Bundesliga-Noten Gnabry, Uth und Orban - drei Alternativen für Löw

Nimmt Bundestrainer Joachim Löw einen Newcomer mit zur WM nach Russland? In der SPON11 der Woche gibt es ein paar Kandidaten. Natürlich auch dabei: vier Bayern-Profis nach dem 6:0 gegen Dortmund.

Serge Gnabry
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Serge Gnabry

Von Eike Hagen Hoppmann


Am 15. Mai wird Bundestrainer Joachim Löw seinen vorläufigen Kader für die WM in Russland bekanntgeben. Ein paar Plätze scheinen bereits vergeben, andere sind noch offen. (Hier können Sie nachlesen, wen die Sportredaktion von SPIEGEL ONLINE nominieren würde.) Am 28. Spieltag der Bundesliga haben zumindest mehrere Spieler mit einem Platz in der SPON11 hervorragende Bewerbungsschreiben abgegeben. Die Top-Keeper sind jedoch keine Löw-Kandidaten.

Die beiden besten Torhüter des Spieltags standen sich am Sonntagabend im direkten Duell gegenüber - und hielten ihren Kasten sauber. Gladbachs Yann Sommer und René Adler von Mainz 05 zeigten jeweils eine Top-Parade und retteten ihren Teams so einen Punkt. Adler hätte bei der WM 2010 vermutlich im deutschen Tor gestanden, wenn er sich nicht eine Rippenverletzung zugezogen hätte. Acht Jahre später sind andere Keeper an ihm vorbeigezogen, mit der WM in Russland wird es deshalb nichts. Am Ende der SPIX-Rangliste befinden sich - wenig überraschend - Kölns Timo Horn und Dortmunds Roman Bürki. Beide kassierten am Wochenende sechs Gegentore.

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Mats Hummels zeigte gegen den BVB eine überragende Leistung und hielt die Gäste vom eigenen Tor fern. Vor allem die Zweikampfstärke von Hummels stach heraus: Sieben gewonnene Tackles waren Ligabestwert. Trotz des 6:0-Erfolgs stehen insgesamt aber "nur" vier Bayern-Spieler in der Spon11.

Leipzigs Willi Orban widerlegte das Vorurteil, dass ein Abwehrspieler für eine gute Spielbewertung kein Gegentor kassieren darf. In Hannover kassierten die Leipziger sogar zwei Gegentreffer und vermieden das dritte nur, weil der Video-Schiedsrichter den bereits gegebenen 3:3-Ausgleich zurücknahm. Hätte Orban nicht zwei Schüsse der Hannoveraner geblockt und weitere sieben Bälle geklärt, wäre 96 aber wohl regulär zum Ausgleich gekommen. Während Hummels seinen Platz im WM-Kader sicher hat, dürfte es Orban aufgrund der Konkurrenz schwer haben.

Berlins Maximilian Mittelstädt muss sich um die A-Nationalmannschaft aktuell noch keine Gedanken machen, er kommt noch in der deutschen U20-Auswahl zum Einsatz. Dennoch gehörte er am 28. Spieltag mit sechs eroberten zweiten Bällen und vier abgefangenen Pässen zu den besten auf seiner Position. So könnte er in Zukunft ein Kandidat für die seit dem Rücktritt von Philipp Lahm nur noch mäßig besetzte deutsche Außenverteidigerposition werden.

Im Rampenlicht stehen normalerweise andere, aber der SPIX lässt Hoffenheims Lukas Rupp an diesem Wochenende strahlen. Ein Treffer und eine Torvorlage liefern die Begründung für die gute Platzierung des Mittelfeldspielers.

Während seiner Zeit in Wolfsburg war Daniel Caligiuri immer an der Schwelle zwischen Stamm- und Ersatzspieler. Bei Schalke 04 ist er dagegen seit seinem Wechsel vor einem Jahr gesetzt. 25 Spiele hat er in dieser Saison über die gesamten 90 Minuten absolviert. Gegen Freiburg erzielte der 30-Jährige selbst einen Treffer, war aber auch in der Balleroberung (neun zweite Bälle erobert) und im Dribbling herausragend. Seine fünf gewonnenen Dribblings waren am Wochenende Ligabestwert. Selbst wenn sich Caligiuri damit das Interesse seines Nationaltrainers geweckt haben sollte: Bei der WM ist er so oder so nicht dabei. Italien hat sich bekanntlich nicht qualifiziert.

Sorgen um seinen Kaderplatz muss sich langsam Kölns Jonas Hector machen. Im äußeren Mittelfeld war er am Wochenende der am schwächsten eingestufte Spieler und kam nur auf einen mageren SPIX-Wert von drei. Hector könnte allerdings von der bereits erwähnten Schwäche auf den Außenpositionen profitieren.

Je näher eine Weltmeisterschaft rückt, desto besser scheint James Rodríguez zu spielen. 2014 in Brasilien wurde der Kolumbianer zum Shootingstar des Turniers und wechselte anschließend für 80 Millionen Euro von Monaco zu Real Madrid. Vier Jahre später knüpft James nun wieder an die herausragende WM-Form an. Ein Tor und zwei Vorlagen steuerte er zum Sieg gegen Dortmund bei. Genau entgegengesetzt scheint die Entwicklung bei Julian Weigl zu sein. Der 22-Jährige macht sich noch Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme, steckt aber in einem Formtief. Auch in München konnte er nicht überzeugen - und steht deshalb am Ende der Rangliste.

Ein besseres Bewerbungsschreiben an den Bundestrainer hätte Hoffenheims Serge Gnabry wahrscheinlich nicht formulieren können. Der 22-Jährige traf gegen Köln mit zwei wunderbaren Einzelaktionen doppelt. Und Gnabry arbeitete gut nach hinten, was sich in drei gewonnenen Tackles ausdrückte. Nach dem Wochenende stellt sich auch die Frage, warum Gnabrys Teamkollege Mark Uth kein Kandidat für einen Platz im deutschen WM-Sturm ist. Zumal Sandro Wagner, Mario Gomez und Timo Werner (noch) keine Weltklassespieler (mehr) sind. Uth traf nicht nur doppelt, sondern bereitete auch zwei Treffer vor.

Die Diskussion würde es vermutlich gar nicht geben, wenn Robert Lewandowski 500 Kilometer westlich von Warschau in Frankfurt (Oder) geboren wäre. Der Pole war gegen Dortmund mit drei Treffern erneut der überragende Mann. Insgesamt hat Lewandowski in dieser Saison 28 Tore erzielt. Damit kommt er auf doppelt so viele Tore wie der Ex-Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang, der trotz seines Wechsels im Winter zu Arsenal in der Torschützenliste noch immer auf Rang zwei liegt. Bald könnte er diesen Platz allerdings an Uth verlieren, der sich mit insgesamt zwölf Treffern inzwischen auf Rang vier vorgearbeitet hat.

Und das ist die SPON11 des 28. Spieltags, klickbar in fünf verschiedenen taktischen Formationen:



insgesamt 12 Beiträge
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thrust26 02.04.2018
1. Kimmich?
DER Nachfolger von Lahm, oder? Wie kann man den vergessen, bloß weil er mal ein Spiel nichts zu tun hatte?
Wolfgang Porcher 02.04.2018
2. voll daneben..
Das sind doch keine Computerpuppen,, wann sollen die denn ihren Teamgeist entwickeln, das Kader hätte schon längst stehen müssen und sich in den letzten 2 Spielen die Zeit genutzt sich als Team Esser zu verstehen lernen,,
Drunken Masta 02.04.2018
3. Wenn Müller
wie aktuell abzusehen zur WM in Topform antritt und das Offensive Mittelfeld, wer auch immer dann da spielen mag, noch ein wenig Torgefahr beisteuert, ist es gar nichtmehr sooo wichtig wer da ganz vorne steht. Da muss dann vor allem die Abstimmung passen und eben das ist Aufgabe des Trainers. Wenn es bei der Mannschaftsaufstellung um reine Statistik gehen würde, wäre die Sache ja einfach. Im Prinzip sollte man die Wahl zwischen Flankenabnehmer und schnellem Dribbler haben. Werner ist ein Grenzfall, da extrem schnell und wenn in Form auch handlungsschnell, allerdings bei der Geschwindigkeit dann als Pass- oder Flankengeber oft ungenau. Da könnte man mit Draxler dann nochmal Technik nach vorne mitnehmen. Allerdings agiert er in der NM leider oft unscheinbar bis unglücklich. Kimmich im Moment nicht in Bestform, war bei den beiden Länderspielen deutlich zu sehen. Aber er hat ja noch mindestens zwei CL Partien und den Pokal um Vollgas zu geben und wieder in die Spur zu finden. Denke er ist jemand, der die Herausforderung auch braucht und da ist so eine WM doch eigentlich genau richtig, um nochmal einen Schritt weiter zu kommen. Mit 23 ist man einfach noch kein Weltklasseaußenverteidiger, dazu ist eine Menge Erfahrung nötig.
hamburger.jung 02.04.2018
4.
Serge Gnabry hat als Dribbler das gewisse Etwas. Den würde ich als Joker mitnehmen und Götze oder Schürrle zuhaus lassen.
docolli 02.04.2018
5. Wie viele Alternativen (???) brauchen wir?
Alternative bedeutet die Möglichkeit zur Entscheidung zwischen zwei Optionen oder Dingen. Zwei, mehr nicht! Das weiß doch auch der Spiegel, oder?!
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