Ingolstadt-Ärger über Schiedsrichter "Das ist verrückt! Ein Wahnsinn! Unfassbar!"

Ingolstadt tobt über die Niederlage gegen Borussia Dortmund. Mehrere fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen hatten dem Favoriten geholfen. Selbst BVB-Trainer Tuchel fordert nun den Videobeweis.

BVB-Trainer Tuchel (l.), FCI-Coach Hasenhüttl: "Das kotzt mich an"
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BVB-Trainer Tuchel (l.), FCI-Coach Hasenhüttl: "Das kotzt mich an"


Als Aufsteiger kann man gegen Borussia Dortmund verlieren, das ist kein Beinbruch, wahrscheinlich sogar einkalkuliert. Punkte gegen den Abstieg muss man woanders sammeln. Doch die Stimmung nach dem 0:2 (0:0) des FC Ingolstadt beim BVB war hochexplosiv, denn die Art und Weise, wie die Niederlage zustande gekommen war, konnten und wollten die FCI-Profis nicht akzeptieren.

Marvin Matip und Ramazan Özcan wetterten gegen Schiedsrichter Guido Winkmann, sie sprachen von "Betrug", "Verarschung" und "Beschiss". "Das ist verrückt! Ein Wahnsinn! Unfassbar! Ich verstehe die Welt nicht mehr", tobte Trainer Ralph Hasenhüttl: "Wir sind bei drei Entscheidungen von enormer Tragweite klar benachteiligt worden. Wie soll ich das meinen Spielern erklären?"

Was war passiert?

  • Erste Szene: Zunächst war da der Zweikampf zwischen Ingolstadts Rekordzugang Darío Lezcano und Mats Hummels in der 29. Minute im Strafraum des BVB. Hummels hielt den Angreifer am Arm, der fiel zu Boden - doch Winkmann verweigerte einen Elfmeterpfiff, der auch eine Rote Karte gegen Hummels nach sich gezogen hätte. Eine strittige Situation, Dortmund hätte sich nicht beschweren können, wenn Winkmann anders entschieden hätte.

  • Zweite Szene: Dann war da der zweite Zweikampf zwischen Hummels und Lezcano in der 67. Minute: Der BVB-Kapitän wollte zu seinem Keeper Roman Bürki zurückpassen, das misslang spektakulär, der Ball segelte aus 25 Metern ins eigene Tor. Hummels reklamierte, er sei vom Ingolstädter Angreifer gefoult worden - und Winkmann pfiff. "Das Eigentor nimmt er zurück, weil ein Weltmeister sich aufregt", sagte Matip nach der Partie. Hummels meinte hingegen: "Ein ganz klares Foul." Winkmann erklärte, sein Assistent habe sofort "Foul, Foul, Foul!" gerufen. Er gab aber zu, dass es eine sehr, sehr enge Entscheidung gewesen sei.

  • Dritte Szene: Und dann kam die "Krönung", wie Hasenhüttl es nannte: Aubameyangs Kopfballtreffer nach Flanke von Lukasz Piszczek zum 1:0, das der Angreifer aus einer Abseitsposition erzielte (77.). Unstrittig eine Fehlentscheidung.

Besonders unglücklich an diesem Gegentor: Die Dortmunder Stadionregie spielte das Tor auf der Videoleinwand ein. "Wie kann Dortmund so dumm sein?", fragte sich wohl nicht nur Ingolstadts Matip, der die Einspielung genauso wie viele seiner Kollegen sehen konnte. Benjamin Hübner fühlte sich "verarscht" und via Anzeigetafel "auch noch verhöhnt". Nach Angaben der Ingolstädter soll auch Winkmann hingeguckt haben. "Er hat gesagt: Ja, wir haben gesehen, dass es Abseits war. Und dass er das Tor nicht zurücknehmen kann - denn das wäre ein Videobeweis", sagte Torhüter Ramazan Özcan.

Tuchel fordert den Videobeweis

Winkmann zeigte sich einsichtig. "Fakt ist, es ist Abseits. Fakt ist, es ist spielentscheidend. Fakt ist auch: Wir diskutieren über zwei weitere Szenen. Dann trifft es dreimal Ingolstadt", räumte er ein. Aber: "Selbst wenn ich das Abseitstor auf der Leinwand gesehen hätte, hätte ich es nicht zurücknehmen dürfen."

Sogar BVB-Trainer Thomas Tuchel konnte den Ärger der Ingolstädter verstehen - und hielt ein Plädoyer für den TV-Beweis. "Ich finde es unerträglich, dass die vier Schiedsrichter es nicht wissen, aber jeder im Stadion mit einem Smartphone weiß es zehn Sekunden später", sagte er: "Ich bin glühender Verfechter davon, jedes Tor zu überprüfen." Und auch Hummels sagte: "Es wäre sehr wichtig, wenn nur regelkonforme Tore fallen würden. Dann müsste man bei 10 bis 15 Prozent anders entscheiden."

Hasenhüttl kritisierte den fehlenden Mut Winkmanns, die Entscheidung vor den 80.000 BVB-Fans zurückzunehmen. Wenn das der Fall gewesen wäre, "hätten wir etwas holen können", sagte er - und verwies darauf, dass Ingolstadt in dieser Saison schon einmal schlechte Erfahrungen mit dem Referee gemacht habe: "Herr Winkmann hat uns schon gegen Stuttgart auf die Verliererstraße gebracht", sagte Hasenhüttl. Der VfB hatte die Partie durch ein Abseitstor von Daniel Didavi 1:0 gewonnen. "Am Ende steht die Null. Das kotzt mich an."

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Bundesliga-Analyse: Warum Dortmund verdient gewonnen hat

bka/sid

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 48 Beiträge
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TS_Alien 31.01.2016
1.
Ständig gibt es Fehlentscheidungen. Das liegt an den vielen schlechten Schieds- und Linienrichtern. Noch mehr liegt es an den vielen unfair agierenden Fußballern. Der Videobeweis wird daran nichts ändern. Das Problem sind die Spieler. Es gibt Sportarten, in denen die Spieler fair miteinander umgehen. Fußball gehört schon lange nicht mehr dazu. Daher ist Zuschauen reine Zeitverschwendung.
McTitus 31.01.2016
2. Hört doch einfach mal auf damit!
Marvin Hitz zerstört mit seinen Stollen spielentscheident den Elfmeterpunkt! Er wird von Euch zum Torwart des entsprechenden Spieltages gemacht! Dante wird von Lasogga zusammen getreten und bekommt von Euch eine schlechte Bewertung, dafür, dass er im lädierten Zustand ein Tor nicht verhindern konnte! Und jetzt meint Ihr auch noch der BVB habe verdient gewonnen! Der Fussball ist zu einem Wirtschaftssystem geworden, in dem systemrelevante Clubs wie der FC Bayern oder der BVB Ihre ganze Macht in die Waagschale werfen, in dem Fussballweltmeisterschaften gekauft werden und Sepp Blatter und Wolfgang Niersbach immer noch frei rum laufen dürfen! Und Ihr führt Euch auf wie Hofberichterstatter oder Chef Lobbyisten! Empört Euch mal ein bischen, wenn ich bitten darf! Stellt mal ein paar unangenehme Fragen!
townsville 31.01.2016
3. Fehler
FIFA, DFL und DFB haben den Videobeweis abgelehnt und verhindert. Da kann man jetzt nicht die Schiedsrichter oder gar einzelne Vereine (hier den BVB) als Schuldige ausmachen. Was in der Superzeitlupe mit Standbild, drei Blickwinkeln und Zoom eindeutig ist, ist halt in der Bewegung, einzelner Perspektive und einigem Abstand mit menschlichem Auge nicht immer auszumachen.
hr_cw 31.01.2016
4. Regelwerk ...
Ist schon ärgerlich wenn sich ein Schiedsrichter ans Regelwerk hält. Ich empfinde es allerdings als Dummfrech und Arrogant wenn man einem Schiedsrichter in diesem Fall Feigheit und Betrug vorwirft ... Ingolstadt kann sich gerne in den Freizeitsport zurückziehen wenn es für differenzierte Kritik und Starkmachen für Änderungen nicht reicht. Mit freundlichen Grüßen Christian Wagner PS: Es würde den Fußball natürlich ungemein bereicghen wenn jeder Schiedsrichter Pfeift wie er möchte.
dgs 31.01.2016
5. Er hat recht
Ich mag den BVB, ich mag Mats Hummels. Aber Herr Hasenhüttl hat recht, das war der Weltmeisterbonus. An den Schiedsrichter- wenn sie es auf der Leinwand sehen, und die Entscheidung zurücknehmen, müssen sie niemandem sagen, dass es wegen der Leinwand war - schließlich haben sie gerade neue Informationen über das Headset bekommen.
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