Bundesliganoten Wer war noch mal dieser Dembélé?

Der FC Bayern hat seine Krise überwunden - und trotzdem marschiert der BVB vorweg. Auch die Elf des Tages wird von Dortmundern dominiert. Die Meisterschaft könnte nach Jahren der Langeweile wieder spannend werden.

Die Spieler von Borussia Dortmund nach dem 3:0-Sieg in Hamburg
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Die Spieler von Borussia Dortmund nach dem 3:0-Sieg in Hamburg

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Die Bundesliga sehnt sich nach einem spannenden Titelkampf. Keine Meisterfeier im April, schon gar nicht im März. Könnte klappen: In der derzeitigen Form sieht es so aus, als sei Borussia Dortmund mal wieder ein ernsthafter Konkurrent für Serienmeister Bayern München. Das schlägt sich auch in der Elf des fünften Spieltags nieder, wo der BVB vier Spieler und die Bayern in den Schatten stellt.

Dabei fehlte nicht viel und mit Sven Ulreich wäre ein dritter Bayern-Spieler in die SPON11 gekommen. Der Torwart zeigte beim 3:0-Sieg auf Schalke eine fehlerfreie Leistung und bestätigte die Analyse des SPIEGEL, die Verletzung von Manuel Neuer werde in der Bundesliga kaum ins Gewicht fallen. Ulreich, der vier Schalker Torschüsse parierte, spielte insgesamt 37 Pässe, nur zehn kamen nicht an. Ganz anders gefordert war Frankfurts Lukas Hradecky, der beim 1:0-Sieg in Köln allein fünf Schüsse aus dem Strafraum halten musste und so der meistbeschäftigte Keeper des Spieltags war.

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Beim FC geht nach der erneuten Niederlage die Angst um, ernsthaft in Abstiegsgefahr zu geraten. Null Punkte, 1:13 Tore, Tabellenletzter - das ist die Bilanz nach fünf Spielen. Da kann auch nicht trösten, dass gegen Frankfurt ein Aufwärtstrend zu erkennen war.

Das lag vor allem an der Defensive, die nach 22 zugelassenen Torschüssen und fünf Gegentoren bei der Pleite in Dortmund wieder sicherer stand. Die Eintracht traf nur per Foulelfmeter, der zudem umstritten war. Die beiden Innenverteidiger Dominique Heintz und Dominic Maroh ließen im Abwehrverbund nur wenige Torchancen zu und eroberten viele wichtige Bälle. Heintz überzeugte auch in der Spieleröffnung und avancierte so zum besten Innenverteidiger des Spieltags.

Bei Maroh wird allerdings eine Schwäche des SPIX deutlich. Sein zu kurzer Rückpass nötigte Torwart Timo Horn vor dem Elfmeter zum Foul an Mijat Gacinovic, wurde in der Datenanalyse jedoch als normaler Fehlpass gewertet.

Warum Borussia Dortmund bisher so stark aufspielt, lässt sich gut anhand der Außenverteidiger erklären. Eigentlich ist das die große Baustelle im Kader des BVB - und trotzdem spielten beim 3:0-Sieg in Hamburg mit Lukasz Piszczek und Dan-Axel Zagadou beide Außenverteidiger groß auf. Kapitän Marcel Schmelzer, Europameister Raphael Guerreiro und Zugang Jeremy Toljan fehlen derzeit verletzt, dieser immense Qualitätsverlust war zumindest beim HSV nicht zu spüren.

Dabei musste das ungleiche Paar in Hamburg sehr unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Piszczek, ohnehin mit viel Vorwärtsdrang ausgestattet, sorgte im Verbund mit Andriy Yarmolenko und Gonzalo Castro für ein Überladen der rechten Seite und eroberte wichtige zweite Bälle. Der junge Franzose Zagadou stand auf der linken Seite defensiver, lieferte sich viele Zweikämpfe mit André Hahn und glänzte bei hohen Bällen als Kopfballspieler.

Dass der FC Bayern nicht an der Tabellenspitze thront, liegt an der Niederlage bei der TSG Hoffenheim am dritten Spieltag, aber eben auch an der Konstanz des BVB. Denn die Münchner haben sich nach etwas zu lautem Krisengerede schnell wieder auf ihre Stärken konzentriert und gewannen die vergangenen drei Pflichtspiele mit einem Torverhältnis von 10:0. Das Duell um die Meisterschaft kann beginnen. Andere Teams kommen für die absolute Spitze wohl nicht infrage, das hat der klare Sieg beim gut gestarteten FC Schalke gezeigt. Ein Garant für den Erfolg war Zugang Corentin Tolisso, der im Spielaufbau eine bemerkenswerte Ruhe ausstrahlte und insgesamt nur drei Fehlpässe spielte.

Zweiter wichtiger Transfer der Münchner im vergangenen Sommer war die Leihe von James Rodríguez. Der Kolumbianer gilt als Wunschspieler von Trainer Carlo Ancelotti, wurde wegen des Reservistendaseins bei Real Madrid und seiner defensiven Sorglosigkeit jedoch kritisch betrachtet. Gegen Schalke zeigte James nun erstmals, warum der Italiener ihn unbedingt wollte. Ein Tor, eine Vorlage, drei weitere Torschüsse vorbereitet - Rodríguez war bester Offensivspieler der Münchner, was seinen hohen Wert in der Kategorie "Chancenkreation" erklärt.

Wie man es als Spieler einer unterlegenen Mannschaft fast in die SPON11 schaffen kann, zeigt Leverkusens Admir Mehmedi. Der Schweizer saß in der ersten Halbzeit, als Bayer bei Hertha BSC zwei Tore kassierte und die klar unterlegene Mannschaft war, auf der Bank. Nach der Pause wurde Mehmedi eingewechselt, verlagerte mit seiner Präsenz Leverkusens Spiel auf die rechte Seite und war an vielen Offensivaktionen beteiligt.

Während beim BVB in Hamburg neben den drei Außenverteidigern weiterhin Marco Reus, André Schürrle, Marc Bartra und Mario Götze fehlten, mussten die Bayern auch wichtige Stützen ersetzen. Das sind in erster Linie Franck Ribéry und Arjen Robben, was in der Vergangenheit schon mal für Probleme im Offensivspiel der Münchner sorgte. Nicht so auf Schalke, wo James auf der rechten Seite groß aufspielte und so die Zentrale für Thomas Müller freimachte. Der trat, anders als noch am vierten Spieltag, allerdings weniger in Erscheinung - wie der SPIX-Wert von 61 zeigt. Deutlich besser war BVB-Spielmacher Shinji Kagawa, der in Hamburg den Führungstreffer erzielte.

Am besten funktionierte aus Dortmunder Sicht allerdings der Dreierangriff aus Andrey Yarmolenko, Pierre-Emerick Aubameyang und Christian Pulisic. Der HSV unterband den Kombinationsfußball des BVB und zwang die Gäste zu vielen langen Pässen - was nicht der Spielidee von Trainer Peter Bosz entspricht. Und trotzdem kamen die Dortmunder zu vielen guten Torchancen, was an der individuellen Klasse der Stürmer lag.

Vor allem Yarmolenko lässt 105-Millionen-Euro-Mann Ousmane Dembélé erstaunlich schnell in Vergessenheit geraten. Der Ukrainer versprüht nicht die Genialität des Franzosen, ist in der Verfassung von Hamburg insgesamt aber sogar variantenreicher: Robust, dribbelstark, torgefährlich, schnell und mit der seltenen Gabe präziser Flanken ausgestattet. Zusammen mit Pulisics Tempo und Aubameyangs Abschlussstärke hat der BVB ein schwer zu verteidigendes Trio.

Und das ist die SPON11 des fünften Spieltags, auswählbar in verschiedenen Spielsystemen:

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Seite 1
neowave 21.09.2017
1. Auch wenn die Ergebnisse mehr als überzeugend sind,
Auch wenn die Ergebnisse mehr als überzeugend sind, das Spielniveau an sich stellt mich nicht wirklich zufrieden. Beispielsweise die Spieleröffnung durch Bürki mit weiten Abschlägen - da steh ich immer kurz vorm Herzkasper... das geht besser, das muss besser!
-volver- 21.09.2017
2. ...
Das bisherige programm des BVB waren eher pflichtaufgaben. Der HSV war spielerisch gestern sogar auf augenhöhe. Nur den letzten pass konnte der bvb besser platzieten als der hsv.
jujo 21.09.2017
3. ...
Wer war nochmal dieser XY Spieler? Das bedeutet doch nichts anderes als das jeder(!) Spieler ersetzbar ist. Selbst wenn das Spiel auf nur einen Superstar zugeschnitten wird. Sollte dieser ausfallen haben die Trainer einen Plan B. Der Hype und die Summen um und für Spieler sind weit überzogen und durch nichts gerechtfertigt! Was las ich erst gestern? Fällt Neuer aus, spielt eben Ullreich, eine gute Mannschaft kompensiert so einen Ausfall oder den Weggang eines Spielers. Köln kompensiert es gerade nicht, ist aber auch nur Mittelmaß als Mannschaft.
muellerthomas 21.09.2017
4.
Zitat von -volver-Das bisherige programm des BVB waren eher pflichtaufgaben. Der HSV war spielerisch gestern sogar auf augenhöhe. Nur den letzten pass konnte der bvb besser platzieten als der hsv.
Und das war in der gesamtem BuLi-Historie des BVB anders oder wieso ist es bisher nie gelungen, aus 5 Spielen, 13 Punkte bei null Gegentreffern zu holen?
spmc-125536125024537 21.09.2017
5. Wie kann es sein,
dass die Pässe eines Torhüters nicht ankommen? Oder werden Abschlägfe mitgezählt? Wie können die Bayern zu Null spielen, wenn 10 Pässe des Torwarts beim Gegner landen? Also dies Passquote beim Torhüter sollte man sich schenken
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