BVB-Star Götze Zurück im Rennen

Mario Götzes Chancen auf eine WM-Nominierung schienen gering. Kurz vor Saisonende blüht der 25-Jährige plötzlich auf. Sein Trainer hat dafür eine ganz einfache Erklärung.

Mario Goetze (l.) und Zlatko Junuzovic (r.)
AFP

Mario Goetze (l.) und Zlatko Junuzovic (r.)

Aus Bremen berichtet


In gut zwei Wochen wird Bundestrainer Joachim Löw seinen vorläufigen Kader für die Weltmeisterschaft in Russland (14. Juni bis 15. Juli) bekannt geben. Die Namen werden im Dortmunder Fußballmuseum verkündet. Dort, wo in der ersten Etage in einer Vitrine die Fußballschuhe von Mario Götze stehen. Mit dem linken schoss er 2014 das entscheidende Tor im Finale der Weltmeisterschaft.

Die Jahre danach waren schwierig für den Mittelfeldspieler. Er war lange krank, saß häufig nur auf der Bank, wechselte die Berater, wurde wegen alberner Posts in Sozialen Netzwerken belächelt.

Die Chance, dass er der deutschen Nationalmannschaft in Russland dabei helfen darf, den Titel zu verteidigen, war gering. Erst nachdem er beim 4:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen eine sehr ansprechende Leistung für Borussia Dortmund zeigte, rückte Götze wieder in den Blickpunkt. Nun, nach dem 32. Spieltag der Bundesliga, an dem sich mit Lars Stindl und Serge Gnabry zwei Konkurrenten Götzes schwer verletzt haben, dürften die Chancen auf einen Platz im vorläufigen Kader wieder gestiegen sein.

"Ich kann nur etwas zur nahen Zukunft von Mario sagen, und die sieht so aus, dass er am kommenden Samstag gegen Mainz sicher wieder spielen wird", vermied sein Trainer Peter Stöger eine Einmischung in die Angelegenheiten des Deutschen Fußball-Bundes. Götze selbst verschwand wortlos nach dem 1:1 des BVB in einem äußerst attraktiven Bundesligaspiel in Bremen.

Seine Bewerbung hatte er zuvor auf dem Platz abgegeben: eine präzise Flanke über 30 Meter auf Lukas Piszczek vor dem Führungstreffer von Marco Reus (19. Minute), ein wunderschöner Pass auf Reus, der die Chance zum 2:0 vergab. Zudem löste er viele Probleme auf engem Raum erfolgreich, beschleunigte das Spiel mit kurzen Pässen. Fast 90 Prozent seiner Zuspiele kamen bei seinen Kollegen an, er gewann 60 Prozent seiner Zweikämpfe und lief mehr als zwölf Kilometer. Die Daten deckten sich mit den Eindrücken aus dem Weserstadion.

Auch Reus bestätigte in Bremen seine gute Form

"Er kann richtig gut Fußball spielen, wenn er in Ruhe gelassen wird", sagte Stöger, der auch noch die Extreme in der Berichterstattung über Götze kritisierte: "Im Positiven gibt es einen Überschwang, im Negativen wird es dramatisiert." Damit wird jemand leben müssen, der mit einem solchen Talent gesegnet ist.

Der Aufschwung an den vergangenen beiden Spieltagen dürfte auch mit einem Sinneswandel bei seinem Trainer zusammenhängen. Stöger besetzte die Mittelfeldreihe in seinem 4-1-4-1 mit vier offensiv ausgerichteten Spielern. Götze ist für eine der Halbpositionen neben Marco Reus vorgesehen. Davon profitieren beide.

Marco Reus
DPA

Marco Reus

Auch Reus bestätigte in Bremen seine gute Form, wenngleich er zwei sehr gute Chancen ausließ. Bei der zweiten traf er den Pfosten, bei der ersten scheiterte er an Jiri Pavlenka. Der überragende Torwart von Werder wurde fünf Mal während des Spiels vom Stadionsprecher erwähnt. Dass die Bremer Fans immer wieder Pavlenkas Namen brüllten, dürften Reus, Götze und deren Kollegen zum Ende der Partie hin mehr genervt haben als ein solides Pfeifkonzert.

"Ich bin sehr, sehr einverstanden mit unserem Spiel", sagte Stöger, der mit dem attraktiver gewordenen Fußball auch seine Chancen erhöhte, einen neuen Vertrag beim BVB zu erhalten. Grundvoraussetzung dafür ist eine Qualifikation für die Champions League. Mit einem Sieg im Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 könnte sie vorzeitig geschafft werden.

"Ich bin mir absolut sicher, dass der BVB seine Ziele erreichen wird", sagte Florian Kohfeldt. Werders Trainer begründete das so: "Dortmund ist eine Mannschaft, die unter Peter sehr stabil steht und sehr kreativ ist." Lobende Worte für die Kreativität? Das liegt vor allem an den starken Leistungen von Mario Götze und Marco Reus.

Werder Bremen - Borussia Dortmund 1:1 (1:1)
0:1 Reus (19.)
1:1 Delaney (45.)
Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Langkamp, Augustinsson - Delaney - Maximilian Eggestein, Junuzovic - Gondorf (89. Friedl), Kruse, Rashica (69. Johannes Eggestein)
Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Toprak, Akanji - Weigl - Pulisic (61. Schürrle), Mario Götze, Reus, Sancho - Philipp (79. Jarmolenko)
Schiedsrichter: Brych
Zuschauer: 41.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Junuzovic (2) - Piszczek (3), Sokratis (4)



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Seite 1
stoffi 30.04.2018
1. Götze Fan war ich schon , seit man ihn, das Wunderkind nannte
Inzwischen ist viel passiert. Erst sass er beim FCB durch Guadiola fast nur auf der Bank, wo er zwangsläufig,, einrostete" und dann kam seine schlimme Krankheit. Sehe ich ihn heute auf dem Platz, so konnte er zwar wieder seine Leistung steigern, aber WM tauglich ist er meiner Meinung nach nicht. Löw wird sehen, wer ihn sonst noch auf seiner Position zur Verfügung steht. Persönlich denke ich, das Götze nicht wieder ganz gesund ist, denn auf dem Platz macht er schon nach kurzer Zeit den Eindruck, als wäre er völlig ausgepowert.
ISTQB 30.04.2018
2. Au weia..
jetzt hat der „Supermario“ doch tatsächlich mal 2 gute Spiele gemacht und wird schon wieder in die N11 geschrieben? Ehrlich? Der einzige Grund warum überhaupt dieser Name fällt, ist die Verletzung von Serge Gnabry - ansonsten dürfte Moppelchen nicht mal die Schuhe der anderen Spieler tragen.
Pela1961 30.04.2018
3. Selbst als einer,
der sicherlich unverdächtig ist, eine BVB-Brille zu tragen, muss ich nach den letzten Spielen meine Ansicht über Götze etwas ändern. Er scheint tatsächlich wieder auf dem Weg zu sein, zumindest ein überdurchschnittlicher Spieler in der Buli zu werden. Ob er jemals wieder an die Form von 2011/12 wird anknüpfen können, weiß ja kein Mensch, da waren ja viele in Dortmund schon in jungen Jahren auf dem Höhepunkt ihres Könnens angekommen und haben danach eher abgebaut. Aber er und Reus (bei dem das ja weniger fraglich war) sollten tatsächlich mit zur WM. Gerade, nachdem die Verletzungssorgen bei Löw ja nicht kleiner wurden. Allerdings zucke ich bei jedem Tritt gegen Reus sofort zusammen - ob er der "internationalen Härte" gewachsen ist, muss sich zeigen. Wenn nicht bei der WM, dann in der nächsten CL-Saison. Da wird ja eher weniger der Kuschelkurs der Buli gefahren.
trompetenmann 30.04.2018
4. Götze in Top-Form...
wäre absolute Bereicherung der NM. (Jedenfalls mehr als Reus, der in der NM noch nie überzeugt hat.) Naja, abwarten, zwei Spieltage sind eventuell etwas wenig, um eine konstante Form nachzuweisen. Aber wenn Löw die Alternativen ausgehen - warum nicht Götze in aufsteigender Form?
Oihme 30.04.2018
5. Nachdem ...
... Stöger sein bislang eher defensiv ausgerichtetes System zugunsten mehr Angriffs-Power modifiziert hat, knüpft auch Götze wieder an seine guten Leistungen an, die er bereits unter Bosz zeigte. Und die ihn in der Kicker-Benotung der Hinrunde - nach Bender! - zum zweitbesten, deutschen Mittelfeldspieler machten. Wer Götze in dieser Saison beobachte, für den ist die jetzige "Leistungssteigerung" nun wirklich kein Wunder, sondern dem neuen Stöger-System geschuldet.
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