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Bundesliga im Pay-TV: Erst verschlüsselt, jetzt verzweifelt

Freude bei den Fußballfans: Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs erlaubt deutschen Zuschauern, per ausländischem Pay-TV billiger Bundesliga zu schauen. Aber zeigen griechische oder albanische Sender überhaupt unsere Vereine? Lukas Rilke machte den Selbstversuch.

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Verzweifelte Fußballfans: Bundesliga doch nicht billiger

Was Karen Murphy kann, sollte ich doch auch hinkriegen. Ich habe zwar keinen Pub in Portsmouth. Aber billiger Fußballgucken im Fernsehen ist immer eine gute Idee. Fand Frau Murphy - und das finde ich auch. Ihr ist es zu verdanken, dass ich mir nun aus allen europäischen Pay-TV-Sendern das günstigste Angebot heraussuchen kann. Sie hatte vor dem Europäischen Gerichtshof geklagt und Recht bekommen.

Recht so. Denn ich will Fußball! Live! Meinen Verein! Nun ist der Weg frei für Billig-Bundesliga aus dem europäischen Ausland, in bester Qualität und auf dem heimischen Fernseher. Fehlt nur noch das Abonnement und ein Decoder, schon kann es losgehen.

Kann ja eigentlich nicht so schwer sein - oder doch?

Zumindest beim Ton muss ich wohl schon mal Abstriche machen, wie auch Frau Murphy: Weil nicht alle Premier-League-Spiele von ihrem griechischen Anbieter auf englisch kommentiert wurden, musste oft der mehr oder weniger synchrone Radiokommentar herhalten.

Aber was erträgt man nicht alles für Live-Übertragungen seines Lieblingsclubs? Viele, so wird mir erzählt, versuchen ihr Glück ja lieber gleich umsonst, dafür aber illegal. Solch ein Stream mag schneller zu finden sein als eine legale Lösung, doch lange Ladezeiten und schlechte Auflösung nerven total. Schon allein deshalb scheidet das für mich als Alternative aus.

Murphy wurde auf der Suche nach einem Schnäppchen in Griechenland fündig, genauer gesagt beim griechischen Pay-TV-Sender Nova. "Ein Zehntel des Preises eines Sky-Abonnements" habe sie dort nur zahlen müssen, sagte die Britin. Beim deutschen Sky-Ableger oder bei Liga Total muss man inklusive der "Basisangebote" sowie der Decoder zwischen 35 und 50 Euro pro Monat bezahlen, je nach Angebot.

Enttäuschung beim griechischen Anbieter

In Gedanken schon beim kommenden Bundesligaspieltag, ist die Internetseite von Nova TV schnell gefunden. 200 Spiele aus der griechischen Liga werden dort pro Saison gezeigt, dazu "wichtige Derbys" sowie alle Heimspiele von Olympiakos Piräus. Während ich mich noch frage, ob Fans von Panathinaikos oder AEK Athen hier überhaupt weiterlesen würden, muss ich feststellen: Bundesliga? Fehlanzeige! Dafür werden ausgewählte Premier-, Champions- und Europa-League-Partien übertragen.

Frau Murphy konnte auch deshalb auf das griechische Angebot zurückgreifen, weil die Premier League weltweit deutlich stärker verbreitet ist als die Bundesliga. Meist sind es nur die Top-Partien des Spieltags, die aus Deutschland gezeigt werden. 16,95 Euro pro Monat zahlt man etwa beim spanischen Pay-TV-Sender Digital+ für fünf Bundesliga-Livepartien pro Spieltag. Irgendwie hatte ich bereits so eine Ahnung, dass das mit dem billigen Bundesligagucken nicht so leicht werden würde.

Vielleicht sollte mir jemand helfen, der sich mit der Materie auskennt? Über die Deutsche Fußball-Liga bekomme ich die Nummer einer Firma, die sich um den Vertrieb der Bundesliga-Bewegtbilder in aller Welt kümmert. In der Warteschleife läuft als Hintergrundmusik der Kommentar von Bély Rethy zum Golden Goal Oliver Bierhoffs im EM-Finale 1996 gegen Tschechien.

Das muss ja jetzt ein Erfolg werden.

Als nächstes werde ich auf die offizielle Seite der Bundesliga verwiesen. Dort findet man alle Sender weltweit, die Rechte an der höchsten deutschen Spielklasse gekauft haben. Da sich das Urteil des EuGH auf den europäischen Raum beschränkt, fallen die anderen Kontinente weg. Bleiben noch 57 Anbieter.

Aber wo anfangen? Ich beginne alphabetisch, bei Albanien. Ist Albanien überhaupt von dem Urteil betroffen? Europäisch ja. Aber Albanien ist nur ein EU-Beitrittskandidat. Egal, einen Versuch ist es wert. Auf der Seite von DigitAlb rate ich mich durch das Menü und klicke auf "Paketat", mich erinnernd, dass bei den heimischen Anbietern auch immer von "Sportpaketen" die Rede ist.

Obst in Albanien, keine Antwort aus Malta

Gehofft hatte ich auf eine Übersichtsseite mit Bundesligaemblem und einer Zahl daneben, die ich schnell als Preis würde identifizieren können. Doch ich lerne etwas anderes: In Albanien werden in Sachen Pay-TV nicht Äpfel mit Birnen verglichen, sondern Äpfel mit Mangos und Erdbeeren. Das Ein-Monats-Abo (von dem ich nicht einmal weiß, ob es Fußball enthält) wird von einer Handvoll Äpfel symbolisiert, drei Monate durch Mangos. Zwölf Monate? Erdbeeren. König Erdbeere also statt König Fußball?

Ich hake Albanien ab, gehe Land für Land die Liste durch, doch es wird nicht einfacher. Mal sind die Preise genauso hoch oder gar höher als in Deutschland, wie zum Beispiel bei Sky Italien, das für eine kleine Auswahl an Bundesligaspielen im Sportpaket 40 Euro verlangt. Mal muss man Staatsbürger des Landes sein oder es wird eine landesspezifische Kreditkarte gefordert.

Aber dann, Buchstabe M, Malta. Mittlerweile sind Stunden vergangen, ich sehe nur noch verschwommen, kann aber noch das Bundesligalogo und einen Preis von unter zehn Euro erkennen. Inzwischen routiniert, klicke ich mich bis zum Anmeldeformular - und werde stutzig: Kein Warnhinweis, dass ich mich aus dem "falschen" Land anmelde, auch die Kreditkarte wird anstandslos akzeptiert. Ich fülle die letzten Felder aus und schicke das Formular ab. Zur Bestätigung soll in wenigen Momenten eine E-Mail kommen. Fünf Minuten vergehen, zehn Minuten, nichts passiert. Dann schalte ich den Computer aus. Auch am nächsten Tag noch keine Antwort aus Malta, ich gebe mich vorerst geschlagen.

Hat das von vielen gefeierte Urteil für den Fußballfan also vielleicht doch nicht die zunächst angekündigten großen Auswirkungen? Frau Murphy mag mit ihrer Lösung wirklich viel Geld sparen, doch für einen normalen User lohnt der derzeitige Aufwand kaum. Der Service ist gleich Null, die Auswahl bei den Bundesligaspielen gering, von einem deutschen Kommentar ganz zu schweigen - oder haben Sie andere Erfahrungen gemacht?

Wenn Sie ebenfalls den Selbstversuch unternommen haben und auf der Suche nach dem legalen vollen Bundesliga-Programm zum kleinen Preis fündig geworden sind - schreiben Sie uns eine Email an die Adresse spon_sport@spiegel.de

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