Bundesliga-Kommentar: Konzept schießt Tore

Von Daniel Theweleit

Schießt Geld Tore? Garantieren Millionen den Erfolg? Während man in München immer noch diesem Glauben nachhängt, zeigt die Saison, dass sich vor allem langfristige Planung auszahlt. Erfolgreich sind die gewachsenen Teams - zusammengestellt von Sportdirektoren wie Klaus Allofs und Rudi Völler.

Bremer Profis (nach dem 2:2 gegen Wolfsburg): Gewachsene Mannschaft Zur Großansicht
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Bremer Profis (nach dem 2:2 gegen Wolfsburg): Gewachsene Mannschaft

Es bahnt sich ein neuer Rekord an. Noch nie gab es nach 14 Spieltagen so viele Auswärtssiege in der Fußball-Bundesliga, schon 42-mal haben Gästemannschaften gewonnen, nur 46-mal feierte beim Schlusspfiff das Heimteam. "Vielen Mannschaften fällt es schwer, das Spiel zu machen, uns geht das auch so", das sei vor allem ein Problem vor eigenem Publikum, sagt der Schalker Trainer Felix Magath, der Woche für Woche aufs Neue erklärt, dass sein Club über "keine Spitzenmannschaft" verfüge.

Spitzenteams seien Bayer Leverkusen und Werder Bremen, so Magath, eben jene Mannschaften, die neben der TSG Hoffenheim spielerisch am meisten geboten haben im bisherigen Saisonverlauf. Gemeinsam ist diesen drei Clubs, dass hier seit Jahren systematisch gearbeitet wird, und die Schlüsselfigur dieser Vorgehensweise ist der Sportdirektor, der idealerweise in enger Abstimmung mit dem Trainer die personelle Zusammensetzung des Kaders gestaltet.

Die Tabelle gibt derzeit ziemlich exakt Auskunft darüber, wo Sportdirektoren konzeptionell vorgehen. Unter Rudi Völler (Leverkusen), Jan Schindelmeiser (Hoffenheim) und Klaus Allofs (Bremen) wird akribisch gescoutet, diese Clubs setzen auf Entwicklungen, sie kaufen nur einzelne, sorgfältig ausgewählte fertige Stars (Hyypiä, Pizarro, Simunic). Schwerpunkt ist die Weiterentwicklung von Spielern mit außergewöhnlichem Potential.

In Barcelona oder beim FC Arsenal wird - auf höherem Niveau - ähnlich agiert. Auch die überraschenden Mainzer mit Christian Heidel passen in dieses Konzept. Und in Mönchengladbach entwickelt sich unter Max Eberl erstmals seit vielen Jahren eine funktionierende und perspektivisch aufgestellte Mannschaft. Dahinter steht eine Grundhaltung: Kaufen Sportdirektoren einfach gute Spieler? Oder modellieren sie eine funktionierende Mannschaft?

Spielsystem ist nicht gleich Philosophie

Philipp Lahm hat Uli Hoeneß vorgeworfen, ihm fehle das Händchen für die Entwicklung eines Teams, das besser ist als die Summe seiner Einzelspieler. Hoeneß reagierte uneinsichtig wie ein starrköpfiger Rentner. Der neue Bayern-Präsident fordert beharrlich die Renaissance der "Mir-san-mir"-Bayern. So denkt ein Mann, der Mentalität und bereits Geleistetes wichtiger findet als Entwicklungspotentiale und die Magie des Kollektivs. Die internationalen Pendants sind Inter Mailand und Real Madrid - Clubs, die im Europapokal seit Jahren hinter den eigenen Ansprüchen zurückbleiben.

Hoeneß' Theorie vom Geld, das Tore schießt, führt der FC Bayern gerade selbst ad absurdum, gegen gewachsene Mannschaften kommen die Millionenstars Robben und Ribéry auch in gesundem Zustand nur schwer an. "Habt bitte etwas mehr Geduld", rief Hoeneß am Freitag auf der Jahreshauptversammlung den Bayern-Mitgliedern zu, ihm selbst fehlte diese Tugend zuletzt. Hektisch wurden immer neue Millionen investiert, namhafte Trainer verpflichtet, und in seiner Replik auf die Lahm-Kritik verwechselte Hoeneß den Begriff Spielsystem (4-4-2 oder 4-3-3) mit dem Begriff Philosophie, also der Frage, nach welchen Grundsätzen eine Mannschaft entwickelt wird. Noch anachronistischer wird nur in Köln gearbeitet, wahrscheinlich sind Köln und München derzeit die beiden Bundesliga-Standorte, an denen - neben Berlin - pro Million im Etat die geringste Punkteausbeute herauskommt.

Königstransfer Hyypiä

Spannend bleibt, ob Hoeneß-Nachfolger Christian Nerlinger sich unter der väterlichen Aufsicht seines Vorgängers tatsächlich zu einem Sportdirektor moderner Prägung entwickelt. So wie es Rudi Völler gelungen ist - einem Mann, der eigentlich nicht jedem modernen Schnick-Schnack hinterherrennt. Doch Völler verfügt über jene zwei Dinge, die unerlässlich sind in diesem Job: Geduld und ein feines Auge für Fußballer.

René Adler, Gonzalo Castro, Tranquillo Barnetta, Simon Rolfes und Stefan Kießling spielen nun im vierten Jahr für Bayer, sie haben zweimal am Stück den Europapokal verpasst, das Vertrauen wurde ihnen nicht entzogen. Sogar den erfolglosen Trainer Bruno Labbadia hätten sie im vorigen Sommer gern behalten, weil sie an ein Konzept glauben. Bayer hat eine gewachsene Mannschaft, die nun punktuell verstärkt werden kann, nur deshalb konnte der Königstransfer von Sami Hyypiä, der aus Liverpool nach Leverkusen kam, so gut funktionieren.

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Auch Werder Bremen ist im vergangenen Jahr abgestürzt, doch die Männer an der Weser blieben ruhig und stehen in diesem Jahr trotz des Verlustes von Superstar Diego ganz vorne. "Man hat uns vertraut, das kann sich auszahlen", sagt Per Mertesacker. Und in Mainz wurde Trainer Jörn Andersen im Sommer trotz Aufstieg entlassen, weil es atmosphärische Störungen mit Mannschaft und Management gab, weil er zu sehr aneckte im Arbeitskollektiv am Bruchweg. Es geht um den Blick für die komplexen Feinheiten des Mannschaftssports. Die besten Heimmannschaft der Liga sind übrigens Bayer Leverkusen - und Mainz 05.

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Forum - Was bringt die Bundesliga-Saison 2009/10?
insgesamt 2608 Beiträge
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    Seite 1    
1. Was für eine gewagte Prognose!
Matyaz 04.08.2009
Tolle Prognose: man nehme alle Aufsteiger sowie die 2 schlechtplatziertesten Bundeligisten der letzten Saison, die noch die Klasse halten konnten -und komplett sind die Abstiegskandidaten. Dass Nürnberg und Freiburg eingespielte und spielstarke Mannschaften sind bleibt da ebenso unberücksichtigt wie der stattliche Gladbacher Etat, der immer noch den ein oder anderen Noteinkauf zulässt, sollte es brenzlig werden. Meiner Meinung nach werden neben Mainz und Bochum eher Vereine wie Hannover,Frankfurt, Köln oder gar Berlin erhebliche Probleme mit dem Klassenerhalt haben.
2.
frubi 04.08.2009
Zitat von MatyazTolle Prognose: man nehme alle Aufsteiger sowie die 2 schlechtplatziertesten Bundeligisten der letzten Saison, die noch die Klasse halten konnten -und komplett sind die Abstiegskandidaten. Dass Nürnberg und Freiburg eingespielte und spielstarke Mannschaften sind bleibt da ebenso unberücksichtigt wie der stattliche Gladbacher Etat, der immer noch den ein oder anderen Noteinkauf zulässt, sollte es brenzlig werden. Meiner Meinung nach werden neben Mainz und Bochum eher Vereine wie Hannover,Frankfurt, Köln oder gar Berlin erhebliche Probleme mit dem Klassenerhalt haben.
Frankfurt und Hannover sind bei mir auch die ersten Kandidaten für eine Trainerentlassung. Ich hoffe zwar, dass so viele Trainer wie möglich im Amt bleiben aber man kennt ja das beliebte Trainerhopping. Skibbe und Hecking sind definitv die schwächsten Trainer. Viele schwerer ist die Frage: Wer wird der neue "Spieler der Saison"?? Wenn Carlos Eduardo seinen Nerven ein bisschen besser im Griff hat könnte er den Platz von Diego einnehmen. Özil könnte ebenfalls einschlagen. Aber ansonsten fällt mir aussser Ribery keiner mehr ein, der dieses Jahr richtig einschlagen könnte. Spannend wird der Kampf um die Plätze zur WM 2010. Für mich stehen bisher nur 5-7 Spieler fest. Der Rest kann sich noch Grundlegend ändern. Wie entwickeln sich unsere U21 Europameister? Werden Marin und Özil das neue Mittelfeld-Traumpaar?
3. SGE wird nicht absteigen
yoshitsune 04.08.2009
Ich glaube kaum, dass die Eintracht absteigen wird. Der Derby-Pokal-Erfolg wird fuer genuegend Aufwind bis zum Ende der Saison reichen. Wobei man aber ja auch aus leidvoller Erfahrung weiss, dass eine stark beginnende Eintracht meistens zum Ende der Saison zum Katastrophalen tendiert. Sagte der Eintracht-Fan. ;-)
4.
Tail on the Donkey 04.08.2009
Tja, da kann ich mir meinen Beitrag ja fast sparen: Hannover, Frankfurt und Köln sind auch bei mir ganz heiße Kandidaten auf einen Ausflug in die Zweitklassigkeit. Was Mainz angeht, nun, da scheinen Prognosen selbst von 12 Uhr bis Mittag zu weit gegriffen, zwischen gesichertem Mittelfeld und "am 11.11. bereits rechnerisch abgestiegen" erscheint alles möglich. Bochum seh ich auch stark gefährdet, Nürnberg und Freiburg haben dagegen das Potenzial, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Da die Saison ja nun unmittelbar vor der Tür steht und die wesentlichen Transferentscheidungen durch sein dürften, könnte sich das Ganze am Ende so darstellen: 1. München (akzeptabler Start, in der Rückrunde nicht zu stoppen) 2. Hamburg (es kommen leichtere Aufgaben als Düsseldorf) 3. Stuttgart (die Osteuropa-Fraktion schlägt voll ein) 4. Bremen (Wundertüte, allerdings diesmal mit direkter int. Quali) 5. Dortmund (auf dem Weg nach oben) 6. Wolfsburg (Niveau der letzten Saison kann nicht ganz gehalten werden) 7. Schalke (Altintop schießt zu viele Freistöße) 8. Leverkusen (kann ehrlich gesagt auch 2ter werden) 9. Hoffenheim (kennt die eigentlich noch jemand? Und was ist Rangnick?) 10. Nürnberg (die spielen einen tollen Kombinationsfußball) 11. Berlin (mehr ist kaum drin) 12. Gladbach (die Verstärkungen sehen auf den ersten Blick tauglich aus) 13. Freiburg (gemeinsam mit Nürnberg auf jeden Fall Buli-tauglich) 14. Frankfurt (hier wirds dagegen ganz eng) 15. Köln (Poldi wird sogar einschlagen, am Rest allerdings haperts) 16. Mainz (irgendwas von 14-18, Tendenz Abstiegskampf pur) 17. Hannover (ich hab da ne verdammt miese Saison im Urin) 18. Bochum (die Unabsteigbaren sind mal wieder dran) Irrtümer um 1-2 Positionen nicht ausgeschlossen, allerdings sei der Kreis der Titelanwärter mit den ersten 2, der int. Plätze mit einschließlich Wolfsburg + Leverkusen und der Abstiegskandidaten ab Frankfurt umrissen. Und jetz wird's Zeit, dass' endlich wieder los geht! :-)
5. In erster Linie erwarte ich...
Toradac 04.08.2009
Zitat von sysopMission Titelverteidigung in Wolfsburg, das Magath-System auf Schalke und die verstärkten Bayern: Was erwarten Sie von der neuen Bundesliga-Saison? Wer holt den Titel? Wer steigt ab? Diskutieren Sie mit.
...eine spannende Saison, auch wenn mir klar ist, daß die letzte kaum zu wiederholen sein wird. Titelfavoriten sind für mich der FC Bayern (schon fast ein Naturgesetz), der Vfl Wolfsburg (der es geschafft hat, seine Meistermannschaft zusammenzuhalten und sogar noch zu verstärken), der Hamburger SV (der m.E. gut eingekauft hat) sowie eine Überraschungsmannschaft (könnte in diesem Jahr Leverkusen oder Werder Bremen sein). Um die internationalen Startplätze kämpfen außerdem noch der VfB Stuttgart, Schalke (wenn Magath einschlägt), Hoffenheim und vielleicht auch noch Borussia Dortmund. Die "Weder-Fisch-noch-Fleisch-Franktion", bei der nach oben nichts geht und die mit dem Abstieg nicht viel zu tun haben, besteht aus Köln, Hertha, Nürnberg und Frankfurt. Außer Nürnberg (die ich für sehr spielstark halte) haben naturgemäß die Aufsteiger die größten Probleme, den Abstieg zu verhindern, bei Mainz wird es durch den gestrigen Trainerwechsel noch verschlimmert, Freiburg schätze ich etwas stärker ein, aber auch die müssen sich strecken. Auf Hannover und den Vfl Bochum kommt eine ganz schwere Saison zu, beide müssen ebenfalls bis zum Ende zittern. Am wenigsten kann ich in dieser Saison Mönchengladbach einschätzen, entweder früh im gesicherten Mittelfeld oder aber auch kämpfen bis zum Schluß um den Klassenerhalt. Lassen wir uns überraschen - Freitag geht's endlich wieder los!
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Zum Autor
Daniel Theweleit, 1972 in Freiburg im Breisgau geboren und auf den Fußballplätzen groß geworden, kam nicht umhin, Fan des SC Freiburg zu werden. Seit vielen Jahren lebt er in Köln und schreibt über Fußball.

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