Sieg gegen Gladbach Mainzer Piranhas

Sie waren nicht das bessere Team, doch sie rannten mehr: Mainz 05 hat Gladbach besiegt - auch weil Martin Schmidt einen Plan hat, wie man individuelle Schwächen als Mannschaft wettmachen kann. Kein Wunder also, dass der Trainer derzeit nur einen Wunsch offen hat.

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Fußballer vom FSV Mainz 05: "Das war schon unglaublich"
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Fußballer vom FSV Mainz 05: "Das war schon unglaublich"


Sie hatten eine ordentliche Partie gespielt, sie hatten 59 Prozent Ballbesitz gehabt und gut ein halbes Dutzend Torchancen - und doch gingen die Gladbacher Spieler am Freitagabend mit gesenkten Köpfen in die Kabine. Denn trotz alledem hatten sie 0:1 gegen Mainz 05 verloren.

Bereits im ersten Durchgang hatte sich die Abschlussschwäche der Gladbacher gezeigt - und daran hatte Mainz-Keeper Loris Karius einen großen Anteil: In der 35. Minute scheiterte Raffael an dem Schlussmann, hinzu kamen die beiden vergebenen Möglichkeiten von Lars Stindl (9. Minute/43.).

Karius übertraf sich in der 72. Minute dann noch einmal selbst, als er erneut gegen Raffael parierte - mit einem Hampelmann-Reflex. "Das war schon unglaublich, wie Loris da aus dem Nichts rangerauscht kam", sagte Mainz-Verteidiger Leon Balogun nach dem Spiel. Doch so überragend die Paraden auch waren - einen unverdienten Sieger sah der Abwehrspieler nicht: "Wir haben den Fight angenommen und uns den Sieg erkämpft."

"Vieles, woran wir uns festhalten können"

Ganz anders empfand das Gladbachs Torhüter Yann Sommer: "Normalerweise müsste ich hier als Sieger vor euch stehen". Dennoch müssen die Gladbacher nun damit umgehen, dass sie seit dem fulminanten 3:1-Sieg gegen die Bayern am 5. Dezember nur noch einmal gewonnen und beide Rückrundenspiele verloren haben. Sommer wollte von einer Krise aber nichts wissen. "Es gab heute vieles, woran wir uns festhalten können."

Die Mainzer müssen sich hingegen nicht mit Durchhalteparolen begnügen, der Sieg brachte sie zwischenzeitlich auf einen Europapokalrang. Sie hatten gezeigt, was gegen eine individuell überlegene Mannschaft wichtig ist: eine gute Organisation, Mut und Tempo im Konterspiel und eine Einstellung, die man in der Tierwelt den Piranhas zuschreibt.

Manchem Spieler von Mainz 05 mag die Ballkontrolle deutlich schwerer fallen als den Stars in München, Dortmund oder Wolfsburg. Dafür sind alle zehn Feldspieler ständig in Bewegung, legen auch die Offensiven mal einen 50-Meter-Sprint hin, um die Spielverlagerung des Gegners zu unterbinden.

13 Millionen für Malli

Über 125 Kilometer betrug die Laufleistung fürs gesamte Spiel - ein überragender Wert. Julian Baumgartlinger alleine riss davon 13 ab, stopfte hinten die Löcher und hatte dazu noch Kraft, ein paar unspektakuläre aber intelligente Pässen zu spielen, die das Spiel sofort wieder schnell machten. Der Österreicher wurde so zur Personifizierung des Mainzer Spiels.

"Mit unseren Möglichkeiten bei der Kaderplanung müssen wir nach anderen Wegen suchen", sagte 05-Trainer Martin Schmidt, der eines genau wusste: "Drei bis vier Kilometer weniger und wir hätten verloren." So aber gewannen die Mainzer, weil der Flatterball von Christian Clemens der einzige Treffer des Abends blieb (21.).

Und Yunus Malli? Der Mittelfeldspieler zeigte 79 Minuten lang eine eher unauffällige Partie. Doch viel wichtiger aus Mainzer Sicht ist, dass der Türke auch am kommenden Samstag in Hannover für den Tabellensechsten auflaufen wird. 13 Millionen Euro soll Thomas Tuchels BVB für den Mann geboten haben, den er selbst einst vom Gladbacher Nachwuchs nach Mainz gelotst hatte. Doch die 05er haben sich in den vergangenen Jahren einen Status erarbeitet, der es ihnen erlaubt, auch bei solchen Summen einmal "nein" zu sagen, wenn ansonsten eine zu große sportliche Schwächung drohen würde.

"Ich bin sehr froh, dass er da ist", sagte sein Trainer nach dem Spiel. "Es gibt aber sicher Spiele, die besser auf ihn zugeschnitten sind als das heute." Kurz darauf stand Martin Schmidt auf, verabschiedete sich und hatte dann doch noch einen Wunsch: "Aber nicht zu sehr loben", bat er lächelnd.

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leja1900 30.01.2016
1. malli richtige entscheidung
mainz 05 hat mit der entscheidung malli zu behalten anscheinend alles richtig gemacht. die dubai börsenmillionen vom bvb hätten mainz 05 nicht weitergeholfen. der bvb beschwert sich ja immer scheinheilig, dass es immer weniger Traditionsvereine gibt. dann sollte der bvb es vielleicht mal unterlassen,, die spieler dort wegzukaufen (reus,ramos,weigl, bender, sokratis,park, bürki, ginter, hummels, subotic,piszek, gündogan). soll der bvb doch spieler aus hoffenheim, leipzig, wolfsburg oder leverkusen kaufen.
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