Bundesliga-Noten Drei Tore gegen Rassismus und Boykott

Hannover 96 mit Dreifachtorschütze Niclas Füllkrug träumt von Europa, muss sich aber über die eigenen Fans ärgern. Außerdem in der SPON11: zwei blutende Defensivspieler und ein lässiger Münchner.

Hannovers dreifacher Torschütze Niclas Füllkrug
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Hannovers dreifacher Torschütze Niclas Füllkrug

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Bei Hannover 96 müssten eigentlich alle maximal zufrieden sein. Der vor der Saison als klarer Abstiegskandidat gehandelte Aufsteiger steht mit 26 Punkten im Mittelfeld der Bundesliga, hat nur zwei Punkte Rückstand auf einen Europa-League-Platz und drehte am vergangenen Samstag einen 0:2-Rückstand gegen den FSV Mainz in einen 3:2-Heimsieg. Bester Spieler auf dem Platz: Niclas Füllkrug, der alle drei Tore für 96 erzielte und natürlich in der SPON11 des 18. Spieltags steht.

Doch die Stimmung in Hannover ist bescheiden bis unterirdisch - in doppelter Hinsicht. Füllkrug beschwerte sich nach seinem Dreierpack beim TV-Sender Sky über die maue Stimmung im Stadion. "Es ist enttäuschend", sagte der Stürmer. "Die haben genug Aufmerksamkeit bekommen. Wir müssen uns scheinbar daran gewöhnen." Die, das sind die 96-Ultras, die ihren in der Hinrunde begonnenen Stimmungsboykott fortsetzten. Hintergrund ist der Protest gegen die wahrscheinliche Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel, nach der Präsident Martin Kind für einen geringen finanziellen Aufwand die Mehrheit am Klub übernehmen darf.

Am Tag danach war klar, dass das derzeit nicht Hannovers größtes Problem in Sachen Zuschauerbeteiligung ist. Wie der Mainzer Leon Balogun via Twitter publik machte, wurden er und Teamkollege Anthony Ujah beim Aufwärmen in der zweiten Halbzeit von Teilen der 96-Fans rassistisch beleidigt. Hannover hat sich dafür mittlerweile entschuldigt, der DFB ermittelt trotzdem.

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Roman Bürki war in der Hinrunde ein Gesicht der Krise von Borussia Dortmund. Der Schweizer Nationalspieler leistete sich einige Unsicherheiten und vermittelte nicht das Gefühl, für den BVB Spiele gewinnen zu können. Anders als seinen Teamkollegen, die beim 0:0 gegen den VfL Wolfsburg keine Aufbruchstimmung entfachen konnten, scheint Bürki die Winterpause aber geholfen zu haben. Der 27-Jährige wirkte in allen Belangen sicher und rettete der Borussia mit starken Paraden gegen Daniel Didavi (37. Minute), Divock Origi (8.) und William (77.) zumindest einen Punkt. Besser bewertet als Bürki wurde am 18. Spieltag nur Landsmann Marwin Hitz vom FC Augsburg, der gegen Hamburger SV ebenfalls zu null spielte und insgesamt sechs Torschüsse abwehrte.

Beim VfB Stuttgart dreht sich derzeit alles um Mario Gomez. Um den aus Wolfsburg zurückgekehrten Stürmer bastelt Trainer Hannes Wolf ein neues System. Gegen Hertha BSC klappte die Umstellung noch nicht so gut, auch wenn Gomez beim für den VfB-Sieg entscheidenden Eigentor von Niklas Stark zumindest in der Nähe war. Dass Gomez nun als Stoßstürmer anstelle des nach Köln abgewanderten Simon Terodde gesetzt ist, wird auch Marcin Kaminski freuen. Der Innenverteidiger hatte direkt vor der Winterpause gegen den FC Bayern für den verletzten Terodde als Stürmer aushelfen müssen, blieb in einer Halbzeit jedoch ohne Torschuss. Gegen Berlin durfte Kaminski nun wieder auf seiner angestammten Position spielen - und machte seine Sache als zweikampfstarker Balleroberer so gut, dass er es in die SPON11 geschafft hat.

Der zweite Innenverteidiger Martin Hinteregger vom FC Augsburg wollte nach dem Erfolg gegen den HSV nicht seine exzellente Leistung in den Vordergrund stellen. Nach zähem Beginn mit Vorteilen für die Gäste war der Österreicher nach einem Luftzweikampf mit Bobby Wood wegen einer blutenden Nase minutenlang behandelt worden. "Die Nase wollte einfach nicht aufhören zu bluten", analysierte Hinteregger. "Das war aber der Wachmacher für uns, danach waren wir präsenter." Ob blutende Nasen in Zukunft mit in die SPIX-Werte einfließen werden, wird noch geprüft.

Für Vergleiche mit Philipp Lahm ist es zu früh, aber bei Wolfsburgs Remis in Dortmund machte ein gelernter Rechtsverteidiger auf sich aufmerksam, der wie Lahm zu Beginn seiner Karriere auf der verkehrten Seite zu einer festen Größe werden könnte: William. Der Brasilianer kam im vergangenen Sommer von Internacional Porto Alegre zum VfL, benötigte eine lange Eingewöhnungsphase und ist erst seit dem 15. Spieltag der bevorzugte Linksverteidiger von Trainer Martin Schmidt. Beim BVB gelang William eine gute Mischung aus Vorstößen im Angriff und defensiver Stabilität gegen die sehr aktive rechte Seite der Dortmunder mit Lukasz Piszczek und Andriy Yarmolenko. William zog bei seiner stärksten Offensivleistung von links in die Mitte und zwang Torwart Bürki mit einem Weitschuss mit dem rechten Fuß zu einer Glanzparade.

Noch mehr Blut gefällig? Was bei Hinteregger glimpflich ausging, dürfte bei Hannovers Pirmin Schwegler eine lange Pause nach sich ziehen. Bis zum Zusammenstoß mit dem Ellbogen von Robin Quaison, der einen offenen, schwer blutenden Nasenbeinbruch und die Auswechslung in der 62. Minute zur Folge hatte, war Schwegler ein entscheidender Faktor für die Rückkehr der Hannoveraner nach 0:2-Rückstand. Der Schweizer bereitete den Anschlusstreffer von Füllkrug mit einem Eckball vor, er legte vier weitere Torschüsse auf und war im Mittelfeld mit seiner Passgenauigkeit die wichtige Konstante im Spielaufbau.

Es war eine der spektakulärsten Szenen des Spieltags: Beim Stand von 0:0 schoss Freiburgs Bartosz Kapustka im Frankfurter Strafraum Marco Russ an, der Ball flog über Torwart Lukas Hradecky hinweg in Richtung Eintracht-Tor. Freiburgs Führung schien sicher, doch dann eilte Mittelfeldspieler Marius Wolf Richtung Torlinie, lag quer in der Luft, erwischte den Ball in vollem Tempo aber nicht richtig und sorgte per Pfostentreffer doch noch für die Verhinderung des Tors. Solche Rettungstaten erfasst der SPIX zwar nicht, doch sie steht stellvertretend für die gute Leistung des Flügelspielers, der über 90 Minuten mit vollem Einsatz marschierte, sechs Torschüsse vorbereitete, wichtige Pässe im Angriffsdrittel spielte und eins seiner zwei Dribblings gewann.

Bei Werder Bremen bewies Max Kruse einmal mehr, wie wichtig er für das Erreichen des Klassenerhalts sein wird. Auch wenn beim 1:1 gegen die TSG Hoffenheim kein Sieg heraussprang, so war Kruse an vielen Angriffen und an insgesamt fünf Torschüssen beteiligt. Will Trainer Florian Kohfeldt seine offensive Spielausrichtung weiter durchziehen, ist er auf Kruse angewiesen.

Sein Treffer zum 3:1-Sieg bei Bayer Leverkusen war nicht spielentscheidend, aber wie lässig James Rodríguez den Freistoß in der Nachspielzeit aus dem Stand über die Mauer in den Winkel lupfte, war der Höhepunkt einer seit Monaten andauernden Entwicklung: Der Kolumbianer ist beim FC Bayern angekommen und hat sich auf die Anforderungen der Bundesliga eingestellt.

Der 18. Spieltag lieferte insgesamt 22 Tore, wovon die Hälfte auf das Konto von Stürmern ging. Vier Angreifer stachen dabei besonders hervor - wobei Kölns Siegtorschütze Simon Terodde nicht dazugehört. Der Zugang aus Stuttgart bescherte dem FC mit seinem Tor in der 95. Minute zwar drei wichtige Punkte, zuvor war Terodde jedoch kaum ins Spiel eingebunden und es gibt Zweifel, ob er überhaupt zur Kölner Spielweise unter Trainer Stefan Ruthenbeck passt.

Besser machten es Niclas Füllkrug, Bruma von RB Leipzig, Gladbachs Raffael nach seiner Einwechslung und Sébastien Haller von Eintracht Frankfurt. Die SPIX-Werte dieses Quartetts liegen nur sechs Punkte auseinander und sprechen für die hohe Stürmerqualität an diesem Spieltag. Füllkrug erreichte mit seinen drei Toren den Höchstwert, knapp gefolgt von Bruma, der die Abwesenheit von Emil Forsberg gut für sich nutzen konnte und in Leipzig auch in den kommenden Wochen einen Stammplatz anpeilen kann.

Und das ist die SPON11 des 18. Spieltags, klickbar in fünf verschiedenen taktischen Formationen:

(Sie wollen wissen, wie der SPIX berechnet wird? Hier entlang).

insgesamt 2 Beiträge
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uffta 15.01.2018
1. Kein Pardon für den Vorfall in Hannover
Die Affengeräusche in Hannover sind ohne Diskussion rassistisch und auf das Schärfste zu verurteilen! Im krassen Gegensatz dazu ist der Begriff "Affenzirkus" im Zusammenhang mit einem dunkelhäutigen Spieler allerdings nicht rassistisch. Der betroffene Spieler schadet mit seiner Divahaltung einerseits echten Opfern von Rassismus (wie eben in Hannover), andererseits macht er sich selbst zum Rassisten, da er hellhäutige Spieler diskriminiert (bei denen ist der harmlose und gebräuchliche Begriff "Affenzirkus" natürlich erlaubt). Ist ähnlich der #metoo-Debatte, man sollte immer die Relationen beachten und die Keule nicht schon bei Ameisen rausholen, die man am Ende selbst gezüchtet hat.
komparator 15.01.2018
2. Was
da zur Zeit von den sogenannten Fans aus der Nordkurve kommt ist nicht einmal Sonderschulniveau. Einfach nur Pack welches diesem Verein einen Bärendienst erweist. Diese ganzen tollen Fans aus der Nordkurve werden als dümmste Fans aller Zeiten in die Geschichte dieses Vereins eingehen.
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