Stinkefinger, brutales Foul In Leverkusen liegen die Nerven blank

In der Bundesliga-Rückrunde läuft es für Bayer Leverkusen alles andere als rund. Die Leistung beim 1:1 gegen Abstiegskandidat Braunschweig war blamabel. Der Stinkefinger von Emir Spahic und die rüde Attacke von Emre Can sorgten für weiteren Ärger.

Leverkusens Kießling (r.): Sein Tor genügte nicht zum Sieg
AFP

Leverkusens Kießling (r.): Sein Tor genügte nicht zum Sieg


SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Aufregung um eine Stinkefinger-Geste von Emir Spahic, eine Rambo-Attacke von Emre Can, ein Pfeifkonzert der Zuschauer und Gebrüll in der Kabine: Bei Bundesligist Bayer Leverkusen herrscht Krisenstimmung. "Keiner kommt gut aus dieser Nummer raus", sagte Bayer-Torwart Bernd Leno nach dem blamablen 1:1 gegen den Tabellenletzten Eintracht Braunschweig: "Wenn es so weitergeht, verpassen wir unser Ziel."

"Sechs Minuten in der zweiten Hälfte haben wir ein bisschen schneller gespielt. Das war's", schimpfte Bayer-Teamchef Sami Hyypiä, "mit ein bisschen mehr Unglück hätten wir das Spiel sogar verlieren können." Ohne Tempo, ohne Spielwitz und Durchsetzungswillen zeigte Leverkusen Fußball zum Abgewöhnen, musste sich nach dem Abpfiff ein gellendes Pfeifkonzert gefallen lassen.

Dass der Werksclub immer noch auf dem vierten Rang und damit aussichtsreich im Rennen um einen Champions-League-Platz liegt, verwundert fast. Sechs von elf Spielen verlor Bayer in der Rückrunde, nur dreimal durfte gejubelt werden.

Hyypiä wirkt angesichts der leidenschafts- und seelenlosen Zusammenarbeit seiner Fußballprofis fast ohnmächtig: "Wir tun alles, um die Kurve zu kriegen, aber es dauert länger, als ich gedacht habe." Das bringt selbst den sonst so ruhigen Finnen allmählich aus der Ruhe; er gab zu, nach Abpfiff in der Kabine "etwas lauter geworden" zu sein.

Gründe dafür hatte er während der Partie gegen Braunschweig genug geliefert bekommen. Vor allem zwei Spieler fielen wegen unschöner Aktionen auf: Can brach in der 50. Minute mit einem rüden Foul gegen Damir Vrancic die Nase des Braunschweigers, dieser musste mit blutender Wunde ausgewechselt werden. Für den Tiefpunkt aber sorgte Bayer-Innenverteidiger Spahic, der - unbemerkt von Schiedsrichter Guido Winkmann - Eintracht-Torwart Daniel Davari den Mittelfinger zeigte.

Braunschweig-Spieler Vrancic: Nasenbeinbruch nach rüdem Foul
Getty Images

Braunschweig-Spieler Vrancic: Nasenbeinbruch nach rüdem Foul

Zuvor war Spahics Gegenspieler Mirko Boland nach einem rustikalen Einsteigen des Bosniers verletzt am Boden liegen geblieben. Weil der Unparteiische das Spiel nicht unterbrach, setzte Spahic den Angriff fort, was wiederum Davari auf den Plan rief. Auf die Beschwerde des Braunschweiger Keepers reagierte Bayers Abwehrchef mit der eindeutigen Geste.

Bestraft wurde Spahic nicht, auch Can durfte nach seinem Foul an Vrancic weiterspielen. Dafür traf es einmal mehr Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht, der wegen Reklamierens auf die Tribüne geschickt wurde (62. Minute). "Das war ungerechtfertigt, ich habe nichts gemacht", sagte der Coach des Aufsteigers, der nach Hinweis des vierten Offiziellen zum dritten Mal in dieser Saison seinen Platz auf der Trainerbank vorzeitig verlassen musste. Ihm droht eine weitere Geldstrafe.

Um seinen Job muss Lieberknecht deshalb nicht bangen - genauso wenig wie Hyypiä. "Wir spielen mit ihm die Saison zu Ende. Auch Feuerwehrleute können das Feuer nicht immer löschen", sagte Geschäftsführer Michael Schade WDR2: "Wir müssen uns eher fragen, ob jeder Spieler bereit ist, für gutes Geld auch gute Leistung zu bringen."

Bayer Leverkusen - Eintracht Braunschweig 1:1 (0:0)
0:1 Reichel (47.)
1:1 Kießling (53./Handelfmeter)
Leverkusen: Leno - Donati, Toprak, Spahic, Boenisch - Lars Bender, Can (87. Rolfes), Guardado - Castro (59. Brandt), Kießling, Son (75. Derdiyok)
Braunschweig: Davari - Kessel, Correia, Dogan, Reichel - Boland, Damir Vrancic (56. Kratz) - Elabdellaoui (77. Theuerkauf), Hochscheidt - Nielsen, Kumbela (82. Kruppke)
Schiedsrichter: Guido Winkmann (Kerken)
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Can (9), Guardado (2) - Kratz (3)

psk/mon/dpa/sid

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
tiberiustacitus 30.03.2014
1. Bitte nicht wieder international
Die gegenwärtige Spielweise lässt hoffen, dass uns diese mutlose Gurkentruppe nicht nicht wieder internationale Einsätze in der kommenden Saisaon zumutet. Deshalb weiter so!
Stäffelesrutscher 30.03.2014
2.
Zitat von sysopAFPIn der Bundesliga-Rückrunde läuft es für Bayer Leverkusen alles andere als rund. Die Leistung beim 1:1 gegen Abstiegskandidat Braunschweig war blamabel. Der Stinkefinger von Emir Spahic und die rüde Attacke von Emre Can sorgten für weiteren Ärger. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-leverkusen-nach-remis-gegen-braunschweig-frustriert-a-961552.html
Nun kann das Schiedsgericht des DFB demonstrieren, ob es noch Ansätze von Rechtsstaatlichkeit anwendet. Da der Stinkefinger vom Schiri nicht bemerkt wurde, steht hier das normale Strafregister zur Verfügung, sprich: Sperre. Und beim Trainer? Was hat er gesagt? Hat er vielleicht nur die Schiris gefragt, warum beim Tabellenletzten so gepfiffen wird?
Nonvaio01 30.03.2014
3. der Finger
war ok, es lag mal wieder ein spieler auf dem Boden, die eigene Mannschaft spielte weiter, erst als Leverkusen den ball hatte wurde gefordert doch ins aus zu spielen, als der Torhueter dann mit fuchtenden Armen nach dem spieler geschrieen hat, hat dieser ihm den finger gezeigt, also voellig zurecht. auch beim spiel des BVB lag der spieler auf dem Boden schreiend, als der BVB den ball hat, sprang er auf und konnte weitermachen. Das ewige rumliegen nervt nur noch, egal bei welchem Team.
Trainspotter 30.03.2014
4.
Can und Spahic fallen Woche für Woche negativ auf. Wenn ich Trainer wäre, würde ich die beiden rüffeln, auf die Bank setzen und jedem das gleiche androhen, der sich nicht bald mal wieder auf das Wesentliche konzentriert.
maxehaxe 30.03.2014
5.
eigentlich wollte reichel nur ein loch ins tor schießen, damit kießling zuhause auch öfter trifft....
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