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Sieg in Dortmund: Leverkusens Reifeprüfung

Von , Dortmund

Bundesliga: Bayer schüttelt Dortmund ab Fotos
REUTERS

Euphorie in Leverkusen: Bayer strotzt nach dem Sieg bei ersatzgeschwächten Dortmundern vor Selbstbewusstsein und will im Titelkampf mitmischen. Der BVB hingegen sehnt angesichts neuer Verletzungssorgen und des Rückstands auf die Tabellenspitze die Winterpause herbei.

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Die Bässe wummerten aus der Kabine. Freudenschreie, strahlende Gesichter und Umarmungen. Ein überglücklicher Rudi Völler, der seinen Spielern in der jeweiligen Landessprache gratulierte. Die Minuten nach dem Spiel in den Katakomben des Dortmunder Stadions waren eine einzige Leverkusener Party - und mittendrin Jürgen Klopp. Der BVB-Coach wirkte wie versteinert. Die Lippen gespitzt, blickte er starr geradeaus, während er auf das nächste Interview wartete.

Wieder musste er erklären, warum sein Team gegen eine Bundesliga-Spitzenmannschaft verloren hatte. Und dann diese Zahlen: Zehn Punkte Rückstand auf Tabellenführer Bayern, sechs auf Platz zwei. Drei Niederlagen aus den vergangenen vier Spielen. Zwei neue Verletzte, eine Gelb-Rote Karte. Dazu die Gewissheit, dass es für Borussia Dortmund mit den aktuellen Personalsorgen auf diesem Niveau nicht reicht. "Wenn man Leverkusen schlagen will, muss man richtig gut sein, und das waren wir heute nicht", sagte Klopp nach dem 0:1 im Top-Spiel der Bundesliga.

Besonders in der ersten Hälfte war die Borussia kaum wiederzuerkennen. Fast nichts war zu sehen vom sonstigen Kombinationsspiel, dem Gegenpressing, der Schnelligkeit, der Zweikampfstärke. Gingen die Dortmunder früh drauf, machten die abgeklärten und passsicheren Leverkusener das Spiel so breit, dass der BVB die Lücken nicht zulaufen konnte.

Leverkusen rüttelt an Matchverhältnissen

Zwar klappte das nicht immer - aber selbst wenn sich nach Ballgewinnen eine Lücke für den BVB auftat, folgte früher oder später wieder ein Fehlpass. Über die Außen gab es fast gar keinen Druck. Und auch die Spieleröffnung der Not-Viererkette war meist eher ein Risiko, wie bei Manuel Friedrichs Fehlpass vor dem 0:1. Erst nach der Pause, als Bayer defensiver und das Spiel hektischer wurde, übernahm der BVB die Initiative. Wirklich gefährlich wurde es außer bei Standards selten.

Mit Blick auf das Champions-League-Spiel am Mittwoch in Marseille (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: ZDF, Sky) sind das keine guten Anzeichen. Hinzu kommt, dass neben Ilkay Gündogan nun auch Nuri Sahin und Sven Bender auszufallen drohen. Drei der vier Sechser also. Und der vierte, Sebastian Kehl, ist wie Angreifer Marco Reus und Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek nicht zu hundert Prozent fit. Mats Hummels, Neven Subotic und Marcel Schmelzer fehlen seit Wochen, Friedrich ist international nicht gemeldet. In der Bundesliga ist wiederum Sokratis gesperrt. "Es wird Zeit, dass Weihnachten wird", bemerkte ein genervter Roman Weidenfeller, der zumindest hoffen darf, dass das ebenfalls kriselnde Marseille nicht ähnlich stark sein wird wie die Leverkusener, die derzeit gehörig an den Machtverhältnissen im deutschen Fußball rütteln.

Bayern, Dortmund, und dann lange nichts - diese Hierarchie schien spätestens nach dem gemeinsamen Champions-League-Finale zementiert. Zwar wurde der Lauf der Leverkusener allerorten zur Kenntnis genommen. Ein Gespräch über die Erfolge der Mannschaft von Trainer Sami Hyypiä kam jedoch kaum ohne den Zusatz aus, dass Bayer nicht in der Lage sei, ein Top-Team zu schlagen.

Torschütze Son will Bayern einholen

Das schmeichelhafte 1:1 gegen die Bayern (22:78 Prozent Ballbesitz, 5:27 Torschüsse) sowie die Pleiten gegen Manchester (2:4 und 0:5) schienen das zu bestätigen. "Vielleicht muss ich die Dortmunder kleinreden", hatte Trainer Hyypiä vor dem Spiel gescherzt. Weniger lustig fand das Sportdirektor Völler: "Wir zeigen zu viel Respekt vor großen Namen. Es ist wichtig, dass wir in solchen Spielen nicht versagen", hatte er via "Sportbild" gefordert - und fühlte sich nun endlich erhört. Das Spiel in Dortmund sei eine bestandene Reifeprüfung gewesen, "unabhängig vom Ergebnis, einfach die Art und Weise, wie wir hier aufgetreten sind", sagte Völler, der eine "sensationelle erste Hälfte" gesehen hatte.

Die hatte es auch Simon Rolfes angetan. "Wir haben klar dominiert, hatten mehr Ballbesitz, vor allem guten Ballbesitz", sagte der Kapitän, der sich freute, dass die aus seiner Sicht ungerechtfertigte Top-Spiel-Diskussion nun ein Ende habe. "Wir haben vor zwei Jahren den Champions-League-Sieger geschlagen (2:1 gegen Chelsea, Anm. d. Red.), wir haben vergangenes Jahr beim Champions-League-Sieger gewonnen (2:1 bei den Bayern), und jetzt in Dortmund. Für mich war Manchester eher die Ausnahme als die Regel."

Und wo das Selbstvertrauen schon mal da war, lenkte Rolfes den Blick auf die Verhältnisse in der Liga: "Wir sind hier als Zweiter hingefahren, und fahren hier als Zweiter mit noch mehr Punkten wieder weg. Das ist gut." Fand auch Torschütze Heung Min Son: "Wer gerade Zweiter ist, sieht jeder. Natürlich ist Dortmund eine sehr, sehr starke Mannschaft, aber wir auch." Und zwar so stark: "Bayern hat einen Riesenvorsprung, das ist klar, aber natürlich wollen wir da dran. Warum auch nicht?"

Borussia Dortmund - Bayer Leverkusen 0:1 (0:1)
0:1 Son (18.)
Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Friedrich, Sokratis, Durm - Sven Bender (63. Reus), Sahin (82. Piszczek) - Blaszczykowski (67. Hofmann), Mchitarjan, Aubameyang - Lewandowski
Leverkusen: Leno - Donati, Toprak, Spahic, Can - Lars Bender, Rolfes, Castro (89. Kohr) - Hegeler (78. Kruse), Kießling, Son (82. Wollscheid)
Schiedsrichter: Meyer
Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)
Rote Karte: Spahic nach einer Tätlichkeit (80.)
Gelb-Rote Karte: Sokratis wegen unsportlichen Verhaltens (90.+2)
Gelbe Karten: Hegeler (2), Can (3), Castro (4), Wollscheid (3)

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1. :-)
-volver- 08.12.2013
machtverhältnisse im deutschen fussball ändern? wer kommt denn auf sowas? wie bereits angemerkt: das verletzunspech beim bvb ist enorm. bayer ist noch lange nicht auf dem niveau des bvb... das wird in der cl mehr als deutlich. als fcb-fan wünsche ich mir den dominanteren bvb zurück. die stärke der bayern beruht zum großen teil auch auf dem starken konkurrenten aus dortmund.
2. Klopps Opferrolle
FrankDr 08.12.2013
Genau wegen sowas wird klopp nie ein status eines der besten der der welt erreichen da hat ja mourinho mehr anstand wenn er verliert. Keinerlei Selbstkritik, da er ja seinen alten Spezi aus Mainzer Zeiten spielen lässt oder keinen Plan B hat. Das Mky... nichts bringt in großen Spielen und dann unsportlich über: "Leverkusen steht nur wegen den drei geschenkten Punkten in Hoffenheim über uns" "Der Schiri kann nur wegen seiner Mentalität nicht anders als uns..." Nun muss man konstatieren, dass sich Leverkusen wirklich entwickelt und auch mal solche Spiele über die Zeit bringt, obwohl man eine sehr fragwürdige rote Karte kriegt, während Sokratis im Minutentakt um seine gelb-rote Karte betteln darf. Glückwunsch Leverkusen. Deutschlands neue zweite Macht Und ich hätte Weidenfehler spätestens nach dem 3. Vollsprint aus dem Kasten um ne Karte zu fordern ne Gelbe gegeben. Ekelhaft, denn da steht ja meist schon der zeternde Reuss.
3.
Kauzboi 08.12.2013
Wer von einem durchschnittlichen United 5 Tore eingeschenkt bekommt, der kann kaum etwas an den "Machtverhältnissen" in der BuLi ändern - es sei denn die BuLi ist doch längst nicht so stark wie manch einer hofft und es gibt doch nur die Bayern und dann lange nichts mehr.
4. klopp ist mit seinem latein
ziegenzuechter 08.12.2013
am ende, nach dem vorrunden aus in der cl , das so sicher komt wie das amen in der kirche sollte er die koffer packen, aber es zeichnet sich bereits ab, dass er an seinem stuhl kleben wird. ein dortmund fan
5.
weserwasser 08.12.2013
Zitat von sysopREUTERSEuphorie in Leverkusen: Bayer strotzt nach dem Sieg bei ersatzgeschwächten Dortmundern vor Selbstbewusstsein und will im Titelkampf mitmischen. Der BVB hingegen sehnt angesichts neuer Verletzungssorgen und des Rückstands auf die Tabellenspitze die Winterpause herbei. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-leverkusen-will-nach-sieg-in-dortmund-die-bayern-angreifen-a-937835.html
machen sich doch lächerlich , am ende bleibt eh nur platz 2 , selbst mit der zweiten Mannschaft , wird der FC Bayern deutscher meister
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