Nachspielzeit den ersten Abstieg des HSV.

Eine halbe Saison ist vergangen seit dem rettenden Kunstschuss des Mittelfeldspielers. Und die Lage in Hamburg hat sich merklich gebessert. Der Verein hat einen personellen Umbruch eingeleitet. Viele Spieler, die hochbezahlt waren und unter den Erwartungen spielten, wurden vom Hof gebeten: Profis wie Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Heiko Westermann und Valon Behrami. Nachgerüstet wurde mit entwicklungsfähigen Profis wie Michael Gregoritsch, Albin Ekdal und Gotoku Sakai. Lewis Holtby und Nicolai Müller können ebenfalls als Zugänge zur laufenden Saison gelten, weil sie sich im zweiten Jahr in Hamburg endlich eingefunden haben.

Als Tabellenzehnter steht der HSV besser da, als von der Allgemeinheit erwartet und von vielen Fußball-Interessierten erhofft, die schwer genervt davon sind, dass der Klub trotz des jahrelangen Versagens auf vielen Ebenen immer noch in der Bundesliga spielt. "Wir können von einer größeren Leistungsfähigkeit, neuem Teamgeist und mehr Zusammenhalt sprechen", hat Klubchef Dietmar Beiersdorfer bei der jüngsten Mitgliederversammlung gesagt und damit einen treffenden Situationsbericht abgegeben. Dass Trainer Bruno Labbadia gerade seinen Vertrag verlängert hat, wenn auch nur um ein Jahr, passt zum Bild eines Vereins, der sich so langsam stabilisiert.

Schlechte Testspiele und Verletzte

Aber eben nur so langsam. Die Hamburger haben den permanenten Krisenzustand überwunden, doch sie wissen, dass es zur vollständigen Genesung noch ein weiter Weg ist. Der Verein hat gerade ein Rekordminus von 16,9 Millionen Euro bekannt gegeben. Geld für neue Spieler ist nicht da. Erst müssen Profis abgegeben werden. "Unser Portemonnaie ist nicht gerade überfüllt. Wir müssen kreativ sein", sagt Labbadia über die Transfer-Strategie des Klubs.

Dem Rückrunden-Start sehen die Hamburger skeptisch entgegen, was nicht nur daran liegt, dass der Rekordmeister aus München zu Gast ist. Die Wintervorbereitung hat dem HSV wenig Mut gemacht. In drei Testspielen gab es drei Niederlagen, 1:3 gegen Ajax Amsterdam, 1:2 gegen Rot-Weiß Erfurt, 1:2 gegen Bern. Mehr noch als die schlechten Ergebnisse beschäftigen Labbadia die vielen Ausfälle und Verletzungen, die die Vorbereitung auf die Rückrunde erschwert haben.

"Wir hatten kein ganz so hohes Trainingsniveau und nicht den nötigen Konkurrenzkampf", sagt der Trainer. In die zweite Saisonhälfte startet das Team ohne Emir Spahic, der wegen einer Bauchmuskelverletzung länger ausfällt. Kapitän Johan Djourou, der zweite etatmäßige Innenverteidiger, hatte im Vorlauf auf die Partie gegen den FC Bayern Schmerzen im Knie. Und Pierre-Michel Lasogga, der einzige zuverlässige Stürmer des HSV, ist wieder einmal von Schulterproblemen geplagt.

Der zehnte Platz ist tückisch für die Hamburger. Weil es in der Tabelle eng zugeht, müssen sie nach Siegen schon wieder Fragen nach möglichen Europapokal-Ambitionen abwehren. Mit einigen Niederlagen nacheinander könnte es schnell wieder in die andere Richtung gehen. Dass der sportliche Aufschwung der Hamburger wackelig ist, war in der Hinrunde zur Genüge zu besichtigen.

Vor allem zu Hause hat der HSV Spiele verloren, die er nicht hätte verlieren müssen. Gegen Hannover gab es ein 1:2, gegen Mainz ein 1:3, gegen Augsburg ein 0:1. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren scheint allerdings ein Sinn für die Realität eingezogen zu sein. "Wir sind in der Tabelle weder oben noch unten und haben Schwierigkeiten, uns mit guten Ergebnissen für oben zu entscheiden. Das macht unsere Lage gefährlich", sagt Klubchef Beiersdorfer.

Weder oben noch unten. Das trifft den Zustand des HSV. Bei den Hamburgern herrscht nicht mehr Alarmstufe Rot, aber immer noch Alarmstufe Gelb.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fridericus1 22.01.2016
1. Als Werderfan ...
... drücke ich den Hamburgern für heute abend alle Daumen und wünsche ihnen mindestens einen Punkt, damit es mal wieder spannender in der Liga!
Driver 22.01.2016
2. Vergangene Saison...
...spielte der HSV klar unter seinen Möglichkeiten und rutschte folglich in die Abstiegsregion. Diese Saison spiegelt der Ligaplatz die Leistungsfähigkeit des Kaders wider - nicht mehr und aber auch nicht weniger. Das heutige Spiel und sein Ausgang ist für den HSV egal - bei den übrigen 16 Partien gilt es zu punkten und baldmöglichst 40 Zähler zusammen zu bekommen. Und das sollte mit diesem Kader problemlos möglich sein.
Kurt2.1 22.01.2016
3. .
Herr Buchheister erzählt nichts Neues. Gefährlicher Platz 10? Nicht so gefährlich wie Platz 16. Also, was soll das? Platz 10-14 ist genau das, was vom HSV erwartet werden kann, was möglich ist. Heute gegen Bayern wird wohl kaum ein Blumentopf zu gewinnen sein. Es geht eher darum festzustellen, wie sich die Mannschaft präsentiert. Die Punkte müssen eh woanders geholt werden, egal, ob Bayern einen schlechten Auftakt hat oder nicht. P.S. Natürlich wünsche ich mir, dass der HSV gewinnt! :-)
lini71 22.01.2016
4. Es sei noch einmal
darauf hingewiesen, dass es vor dem Freistoß in der Nachspielzeit kein Foul oder Handspiel gab. An und für sich hätte also Diaz gar nicht treffen können
matzi.albers 22.01.2016
5. Diaz
Es ist so wunderbar zu lesen, dass es immer noch Menschen gibt, die daran knabbern, dass der HSV mit sehr viel Glück den Klassenerhalt geschafft hat. Ihre Sorgen möchte ich haben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.