Bundesliga-Noten Das ist die Topelf des 16. Spieltags

Kein Bayern-Spieler, nur ein BVB-Akteur: Teams, die häufig die SPON-Topelf dominieren, gönnen sich am 16. Spieltag eine Pause. Es entsteht ein wildes Potpourri mit elf Spielern aus neun Klubs.

Leonardo Bittencourt
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Leonardo Bittencourt

Von Tobias Escher


Statistiken können helfen, subjektive Empfindungen objektiv darzustellen. Das trifft auch auf unseren SPIX zu, unserem Notensystem, das ausschließlich auf Daten basiert. Im Idealfall unterstützen die Zahlen genau das, was man mit bloßem Auge gesehen hat.

So liest sich etwa die Liste derjenigen Spieler, die am häufigsten in der SPIX-basierten Elf des Tages standen, wie eine All-Star-Mannschaft der Liga: Niklas Süle, Joshua Kimmich, Lukas Piszczek, Thiago, Jadon Sancho und Thorgan Hazard waren allesamt bereits viermal nominiert. Jeder mit etwas Fußball-Sachverstand erkennt die Klasse dieser Spieler.

Manchmal spült der SPIX jedoch auch Spieler in die Topelf, die sonst eher abseits des Rampenlichts stehen. Er legt dann den Blick frei auf die Spieler, deren Leistungen mit bloßem Auge nicht ganz so leicht zu erkennen sind - die aber wichtige Arbeit leisten für ihr Team. Genau das ist am 16. Spieltag der Fußball-Bundesliga passiert. Kein Wunder: Der BVB kassierte seine erste Saison-Niederlage, die Bayern spielten bei ihrem 1:0-Sieg gegen Leipzig mäßig. So feiern an diesem Spieltag gleich neun Akteure ihr Topelf-Debüt in dieser Saison.

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Im Tor steht hingegen ein alter Bekannter: Yann Sommer gelang zum dritten Mal der Sprung in die Topelf, Bestwert unter den Torhütern. Das verdankt er nicht in erster Linie seinen Händen, sondern seinen Füßen. Beim 2:0-Erfolg seiner Gladbacher gegen Nürnberg kamen 95 Prozent seiner Pässe beim Mitspieler an, fünf seiner sechs langen Bälle landeten am Fuß eines Teamkollegen - herausragende Werte für einen Torhüter. Zwei Paraden der schwersten Kategorien führen zu einer perfekten Leistung.

Die Wahl der Innenverteidiger zeigt, wie unterschiedlich diese Position interpretiert werden kann. Gladbachs Louis Beyer überzeugte vor allem in der Verteidigerdisziplin "Abwehrstärke" (Wert: 89). Unter diesen Wert fallen Aktionen wie das Blocken eines Schusses oder das Herausköpfen von Flanken - also alles das, was ein Verteidiger in und um den eigenen Strafraum tut. Werder Bremens Sebastian Langkamp steht hingegen wegen seines hohen Werts im Bereich "Balleroberung" in der Topelf (98). Hierzu zählen das Abfangen von Pässen sowie das Stibitzen des Balls vom Fuß des Gegners, also Aktionen, die meist eher außerhalb des Strafraums passieren.

Auch die beiden besten Außenverteidiger der Woche punkten vor allem in der Kategorie "Balleroberung". Schalkes Bastian Oczipka (93) kann hier sogar noch etwas bessere Werte vorweisen als Wolfsburgs William (82). Dass beide in der Elf des Tages stehen, liegt auch am niedrigen Grundniveau auf dieser Position: An diesem Spieltag knackte kein Außenverteidiger einen SPIX von 90. Am vergangenen Wochenende gelang dies noch fünf Außenverteidigern.

Pirmin Schwegler könnte aus erster Hand ein Buch schreiben, wie sich das Trainerwesen in Deutschland gewandelt hat. Christoph Daum, Ottmar Hitzfeld, Armin Veh, Bruno Labbadia, Julian Nagelsmann: Das ist eine unvollständige Liste seiner Übungsleiter. Aktuell dient er bei Hannover 96 als André Breitenreiters verlängerter Arm auf dem Platz. Beim 1:1 in Freiburg überzeugte er mit seinen Pässen: 86 Prozent seiner Zuspiele kamen an, drei führten zu Chancen, eines leitete den 1:1-Ausgleichstreffer ein.

Düsseldorfs Jean Zimmer und Dortmunds Jadon Sancho interpretieren die Außenposition komplett unterschiedlich. Der eine: defensiv eifrig, unauffällig, mit zielgerichteten Vorstößen nach vorne. Der andere: immer her mit dem Ball, immer rein ins Dribbling! Beide überzeugten beim direkten Aufeinandertreffen; Zimmer gelang ein Traumtor, Sancho leitete Dortmunds Anschlusstreffer zum 2:1 ein. Beide stehen in der Topelf. Doch nur Zimmer darf sich über die drei Punkte seiner Mannschaft freuen.

Leonardo Bittencourts Nominierung für die Elf des Tages ist schnell erklärt: Ihm gelang beim Hoffenheimer 1:1 in Bremen der einzige Treffer für sein Team. Auch er profitiert vom recht niedrigen Grundniveau auf seiner Position. Kein einziger offensiver Mittelfeldspieler erreichte an diesem Spieltag einen Wert jenseits der 90.

Beim 2:2 zwischen Mainz und Frankfurt gelang gleich zwei Stürmern ein Doppelpack. Der Mainzer Robin Qaison legte vor, Eintracht Frankfurts Luka Jovic zog nach. Der Frankfurter erzielte die Saisontreffer elf und zwölf, steht damit zusammen mit Paco Alcácer an der Spitze der Torjägerliste. Auf seinen vierten Einsatz in der Topelf muss er indes noch warten: Wolfsburgs Stürmer Wout Weghorst schob sich am Serben vorbei. Das verdankt er seinem Treffer zum Wolfsburger 2:0 sowie seiner - Überraschung! - Dribbelstärke. Der eher wenig filigrane Strafraumstürmer gewann zwei Dribblings und holte zudem zwei Freistöße für sein Team heraus.

Und das ist die SPON11 des 16. Spieltags, klickbar in fünf verschiedenen taktischen Formationen:

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Kurt Viles 20.12.2018
1. Keine Aussagekraft
Dieses Mal wird besonders deutlich, dass dieser SPIX keinerlei Aussagekraft hat. Leipzig hat gestern in München 70 Minuten lang ein überragendes Spiel gegen einen sehr starken Gegner gemacht. Taktisch, kämpferisch, läuferisch hat alles gepasst. Wo schlägt sich das im SPIX nieder? Freiburg gegen Hannover war ein lausiges Spiel nach dem Motto "Not gegen Elend". Einige Hannoveraner liegen aber weit vorne.
bcpt8 21.12.2018
2.
Zitat von Kurt VilesDieses Mal wird besonders deutlich, dass dieser SPIX keinerlei Aussagekraft hat. Leipzig hat gestern in München 70 Minuten lang ein überragendes Spiel gegen einen sehr starken Gegner gemacht. Taktisch, kämpferisch, läuferisch hat alles gepasst. Wo schlägt sich das im SPIX nieder? Freiburg gegen Hannover war ein lausiges Spiel nach dem Motto "Not gegen Elend". Einige Hannoveraner liegen aber weit vorne.
Will mich gar nicht über Sinn oder Unsinn der SPIX-Arithmetik auslassen, da hat sich bislang kein nennenswerter Konsens zwischen Redaktion und Lesern eingestellt (und SPON wird sich als Auftraggeber bis auf Weiteres seinen Statistikzulieferern vetraglich verpflichtet fühlen). Gulasci mit seinen famosen Paraden gegen Lewandowski und Kimmich erscheint mir hier trotz eines Gegentreffers unterbewertet mit einer Platzierung hinter Neuer (der dergleichen weniger zu meistern hatte). Habe die Leipziger zwar nicht als "überragend", aber immer wieder als kombinativ überlegen gesehen. Gefehlt haben in Summe Passgenauigkeit und Torgefahr - bis auf die fulminanten Kopfbälle von Upamecano und Poulsen. Und letztlich vielleicht auch einige Körner beim Team mit den meisten Pflichtspielen seit dessen Saisonbeginn für die EL-Qualirunden Ribéry hat wohl einzig wegen des Matchwinner-Treffers einen "Torgefahr"-Spitzenwert und damit einen der vorderen Plätze in der Gesamtwertung ergattert, denn viel mehr Produktives ist mir bei ihm nicht aufgefallen (Ausschuss dagegen reichlich). Wie er und die restlichen Bayern-Offensiven über weite Phasen ein ums andere Mal von der z. T. sehr jungen, umso abgezockter auftretenden Leipzig-Defensive 'abgekocht' wurden, war kein Ruhmesblatt für den (hinsichtlich Verfall der Spielkultur inzwischen wohl nur mehr angeblichen) Spitzenklub aus München. Ebenso wenig, dass Hummels hinterher freimütig von Schiss vorm "Risiko" bis fast in die Schlussphase hinein sprach. Die Bayern also ein "sehr starker Gegner" (vielleicht noch nominell), weil RB nur knapp, aber eigtl. unnötig verloren hat?
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