Skandalsieg gegen Hoffenheim Leverkusen mit Phantom-Tor an Tabellenspitze

Die Bundesliga hat einen neuen Torskandal: Leverkusen hat mit einem Treffer, der keiner war, gegen Hoffenheim gewonnen. In einer kuriosen Partie sorgte Referee Felix Brych mit mehreren Fehlentscheidungen für die größten Aufreger. Hoffenheim will Protest gegen die Wertung einlegen.

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Hamburg - Dieses Tor wird in die Geschichte der Fußball-Bundesliga eingehen: Der Schuss des Leverkusener Stürmers Stefan Kießling ging knapp links am Tor von Hoffenheim-Keeper Koen Casteels vorbei, der Ball berührte das Netz - und rutschte durch ein Loch in den Maschen des Netzes.

Schiedsrichter Felix Brych entschied auf Tor (70. Minute), Leverkusen siegte 2:1 (1:0) und zog in der Tabelle vorerst an Bayern München und Borussia Dortmund vorbei. Das zweite Tor gelang Sidney Sam in der 26. Minute, Sven Schipplock steuerte den Hoffenheimer Ehrentreffer (88.) bei.

"Wir wollen die Großen ärgern, aber vor allem auch unsere eigenen Zuschauer mit attraktivem, offensivem Fußball unterhalten", hatte Hoffenheims Trainer Markus Gisdol als Saisonziel formuliert - doch seit dem fünften Spieltag, damals gewann die TSG 2:1 gegen Gladbach, wartet die Mannschaft auf einen Sieg. Ausgerechnet gegen die hochmotivierten Leverkusener sollte es klappen, gegen jenes Team, das für Hoffenheim seit seinem Aufstieg unbezwingbar ist.

Tatsächlich gehörte die Anfangsphase eher den Gastgebern, trotz mehrerer Fehler auf beiden Seiten waren sie unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw von Beginn an um Druck bemüht. Die erste Torchance hatte Sejad Salihovic per Freistoß, Bayer-Innenverteidiger Philipp Wollscheid rettete mit dem Kopf auf der Linie (9.). Leverkusen, bei dem Lars Bender verletzt fehlte, hätte nur fünf Minuten später durch Gonzalo Castro ausgleichen können, der ließ seine Chance aber ungenutzt - genau wie Hoffenheims Anthony Modeste, der aus kurzer Distanz an Bernd Leno (20.) scheiterte.

Brych gibt Volland-Treffer nicht

Besser machte es Sam in der 27. Minute, er ließ dem Hoffenheimer Innenverteidiger Niklas Süle und Torwart Casteels keine Chance. Was sich nur wenige Sekunden später auf der Gegenseite abspielte, hatte Slapstick-Charakter. Zunächst verpasste Firmino den Ausgleich, dann schoss Modeste aus knapp zwei Metern Leno an (28.). Gisdol raufte sich an der Seitenlinie die Haare. Doch das Ärgerlichste sollte noch kommen: Einen Treffer von Kevin Volland in der 36. Minute ließ Schiedsrichter Felix Brych wegen vermeintlicher Abseitsstellung von Passgeber Firmino nicht gelten.

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Helmer, Kießling und Co.: Wenn Tore keine Tore sind
Auch nach Wiederanpfiff war Hoffenheim das aktivere Team, Leverkusen schien vor allem auf Ergebnisverwaltung aus und konzentrierte sich weitgehend darauf, das Pressing der Gäste zu unterbinden. Einen über die linke Außenbahn nach vorne getragenen Ball von Castro bekam Kießling nicht unter Kontrolle. Überhaupt verhielt sich der Stürmerstar weitgehend unauffällig, wenn es bei Leverkusen spannend wurde, dann durch Castro.

Das Spiel verflachte zunehmend - bis Schiedsrichter Brych mit der zweiten Fehlentscheidung des Abends für den großen Aufreger sorgte: Obwohl das Loch im Netz schnell gefunden war, blieb Brych bei seinem Entschluss.

Hoffenheim will "definitiv" Protest einlegen

Stattdessen zeigte er hartes Durchgreifen bei einem intensiven Zweikampf von Roberto Hilbert und Firmino und pfiff Elfmeter für die Gastgeber. Firmino trat selbst an, scheiterte zunächst an Leno und dann am rechten Pfosten; beim anschließenden Chaos im Strafraum rettete Ömer Toprak der Pfosten gerade noch vor einem Eigentor. Hoffenheim bewies trotz der ärgerlichen Vorkommnisse Moral, Schipplock gelang in der 88. Minute der verdiente 1:2-Anschlusstreffer.

Hoffenheim werde "definitiv" Protest gegen das Spiel einlegen, sagte der Leiter des Profifußballbereich, Alexander Rosen, nach der Partie: "Die Leverkusener haben ja auch gar nicht gejubelt. Es ist skandalös. Es gibt keine zwei Meinungen über diese Szene." Beim legendären Phantom-Tor von Thomas Helmer 1994 beim 2:1 von Bayern München gegen den 1. FC Nürnberg hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ein Wiederholungsspiel angesetzt.

Leverkusens Sportchef Rudi Völler gab zu: "Für uns war es unangenehm. So wollten wir das Spiel nicht gewinnen." Kießling selbst sagte, dass er die Szene nicht gesehen habe: "Ich habe im ersten Moment gedacht, der Ball geht nicht rein. Dann kamen alle auf mich zugestürmt und haben mich umarmt."

Brych selbst sagte nach der Partie: "Ich hatte kleine Zweifel, aber die Reaktionen der Spieler waren eindeutig. Es gab kein Anzeichen, dass es ein irreguläres Tor sein könnte. Deshalb habe ich Tor gegeben." Er habe sich im Anschluss mit Kießling ausgetauscht, "aber niemand, auch er nicht, hat mir gesagt, dass es kein Tor war. Der Ball lag im Netz, für alle auf dem Platz war es ein regulärer Treffer", sagte Brych.

Leverkusens Freude über die Tabellenführung könnte ohnehin nicht lange währen, Bayern München empfängt am Samstag Mainz 05, Dortmund spielt zu Hause gegen Hannover 96 (beide 15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky).

Schema: 1899 Hoffenheim - Bayer Leverkusen 1:2 (0:1)
0:1 Sam (26.)
0:2 Kießling (70.)
1:2 Schipplock (88.)
Hoffenheim: Casteels - Beck (81. Herdling), Abraham, Süle, Toljan - Strobl, Polanski (70. Schipplock), Salihovic (63. Elyounoussi) - Volland, Modeste, Firmino
Leverkusen: Leno - Hilbert (86. Donati), Wollscheid (46. Spahic), Toprak, Boenisch - Castro, Reinartz, Rolfes - Sam (80. Robbie Kruse), Kießling, Hegeler
Schiedsrichter: Brych
Zuschauer: 25.213
Gelbe Karten: / - Toprak (2), Wollscheid (2), Hegeler, Castro

psk

insgesamt 38 Beiträge
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suedafrikaner 18.10.2013
1. Frechheit
Kießling sollte ein Vorbild sein, aber sowas geht ja gar nicht! Niemals Nationalmannschaft
gloradin 18.10.2013
2. Sehr unsportlich ...
denn einige Leverkusen-Spieler haben genau gesehen, dass der Ball am Tor vorbei ging. Wie kann man bloß so unsportlich sein? Auch der Kießling hat das genau gesehen, er war der "Torschütze", ärgerte sich erst und dann war er am Jubeln. Das Spiel muss wiederholt werden und solche unsportlichen Leute wie Kießling gehören einfach nicht in die Nationalmanschaft. Er wäre ein ganz großer gewesen, wenn er von sich aus zum Schiri gesagt hätte, dass der Ball vorbei ging, wie auch andere Leverkusener. Aber so ist er einfach einer ohne Ehre. Ich frage mich, wie so eine Gurkentruppe überhaupt da oben stehen kann, denen ist warscheinlich jedes Mittel recht.
coachalex74 18.10.2013
3. Was ein Bericht
Es war kein Schuss von Kießling sondern ein Kopfball und das Spiel endete 2:1 für Leverkusen. Anhand des Jubelszenarios der Bayer-Elf sollte auch der ach so faire Herr Kießling öffentlich zugeben, dass er auch gesehen hat, dass das nie im Leben ein Treffer war. Echt peinlich die ganze Aktion
klitzeklein 18.10.2013
4. Hä??? Wie ging das Spiel aus????
Bitte korrigieren: "Schiedsrichter Felix Brych ließ den Treffer (70. Minute) gelten, Leverkusen siegte 2:0 (1:0) ...... Sven Schipplock steuerte den Hoffenheimer Ehrentreffer (88.) bei. Bitte mehr Konzentration und nicht unbedingt der erste im web sein!!!! Tja wir sollen ja nicht auf den Schiedsrichtern herum hacken. Aber bei dieser Leistung muss man sich wirklich Fragen ob die so hoch gelobte Ausbildung beim DFB so gut ist! Hope ist andereseits selber schuld, wie kann man so ein Ntzt aufhängen??
allster 18.10.2013
5. Kießling ?!
Er hat genau gesehen , dass der Ball nicht im Tor war. Das zeigen seine Reaktionen ganz klar . Das Rausgerede hinterher bekommt keinen FairPlay Preis. Skandalös der Auftritt von Völler im Interview . Hinzu kommt das nicht gegebene Tor für Hoffenheim . Absurd.Es war kein Abseits. Nur Wiederholung ist hier angesagt .
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