Bundesliga-Noten, Teil eins Bayerns Bollwerk, Bayers Brillanz - die besten Spieler der Saison

Four Blocks: Bayern München hat die besten Defensivspieler der Bundesliga. Auf den offensiven Außen haben Nicht-Bayern-Profis geglänzt: Leon Bailey und Julian Brandt. Hier ist Teil eins unserer SPON11 der Saison.

Mats Hummels
AFP

Mats Hummels

Von


Der FC Bayern beherrscht die Bundesliga. 21 Punkte betrug der Vorsprung auf Vize-"Meister" Schalke in dieser Saison, der sechste Titel in Folge bedeutet eine in der Bundesligageschichte nie dagewesene Dominanz. Die eigentliche Überraschung ist also die: Geht es nach dem Spieler-Index SPIX von SPIEGEL ONLINE, gibt es gleich vier Positionen, auf denen die Bayern nicht den Top-Spieler der Saison stellen.

Der SPIX bewertet die Leistung von Bundesligaprofis anhand ihrer Spieldaten. Das, was die Kicker in 90 Minuten liefern, wird an dem gemessen, was in den vergangenen Jahren auf ihrer jeweiligen Position geleistet wurde. Erhält ein Innenverteidiger einen SPIX-Wert 50, hat er für Bundesligaverhältnisse exakt durchschnittlich gespielt. Erhält er eine 90, gehörte seine Leistung zu den oberen elf Prozent der jüngeren Ligahistorie. (Hier erfahren Sie mehr darüber, wie der SPIX funktioniert.)

Den Anfang der Top-Elf der Saison macht der Bayern-Bezwinger: Stuttgarts Ron-Robert Zieler. Der 29-Jährige punktete besonders in der Rückrunde mit acht Zu-null-Spielen, auch ihm ist es zu verdanken, dass der VfB im Kalenderjahr 2018 die zweitbeste Mannschaft hinter Bayern München ist. Der Höhepunkt der Zieler-Saison war möglicherweise der 34. Spieltag: Beim Auswärtsspiel gegen Bayern München wehrte Zieler sieben von acht Schüssen auf sein Tor ab, der VfB gewann 4:1.

Zieler gelangen 36 "Top-Paraden". Das sind gehaltene Schüsse aus einer für den Stürmer besonders aussichtsreichen Position. Für den SPIX-Algorithmus haben wir das Spielfeld in verschiedene Zonen unterteilt, je nach Tor-Wahrscheinlichkeit eines Abschlusses. Mehr Top-Paraden als Zieler schaffte übrigens nur Dortmunds Roman Bürki (37). Doch weil der Schweizer auch mehrfach patzte, muss er sich mit dem sechsten Platz im Ranking begnügen. Sein baldiger Konkurrent beim BVB, der Noch-Augsburger Marwin Hitz, war übrigens besser: Er steht auf dem vierten Platz.

Wie hat mein Lieblingsspieler abgeschnitten? Klicken oder wischen Sie sich durch das Ranking.

In der Innenverteidigung ist kein Vorbeikommen am FC Bayern: Mats Hummels war der Beste auf seiner Position. Der 29-Jährige profitierte auch von einer insgesamt guten Defensive der Bayern, die Münchner kassierten mit 28 Gegentoren die wenigsten in der Bundesliga. Je weniger Chancen eine Defensive zulässt, desto besser werden ihre Akteure bewertet.

Die Münchner Teamkollegen Niklas Süle und Jérôme Boateng folgen im Innenverteidiger-Ranking auf den Plätzen zwei und drei. Sollte Boateng zu Beginn der Fußballweltmeisterschaft wegen seiner Verletzung noch angeschlagen sein, hätte Bundestrainer Joachim Löw mit Süle also eine starke Alternative.

Bester Nicht-Münchner: Schalkes Naldo, 35, seit Jahren einer der Top-Verteidiger der Liga. 13 Jahre jünger ist Benjamin Pavard, unser Aufsteiger der Saison. Stuttgarts Franzose spielte bereits eine starke Hinrunde, in der Rückserie steigerte er sich sogar noch, der VfB kassierte nur 15 Gegentore. Der WM-Kader von Frankreichs Nationalmannschaft ist noch nicht verkündet worden. Pavards Nominierung wäre keine Sensation.

Eine weitere Überraschung in dieser Saison: Thilo Kehrer. Der 21-Jährige ist mittlerweile Stammspieler an der Seite von Naldo. Und neben Naldos Abwehrkunst kann sich Kehrer auch etwas anderes von seinem Kollegen abschauen: das Toreschießen. Naldo gelangen in dieser Spielzeit sieben Treffer, Kehrer immerhin drei.

Brasiliens Nationaltrainer Tite wird bei der WM auf Rafinha verzichten. Ein Fehler? Laut Spieldaten schon: Der 32-Jährige war der Beste auf seiner Position - und wie schon bei den Innenverteidigern folgen zwei Bayernspieler auf den Plätzen zwei und drei (David Alaba und Joshua Kimmich). Der frühere Nationalspieler Marcel Schmelzer zählt wie schon im Hinrunden-Ranking zu den Verlierern. Der BVB-Kapitän war defensiv durchschnittlich, mit dem Ball aber enttäuschte er. Das Resultat: der Verlust seines Stammplatzes und Platz 22 von 34.

Wenn von offensiven Außenspielern die Rede ist, fallen schnell die Namen von Arjen Robben und Franck Ribéry. Auch in der abgelaufenen Spielzeit machten der 35 Jahre alte Ribéry mit sechs Torbeteiligungen und der ein Jahr jüngere Robben (zwölf Torbeteiligungen) auf sich aufmerksam - gemessen an ihrer sportlichen Klasse sind das solide Zahlen für die Bayern-Profis. Die Folge: Ribéry und Robben haben in München um ein weiteres Jahr verlängert.

Unter den besten offensiven Außenspielern tauchen die Altstars aber nicht auf. Nicht, weil sie zu schlecht gewesen wären. Sondern, weil keiner der beiden auf dieser Position auf zumindest 30 Prozent bewerteter Einsätze kommt. (Zur Erklärung: Hier geht es um Mittelfeld-Außen, während Flügelstürmer im Angriff eingeordnet werden. Bei der Einsortierung übernimmt der SPIX in der Regel die Positionen von Datenlieferant Opta.)

Robben kommt immerhin im Sturm auf die nötigen Einsatzzahlen - und damit auf eine SPIX-Platzierung. Welche das ist, erfahren Sie morgen im zweiten Teil. Ribéry hingegen taucht gar nicht auf: Der Franzose stand in der Liga ohnehin nur in 39,5 Prozent der Spielzeit auf dem Platz. Zieht man die fünf nichtbewerteten Kurzeinsätze ab, bleiben 15 Einsätze, verteilt auf die Positionen äußeres Mittelfeld und Angriff.

In der kommenden Saison könnte die Spielzeit für beide noch geringer werden - mit Kingsley Coman und Serge Gnabry hat der FC Bayern zwei entwicklungsfähige Offensivkräfte im Kader.

Vielleicht spielen die Nachfolger von Ribéry und Robben aber auch in einem anderen Verein: Leon Bailey und Julian Brandt von Bayer Leverkusen waren in dieser Saison die stärksten Außenspieler der Bundesliga. Der 20 Jahre alte Jamaikaner brillierte in der ersten Saisonhälfte. Nach dem 23. Spieltag gelang dem Bayer-Profi aber nur noch eine Torbeteiligung. Die Konstanz fehlt also noch. Brandt, 22, kommt auf 14 Torbeteiligungen (neun Treffer, fünf Assists), eine weniger als Bailey (neun Treffer, sechs Assists). Diese allerdings sind gleichmäßiger über die Saison verteilt.

Am Freitag geht es mit dem zweiten Teil der SPON11 der Saison weiter. Mit dabei: Ein umstrittener Schalker, Bayerns Überflieger und ein Stürmer, der besser war als Robert Lewandowsi.



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wind_stopper 17.05.2018
1. Auesseres Mittelfeld
Wenn da jetzt kein FCB Spieler unter den Besten im "Aussehen Mittelfeld" dabei ist, heisst das dann, dass diese Positionen spieltechnisch relativ unwichtig sind?
lektra 17.05.2018
2. Die Bewertung der Torhüter
... bleibt für mich - anhand der aufgeführten Daten Gegentore, Top-Paraden, schwierige Paraden, mittlere Paraden - eher schwar nachvollziehbar. Gegentore sagen nur sehr bedingt etwas aus, denn hierzu braucht man z.B. den Wert "Schüsse aufs Tor". Richtig interessant wird das dann nur in der Relation zu den als verschieden schwer gewerteten Torwartfehlern. Wenig Gegentore bekommt man im Bayerntor halt leichter, weil die Abwehr das meiste abfängt. Das wenige, was aufs Tor kommt, ist meist auch weniger gefährlich. Im Freiburg-Tor oder diese Saison im Kölner Tor zu stehen, war die wesentlich größere Herausforderung. Timo Horn mit 42 Top-Paraden, 60 schwierigen Paraden, 33 mittleren Paraden steht 8 Plätze hinter Ulreich mit 14 Top-Paraden, 30 schwierigen Paraden, 14 mittlere Paraden?
jnek 17.05.2018
3. Tja, so ist der spon-spix eben
Zitat von lektra... bleibt für mich - anhand der aufgeführten Daten Gegentore, Top-Paraden, schwierige Paraden, mittlere Paraden - eher schwar nachvollziehbar. Gegentore sagen nur sehr bedingt etwas aus, denn hierzu braucht man z.B. den Wert "Schüsse aufs Tor". Richtig interessant wird das dann nur in der Relation zu den als verschieden schwer gewerteten Torwartfehlern. Wenig Gegentore bekommt man im Bayerntor halt leichter, weil die Abwehr das meiste abfängt. Das wenige, was aufs Tor kommt, ist meist auch weniger gefährlich. Im Freiburg-Tor oder diese Saison im Kölner Tor zu stehen, war die wesentlich größere Herausforderung. Timo Horn mit 42 Top-Paraden, 60 schwierigen Paraden, 33 mittleren Paraden steht 8 Plätze hinter Ulreich mit 14 Top-Paraden, 30 schwierigen Paraden, 14 mittlere Paraden?
Es ist eine vollkommen subjektive Veranstaltung die vorgibt objektiv zu sein. Doch sie haben den Schwachpunkt gut ausgemacht. Je nachdem was man wie wertet kommt eben ein bestimmtes Ergebnis heraus. Wobei, trotz seiner vielen Topparaden war Horn am Ende eben auch einer der Gründe, warum Köln am Ende dort stand wo sie standen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.