Bundesliga-Noten Vier Bayern und viel Frustabbau

Im Schatten des FC Bayern verkommt die Bundesliga zur Liga der Enttäuschten. Am 29. Spieltag feierten aber einige Klubs ihre Auferstehung, was sich auch in der SPON11 widerspiegelt.

Borussia Dortmunds Maximilian Philipp
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Borussia Dortmunds Maximilian Philipp

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Hannover 96 eröffnete das Bundesliga-Wochenende nach fünf Niederlagen in Folge mit einem Sieg gegen Werder Bremen. Borussia Dortmund brauchte ein Glückstor, verarbeitete dann aber mit einem deutlichen Erfolg gegen Stuttgart die 0:6-Pleite in München. Das Volksparkstadion schien zu explodieren, als Aaron Hunt mit seinem Treffer gegen Schalke die Negativserie von 15 Spielen ohne HSV-Sieg beendete. Und auch der FSV Mainz hat schon bessere Zeiten gesehen. Die SPON11 des 29. Spieltags ist gespickt mit frustrierten Spielern, die endlich mal wieder erfolgreich waren.

Apropos Frust: Der entlud sich bei einigen Anhängern in Mönchengladbach, obwohl die Borussia gegen Berlin 2:1 gewann. Im Mittelpunkt der Anfeindungen aus der Ultra-Szene stand Torhüter Yann Sommer, der nach dem Schlusspfiff auf dem Rasen mit Fans diskutierte. Wohlgemerkt nach einem Sieg. Mit zwei Toren in der Schlussphase. Und einer sehr starken Leistung Sommers, der sich wie schon in der Vorwoche mit dem Mainzer René Adler ein enges Rennen um den Torwart-Platz in der SPON11 lieferte. Beide zeigten herausragende Paraden, diesmal war Adler etwas stärker.

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Sokratis war in den vergangenen Wochen eines der vielen Gesichter der Dortmunder Krise. Was sich zunächst als spielerische Krise darstellte, hätte nach der deutlichen Niederlage beim FC Bayern auch zu einer Ergebniskrise werden können. Doch nach dem Heimsieg gegen Stuttgart sieht es im Rennen um die Champions-League-Plätze wieder gut aus, der Vorsprung auf den fünften Platz beträgt fünf Punkte. Sokratis fand nach Wochen der Verunsicherung, der Fehlpässe und der verlorenen Zweikämpfe gegen den VfB wieder in die Spur und überzeugte vor allem als Balleroberer mit vier Ballsicherungen, vier erfolgreichen Tacklings und insgesamt acht klärenden Aktionen.

An seiner Seite verteidigt Bayerns Jérôme Boateng, dessen individueller Fehler vor dem 0:1 mit in die SPIX-Bewertung einlief (hier lesen Sie, wie der Spieler-Index berechnet wird), bei dem 4:1-Sieg in Augsburg aber nicht entscheidend war. Wichtiger war seine Rolle im Spielaufbau der Münchner, Boateng schlug zehn lange Bälle und kam auf eine Passquote von 86 Prozent.

Man kann nicht behaupten, dass Montagsspiele in der Bundesliga besonders beliebt sind. Wenn der Fußball-Gott, oder vielleicht auch einfach DFL-Boss Christian Seifert, garantieren könnten, dass es montags nur solch sehenswerte Partien gibt wie zwischen Leipzig und Leverkusen (1:4), dann könnte der Protest kleiner werden. Bayers Panagiotis Retsos wurde in Leipzig früh für den verletzten Sven Bender eingewechselt und spielte fortan als Rechtsverteidiger. Der Grieche erzielte das Tor zum 3:1 und war ein wichtiger Faktor im Spiel gegen den Ball.

Joshua Kimmich kommt auf einen ähnlichen Indexwert wie Retsos, war in Augsburg aber ganz anders gefordert. Der Rechtsverteidiger stand höher, spielte deutlich mehr Pässe und war dafür in der Rückwärtsbewegung kaum gefordert. Kimmich leitete mit seiner präzisen Flanke vor dem 1:1 durch Corentin Tolisso die Wende zugunsten der Bayern ein.

Es war nicht das Wochenende der defensiven Mittelfeldspieler, nur zwei Profis schafften es überhaupt in den grünen Bereich mit 70 Indexpunkten oder mehr. Beim Thema Frustbewältigung bildet Fabian Lustenberger die große Ausnahme, denn der Berliner verlor als Einziger aus der SPON11 sein Spiel (1:2 in Mönchengladbach) und verschuldete mit einem Foul den Elfmeter, den Thorgan Hazard zum Siegtreffer verwandelte. Zuvor hatte Lustenberger großen Anteil am überlegenen Spiel der Hertha, der Schweizer eroberte zehn zweite Bälle und unterband so Gegenstöße der konterstarken Gladbacher.

Wäre Christian Pulisic seine Flanke in der 38. Minute nicht über den Spann gerutscht und hinter Stuttgarts Torhüter Ron-Robert Zieler im Torwinkel gelandet, wäre beim BVB womöglich neuer Frust auf- und nicht der 0:6-Frust abgebaut worden. Denn die Dortmunder spielten bis dahin extrem einfallslos. Frei nach Lothar Matthäus ("Wäre, wäre, Fahrradkette") spielten Pulisic und auch sein Außenbahnkollege Maximilian Philipp im Anschluss aber wie verwandelt. Philipp erzielte sein erstes Tor nach langer Verletzungspause und Pulisic gewann vier seiner sechs Dribblings.

Zum zweiten Mal in Folge hat es James Rodríguez in die SPON11 geschafft. Dabei reichten dem Kolumbianer 64 Minuten Spielzeit, um mit einem Tor, einer Vorlage und zwei weiteren Torschussvorlagen die prägende Figur im Offensivspiel der Bayern zu sein. Trainer Jupp Heynckes nahm James kurz nach dem Treffer zum 3:1 im Hinblick auf das Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Sevilla vom Feld.

Der Hamburger SV hat mit Jann-Fiete Arp, Sven Schipplock und Bobby Wood drei klassische Mittelstürmer im Kader. Trainer Christian Titz hat aber seine ganz eigenen Ansprüche an die Rolle des Angreifers in seinem auf Ballkontrolle ausgelegten System. Schipplock und Wood spielen derzeit gar keine Rolle in der HSV-Mannschaft, Arp saß gegen den FC Schalke auf der Bank und so übernahm Mittelfeldspieler Aaron Hunt die Rolle in vorderster Front. Der Ex-Bremer gewann zwar kein Kopfballduell und Pässe in den Lauf mag er auch nicht. Mit drei Torschüssen, zwei Torschussvorlagen und dem außergewöhnlichen Weitschuss zum 3:2 war Hunt aber der entscheidende Mann für den ersten Sieg seit Ende November.

Neben Hunt stürmt mit Arjen Robben der vierte Münchner in der SPON11 - und wer sich fragt, warum zu Beginn die Rede von Hannover 96 war, der wähle bei der Elf des Tages das 4-3-3-System aus und stößt auf Martin Harnik.

Und das ist die SPON11 des 29. Spieltags, auszuwählen in fünf verschiedenen taktischen Formationen:

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