Bundesliga-Noten Das ist die Topelf des zehnten Spieltags

Bayern-Krise? Nicht in der Topelf. Überraschend haben es gleich drei Bayern-Spieler in die Elf des Tages geschafft. Mithalten kann da nur RB Leipzig.

Niklas Süle
Getty Images

Niklas Süle

Von Tobias Escher


Spätestens seit dem 1:1-Unentschieden gegen den SC Freiburg lässt sich die Krise der Bayern nicht mehr kleinreden. Nun wartet als nächster Bundesliga-Gegner auch noch Tabellenführer Borussia Dortmund. Zu den sportlichen Problemen kamen am Wochenende noch die Football-Leaks-Enthüllungen des SPIEGEL hinzu. Und selbst eine Petitesse wie der Instagram-Post von Lisa Müller schlägt derzeit hohe Wellen. Nach Jahren der Ruhe und des Erfolges ist ein Hauch des FC Hollywoods der Neunzigerjahre zurück.

Die Topelf des Tages spiegelt diese Krise nicht wider. Gleich drei Bayern-Spieler haben es unter die besten Spieler des zehnten Spieltags geschafft. Einzig der RB Leipzig gelang es nach dem souveränen 3:0-Erfolg gegen die Hertha, ebenfalls drei Spieler in der Topelf zu platzieren.

Wie kann das sein? Unsere Topelf basiert nicht auf subjektiven Einschätzungen unserer Redakteure, sondern auf reinen Daten: den SPIX-Werten. Diese speisen sich aus Statistiken wie Passgenauigkeit, der Qualität der erarbeiteten Torchancen und der gewonnenen Bälle in der Defensive. In all diesen Bereichen weisen die Bayern-Spieler noch immer Top-Werte auf.

Das ist die Krux der Liga: Selbst wenn der Meister wenig meisterlich auftritt - so wie gegen die kampfstarken Freiburger -, dominieren sie den Gegner. Die Bayern spielten dreimal so viele Pässe wie Freiburg, gaben doppelt so viele Torschüsse ab. Freiburg schoss überhaupt nur einmal aufs Tor - und der Schuss war drin.

Das bringt uns zur Krux des Bayern-Spiels: Jeder gegnerische Torschuss ist aktuell ein Treffer. Manuel Neuer konnte seit fünf Spielen keinen einzigen Schuss halten, jeder der letzten acht Schüsse auf sein Tor landete im Netz.

Besser machen es Neuers Kollegen. Gleich fünf Torhüter erreichten an diesem Spieltag einen SPIX-Wert jenseits der 80. Peter Gulacsi (98) ragt mit gleich drei Top-Paraden heraus. Er brachte die Berliner Stürmer Vedad Ibisevic und Salomon Kalou zum Verzweifeln. Der Ungar parierte kaum haltbare Schüsse aus kürzester Distanz. Eine solche Torwart-Leistung kann den Unterschied machen zwischen einem engen 1:1 und einem deutlichen 3:0-Erfolg, wie er Leipzig am Wochenende gelang.

In der Innenverteidigung findet sich der erste Bayern-Spieler: Niklas Süle (99) erreichte den höchsten SPIX aller Verteidiger an diesem Spieltag. Kein Wunder: Praktisch alle Konter der Freiburger endeten beim Münchener Abwehrturm. Neben ihm steht mit dem Gladbacher Matthias Ginter ein weiterer Nationalverteidiger.

Eigentlich war Rafinha bei den Bayern nur eine Notlösung. Durch die Verletzung von Spielgestalter Thiago musste Joshua Kimmich im defensiven Mittelfeld auflaufen, Rafinha rückte auf dessen vakante Rechtsverteidiger-Position. Den höchsten SPIX-Wert erreichte ein anderer Außenverteidiger: Augsburgs Jonathan Schmid (92) hat mit seinem brillanten Freistoß-Tor nicht nur eine Nominierung für die Topelf der Woche errungen, er dürfte auch gute Chancen haben auf den Titel "Tor des Monats".

Nabil Bentaleb war nach schwachen Leistungen in der vergangenen Saison auf Schalke bereits angezählt. Berichte machten die Runde, nach denen Trainer Domenico Tedesco ihm mangelnden Trainingseifer vorwarf. Seit Schalke in Sebastian Rudy einen Konkurrenten für Bentalebs Position im defensiven Mittelfeld verpflichtet hat, blüht der Algerier auf. Vorläufiger Höhepunkt seiner ansteigenden Formkurve: der Platz in der Topelf des zehnten Spieltags.

Dass Thorgan Hazard ein hochtalentierter Außenstürmer ist, wissen die Gladbacher Fans schon länger. In dieser Saison entwickelt er ungeahnte Torgefahr. Bei Gladbachs 3:0-Sieg über Düsseldorf erzielte er die Saisontore sechs und sieben. In der gesamten vergangenen Saison gelangen ihm zehn Tore. Auf der anderen Seite steht der dritte Bayer: Serge Gnabry hat es dank seines Tors gegen Freiburg ebenfalls in die Topelf geschafft.

Es war der Spieltag der offensiven Mittelfeldspieler. Gleich zwölf Spieler erreichten einen SPIX jenseits der 80, acht liegen sogar über 90. Der Beste war Kevin Kampl - und das, obwohl er weder einen Treffer selbst erzielte noch eine Torvorlage lieferte. Er legte jedoch gleich drei Großchancen für seine Mitspieler auf. Dass diese ihre Chancen fahrlässig liegenließen, ist nicht Kampls Schuld. Daher erreicht er einen hohen Wert im Bereich Chancenkreation (95). Zudem weist er hohe Werte im Bereich Balleroberung (93) sowie Dribblingstärke (94) hervor. Der SPIX gewichtet eben nicht nur Tore und Vorlagen, sondern betrachtet die gesamte Leistung eines Spielers.

Auch im Sturm gibt es eine Überraschung: Nicht etwa Leipzigs Timo Werner steht in der Topelf, sondern sein Sturmpartner Matheus Cunha. Werner traf zwar doppelt, ließ jedoch auch vier Großchancen aus. Cunha ging mit seinen Chancen sorgsamer um. Zudem bereitete er mehrere Torchancen für Kollegen vor. An seiner Seite steht in der Topelf Hoffenheims Joelinton, der wie Werner zweimal traf. Er ließ jedoch keine Großchancen aus.



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
erlachma 05.11.2018
1. Petitesse schlägt hohe Wellen?
Es gibt von Bayern genau zwei Reaktionen: von Kovac, darauf angesprochen: keine. Und von Thomas Müller, ebenfalls darauf angesprochen: eine typische Müller-Antwort, in der er Durchblicken lässt, dass Trainer-Kritik über die Medien nicht die richtige Antwort ist. Aber: ob Doppelpass oder Printmedien, Sky und überall wird über dieses Instagram-Posting geschrieben. Die Medien machen sich ihre Wellen selber. Und noch besser: sie schreiben, was das doch für Wellen auslöst...
andre meinung 05.11.2018
2. Niklas Suele?
Ich bin doch etwas verwundert. Ich habe natuerlich nur die Zusammenfassung gesehen. Aber wer kurz vor Schluss so fahrlaessig einen gegnerischen Stuermer ausser acht laesst oder ihn nicht wahrnimmt, daraus auch noch ein Unentschieden-Tor ernmoeglicht, der gehoert doch nicht in die Elf des Tages. Oder ist das ironisch gemeint?
derLordselbst 06.11.2018
3. Eine technische Auswertung...
...führt natürlich nicht immer zu nachvollziehbaren Ergebnissen. Man sollte daher solche Statistik-Tools etwas mehr relativieren als es hier geschieht. Allerdings könnte man auch bei so einem Tool das fahrlässige Verschulden von Toren einbauen und hoch negativ bewerten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.