50+1-Regel Bahn frei für die Fußballinvestoren

Dietmar Hopp darf die Mehrheit bei der TSG Hoffenheim übernehmen - damit schafft die Bundesliga eine weitere Ausnahme von einer aus der Zeit gefallenen Vorschrift. Die 50+1-Regel gehört abgeschafft.

Ein Kommentar von

Hopp: DFL erlaubt Übernahme der Mehrheit in Hoffenheim
picture alliance / dpa

Hopp: DFL erlaubt Übernahme der Mehrheit in Hoffenheim


Es ist nicht das erste Mal, dass die Deutsche Fußball Liga von ihrer Linie abweicht: Martin Kind darf nach einer Entscheidung des DFB-Schiedsgerichts 2017 die Mehrheit bei Hannover 96 übernehmen - entgegen der 50+1-Regel, die genau das verhindern soll. Nun erlaubt die DFL auch Dietmar Hopp, Mehrheitseigner bei der TSG Hoffenheim zu werden. Die Begründung: Hopp habe sich mehr als 20 Jahre für den Klub engagiert.

Man braucht nicht viel Fantasie, um sich die wütenden Reaktionen vorzustellen: "Der Fußball verkauft seine Seele", "Die Liga verrät die Traditionsvereine", "Mäzene wie Hopp machen den Sport kaputt."

Doch mal nüchtern betrachtet: Was bedeutet die Entscheidung für Hoffenheim eigentlich? Wird sich bei dem Klub irgendwas ändern, wenn Hopp die Mehrheit übernimmt? Wohl kaum. Seit seinem Entschluss, die TSG in die Bundesliga zu führen, hat der SAP-Gründer das letzte Wort. Den Bundesligisten Hoffenheim gibt es nur wegen Hopp - und die Verweigerung einer offiziellen Mehrheitsübernahme war und ist absurd.

Die Argumentation der Traditionalisten geht so: Fußballvereine dürfen nicht zum Spekulationsobjekt werden, Leidenschaft muss über wirtschaftliche Interessen gehen. Aber hat diese Haltung ernsthaft noch etwas mit der Realität in der Bundesliga zu tun? Die Klubs der ersten und teilweise auch der zweiten Liga sind längst hochprofessionell gemanagte Unternehmen mit Umsätzen bis zu 528 Millionen Euro (FC Bayern).

Natürlich ist es für viele Konzerne interessant, da einzusteigen. Und natürlich verhindert die 50+1-Regel viele Investitionen. Wie schwer sich gerade die Traditionsklubs tun, mit der Entwicklung schrittzuhalten, zeigen der Hamburger SV, Werder Bremen und der VfB Stuttgart. Alle drei Vereine gehören vom Umsatz her noch zum oberen Mittelfeld der Liga, müssen aber sportlich um den Klassenerhalt bangen.

Gerade für die Traditionsklubs könnte es daher eine Chance sein, sich von der 50+1-Regel zu verabschieden. Dann könnten auch sie endlich vom Geld der Konzerne profitieren - und nicht mehr nur Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
h_hipper 18.12.2014
1. Kann man auch anders sehen....
Allerdings sollte man auch erwähnen, dass insbesondere die britischen Sport-Journalisten die 50+1-Regel - neben der exzellenten Nachwuchsförderung von DFB u. DFL - als einen der Hauptgründe für die Renaissance des deutschen Fussballs ausgemacht haben.
lady_amanda 18.12.2014
2. Lieber Chris Teevs,
die Realität zeigt aber leider auch, dass kleine Vereine bei Zuschauerzahlen zulegen, siehe Kreisligen etc. und bei Vereinen, die vom großen Geldtopf leben kein Schwein zusieht. Es mag sein, das die Realität bald Ingolstadt vs Hoffenheim sein wird. Glauben sie mir, Fußball wird nicht mehr dasselbe sein. Schauen sie ein Geisterspiel an und sie merken sehr schnell, das es nur und ausschließlich die zahlenden Fans sind, die diesen Sport zu dem machen, was er ist. Wenn der Fußball langsam eingeht, wie eine Primel mit zu viel Wasser werden sich die "Investoren" recht schnell wieder verziehen. Ohne Rendite, kein Geld. Das wir die Realität sein, selbst, wenn es erst in 50 Jahren sein wird. Allerdings reagiert Geld die Welt und selbstverständlich wird es genauso laufen. Denn Prost, ne. Ich bin Traditionalist, nur Realist. Die wirklichen Fans reagieren allerdings äußerst empfindlich. Warten Sie es ab.
Boesor 18.12.2014
3.
Die Realität holt den deutschen Fußball ein. Ob das grundsätzlich gut oder schlecht ist? Egal, es ist unvermeidlich geworden Investoren ins Boot zu holen, ob das nun überaus "großzügige" Mäzen wie Hopp, oder kalkulierende Konzerne wie RB sind.
wörther 18.12.2014
4. Nicht mehr mein Sport
Irgendwann gibt es ein Pokalendspiel Audi Ingolstadt gegen Red Bull Leipzig. Was Retortenvereine sind, sieht man z.B. bei deren Auswärtsspielen, wenn der Gästeblock fast leer ist. Aber so wandelt sich halt die Gesellschaft im real existierenden Kapitalismus.
galbraith-leser 18.12.2014
5. Tolle Idee, Herr Teevs.
Das ist ungefähr so, also schlügen Sie vor, die brennende Hütte dadurch zu retten, in dem sie die Nachbarhütte auch gleich anzünden. Um beim Fußball zu bleiben: Mag sein, dass die vom FCB systematisch geschaffenen schottischen Verhältnisse es nötig machen, der Geldmacht des Südens beizukommen. Aber lauter mit Geld hochgepumpte Klubs ohne große Anhängerzahl sind der Tod des Fußballs. Vereine wie Hoffenheim oder Wolfsburg spielen unter der Woche im DFB-Pokal oder in der Europa League vor leeren Rängen, bei Auswärtsspielen bekommen sie im Signal Iduna Park das Gästekontingent nicht voll. Die Zuschauerzahlen bei Sky sind der beste Indikator dafür, wie viele Leute sich für einen Verein interessieren und bereit sind, dafür zu zahlen. Und noch ein paar Provinzklubs und die Liga kann einpacken. Es ist ja jetzt schon langweilig.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.