Bundesliga-Noten Der ganz normale Wahnsinn

Ein 18-Jähriger macht die Derby-Versager aus Dortmund zu Gewinnern. Der HSV glaubt wieder an sich, anders als Streichs Freiburger. Hertha kann in den Europapokal kommen. Die Bundesliga und die SPON11 spielen verrückt.

Jadon Sancho (l.) und Maximilian Philipp
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Jadon Sancho (l.) und Maximilian Philipp


Was unterscheidet den Hamburger SV und den SC Freiburg? Hier der große Traditionsklub, dem nach jahrelanger Misswirtschaft von vielen Fußball-Fans der Abstieg gewünscht wird. Dort der sympathische Underdog, den genauso viele Fans auch im kommenden Jahr in der Bundesliga sehen wollen. Lange sah es so aus, als würden die Wünsche in Erfüllung gehen, doch nach der 0:1-Niederlage der Freiburger in Hamburg drehen sich die Vorzeichen. Der HSV glaubt wieder an sich, beim SC verbreitet Trainer Christian Streich mit seinen Verschwörungstheorien Resignation.

Auch bei den Torhütern war am 31. Spieltag ein Unterschied auszumachen. Auf der Linie überzeugten Julian Pollersbeck und Alexander Schwolow gleichermaßen mit jeweils vier Paraden. Der HSV-Keeper hatte als hochstehender Libero aber die meisten Ballkontakte aller Spieler auf dem Platz und spielte 40 erfolgreiche Pässe. Schwolow wiederum hatte in der Nachspielzeit die Chance zum Ausgleich, setzte den Ball im Anschluss an eine Ecke jedoch weiter über das Tor. Der entscheidende Unterschied zwischen Platz eins und vier in der SPIX-Wertung ist allerdings Pollersbecks Zu-Null-Spiel.

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Ob der 4:0-Sieg von Borussia Dortmund gegen Bayer Leverkusen die Wiederauferstehung einer Spitzenmannschaft war, müssen die kommenden drei Spiele zeigen. Größer hätte die Diskrepanz zur Derby-Pleite beim FC Schalke nicht sein können. Deshalb wurden die BVB-Spieler nach dem Schlusspfiff beim Gang vor die Südtribüne ablehnend empfangen. Während der 90 Minuten überzeugten die Dortmunder in der Offensive, gegen die spielstarke und schnelle Bayer-Elf war die Leistungssteigerung in der Abwehr aber genauso wichtig.

Sokratis und Ömer Toprak gewannen die Mehrzahl an Zweikämpfen, fingen zusammen 14 Angriffe der Leverkusener ab und spielten zusammen nur zehn Fehlpässe. Zwischen das BVB-Duo schob sich der Hoffenheimer Kevin Akpoguma, der elf seiner insgesamt zwölf Tacklings für sich entschied und damit mit Abstand einen Bestwert für diesen Spieltag aufstellte.

Ein Aufreger des Spieltags war die Nicht-Nominierung von BVB-Kapitän Marcel Schmelzer für das Spiel gegen Leverkusen. Nach Informationen des "Kicker" habe das nicht nur sportliche Gründe, die Verantwortlichen in Dortmund sollen an Schmelzers Führungsqualitäten zweifeln. Gut für den BVB, schlecht für Schmelzers Chancen auf eine Rückkehr in den Kader gegen Bremen, Mainz oder Hoffenheim, war die starke Leistung seines Vertreters Manuel Akanji. Der eigentlich als Innenverteidiger verpflichtete Schweizer nahm Bayers Leon Bailey komplett aus dem Spiel und harmonierte auf der linken Seite gut mit Jadon Sancho. Die SPON11 verpasste Akanji knapp hinter Mönchengladbachs Nico Elvedi und Bayerns Juan Bernat.

Wenn ein Spieler nach einer 2:5-Niederlage seiner Mannschaft in der SPON11 auftaucht, zeigt das zwei Dinge: Erstens straft der datenbasierte SPIX (hier lesen Sie mehr zur Berechnung) kein Kollektiv ab, und zweitens war Leipzigs Diego Demme neben dem eingewechselten Torschützen Naby Keita und Ademola Lookman einer der wenigen RB-Spieler in Normalform. Demme hatte die meisten Ballkontakte, mit 92 Prozent eine herausragende Passquote und war an vier Torschüssen beteiligt. Knapp hinter Demme bewies Dortmunds Julian Weigl ebenfalls seine ansteigende Form.

Berlins Salomon Kalou kam in Frankfurt rechtzeitig ins Spiel, um noch für die SPON11 berücksichtigt zu werden. Hertha-Trainer Pál Dárdai brachte den Offensivmann in der 59. Minute und der Ivorer dankte es mit zwei Torvorlagen zum 3:0-Sieg bei der Eintracht. Damit hat Hertha den Klassenerhalt sicher - und rückte bis auf vier Punkte an den Tabellensiebten Frankfurt heran. Verliert die Eintracht das Pokalfinale gegen den FC Bayern, reicht in der Bundesliga dieser siebte Platz für den Einzug in die Europa League. Es könnte ein besonders wichtiger Sieg der Berliner gewesen sein, wobei nach dieser mäßigen Rückrunde eine Europapokal-Belohnung fragwürdig wäre.

Dortmunds Marco Reus gab sich nach dem klaren Erfolg gegen Leverkusen betont uninteressiert, als die Frage aufkam, ob seine gute Leistung mit der Anwesenheit von Joachim Löw zu tun gehabt haben könnte. "Ich habe immer betont, dass wenn ich meine Leistung bringe, der Bundestrainer weiß, was er an mir hat", sagte Reus beim TV-Sender "Sky". Wenige Wochen vor Bekanntgabe des WM-Kaders wird Löw trotzdem gerne gesehen haben, dass Reus nach durchwachsenen Wochen mit dem BVB noch zu einer Leistung mit zwei Toren, einem Abseitstor, sechs Torschüssen und vier Torschussvorlagen in der Lage ist. Verletzt sich Reus bis zum 4. Juni nicht, wird er in Russland dabei sein.

Es war ein außergewöhnlicher Spieltag für die Stürmer in der Bundesliga. 14 der insgesamt 29 Tore erzielten Angreifer und so wundert es nicht, dass sechs Spieler einen SPIX-Wert über 90 haben und insgesamt 14 Stürmer im grünen Bereich mit einem Wert über 70 liegen. An der Spitze liegt mit Dortmunds Jadon Sancho der jüngste aus der Riege. Er brachte der Borussia mit seinem Tor zum 1:0 die nötige Sicherheit und bereitete zwei weitere Treffer vor. Der 18-jährige Engländer schwankt im Training des BVB zwischen Genie und Wahnsinn und könnte mit seinem Potenzial doch ein wichtiger Baustein beim Neuaufbau in der kommenden Saison sein.

Und das ist die SPON11 des 31. Spieltags, auszuwählen in fünf verschiedenen taktischen Formationen:

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antiantianti 24.04.2018
1.
HSV-bashing... Mal wieder. Man fühlt sich wie beim Murmeltiertag. Mal wieder werden Gefühle und Sympathien als Grundlage für eine Rechtfertigung genommen anstatt sich daran zu erinnern,dass Fakten einen Abstieg aus oder Verbleib in der Bundesliga besiegeln. Wenn der HSV nach Abschluss des 34. Spieltages weniger Punkte hat als der 16. ist er verdient abgestiegen. Wenn jemand anders dort steht hat es diese Mannschaft verdient. So einfach ist das.
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