Remis gegen Hannover: Nürnberg fühlt sich betrogen

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Nürnberg-Torwart Schäfer: "So ein Scheißding"

So nahe war Nürnberg dem ersten Saisonsieg noch nie. Auf dramatische Art und Weise verspielte der "Club" bei Hannover 96 eine 3:0-Führung und kam nur zu einem Unentschieden. Die Spieler fühlten sich vom Schiedsrichter um den Sieg gebracht - übersahen dabei aber eigene Fehler.

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Hamburg - Es gibt einen alten Spruch, der gerne dann zitiert wird, wenn irgendetwas partout nicht klappen will, man sich selbst aber keiner Schuld bewusst ist: Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, liegt es an der Badehose. Beim 1. FC Nürnberg, für den es gegen Hannover am 16. Bundesliga-Spieltag wieder nicht für einen Sieg reichte, hatte man auf ähnlich lapidare Weise das Problem des Nachmittags ausgemacht: Schiedsrichter Thörsten Kinhöfer.

"Ich erwarte, dass er vernünftig pfeift", schimpfte Torwart Raphael Schäfer nach dem 3:3 (3:0)-Unentschieden: "So ein Scheißding. Jeder im Stadion hat es gesehen, nur drei Mann nicht. Und dann wieder diese Arroganz, mit der man den Spielern entgegentritt." Gemeint war das erste Tor von Hannovers Angreifer Mame Diouf, mit dem dieser in der 87. Minute der Anschluss gelungen war. Kinhöfer und sein Assistent Detlef Scheppe übersahen dabei die klare Abseitsstellung Dioufs. "Das war ein eindeutiger Fehler von uns, und der ärgert mich maßlos", sagte Kinhöfer der "Bild am Sonntag".

Zuvor hatte der "Club" bis zur 87. Minute 3:1 in Führung gelegen, der erste Saisonsieg schien zum Greifen nahe. Dann verkürzte Diouf auf 3:2, in der 92. glich er aus - und wenige Minuten später stand erneut die Erkenntnis, dass Nürnberg derzeit offenbar einfach nicht gewinnen kann.

Einbruch in Hälfte zwei

Auch wenn sich die Spieler "um einen Sieg betrogen" (Mike Frantz) fühlten und der Verein über seinen offiziellen Twitter-Account ironisch verkündete, die "Toleranzgrenze bei Abseits gegen Teams ab Platz 16 ist auf zwei Meter erhöht worden", müssen sich alle auf Seiten der Nürnberger fragen: Wie konnte es überhaupt sein, dass man den positiven Spielausgang bei einer 3:0-Führung kurz vor Schluss derart gefährdete? Daran konnte Kinhöfer kaum schuld sein.

Das Team von Trainer Gertjan Verbeek hatte die 96er in der ersten Hälfte phasenweise vorgeführt und durch die Treffer von Adam Hlousek (30. Minute), Josip Drmic (38.) und Per Nilsson (41.) stark unter Druck gesetzt. Im zweiten Durchgang fehlte dem Nürnberg plötzlich die Entschlossenheit vor dem Tor, Stürmer Daniel Ginczek (59.), Nilsson (67.) und Drmic (69.) hätten die Begegnung entscheiden können - sie hätten sie sogar entscheiden müssen.

Zu dem Zeitpunkt schien der Job von Hannovers Chefcoach Mirko Slomka, der aus den vergangenen zehn Spielen nur einen Sieg vorweisen kann, akut gefährdet. "Nach dem 0:1 sind viele Dämme gebrochen. Da war keine Konzentration, keine Ordnung mehr da, das war schon finster", sagte Slomka. Doch dann habe seine Mannschaft in der zweiten Halbzeit eine großartige Charakterstärke gezeigt - und wurde so beinahe zum Gegenentwurf zu Nürnberg.

"Der Trainer hat gesagt, dass wir uns nicht so abschlachten lassen können", sagte Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler. "Wir haben uns in die Gesichter geschaut und gesagt, dass es nur einen Weg gibt: mit Kampf", ergänzte Leonardo Bittencourt, der mit seinem Treffer (60.) den Schlussspurt erst möglich machte.

Verbeek trotzdem positiv gestimmt

Die Nürnberger hingegen sahen dem Treiben in den letzten Minuten fassungslos zu, vom Schwung der ersten Halbzeit war nichts mehr übrig. "Das ist ein brutaler Nackenschlag, von dem du dich nur ganz schwer erholen kannst", sagte Sportchef Martin Bader: "Aber wir müssen es tun." Allein Trainer Gertjan Verbeek behielt die Ruhe: "Ändert sich etwas, wenn ich mich aufrege? Wir waren eine Stunde die bessere Mannschaft. Aber die Spieler haben Fehler gemacht, der Schiedsrichter hat Fehler gemacht und der Linienrichter hat Fehler gemacht."

Verbeek, der auch im siebten Spiel seit seinem Amtsantritt sieglos bleibt, will zumindest das spielerische Potential seiner Mannschaft erkannt haben: "Wir sind auf einem guten Weg", sagte er. "Wir wissen, es wird schwer, aber wir haben viele gute Sachen gesehen, deshalb bin ich weiterhin positiv gestimmt." An der Selbstwahrnehmung seiner Spieler muss er allerdings noch arbeiten.

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insgesamt 42 Beiträge
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1. Systemsirene psk will sagen:
tafkat 15.12.2013
Immer schön "die Schuld" bei sich suchen! Niemals die Vorgesetzten oder gar das System hinterfragen! Hat nicht geklappt? Dein Leben ist scheisse? Dann streng Dich mehr an! Krieche tiefer in die Hintern! "Abseits ist, wenn der Schiedsrichter pfeift!" (Rehakles) Wer aufmuckt, wird bestraft! Hatte der Schäfer nicht letzte Woche erst die große die Klappe? Er muss lernen, dass das nichts nutzt! Du denkst, die können nicht alles machen? Haha, siehst Du doch! Die können jede beliebige "Tatsachenentscheidung" in jeder beliebigen Wiederholung bringen. Ausgeschlossen, dass der Linienrichter sich geirrt hat. Dann muss es Absicht gewesen sein. Wer kann sowas anordnen? Wenn es keiner angeordnet hat, muss es aus eigenem Interesse geschehen sein. Gekauft? Was sagen die weltweit arbeitenden Wetteinsatz-Überprüfungs-Algorithmen?
2. Spiel gesehen?
hänsellerie 15.12.2013
Die Grundaussage des Berichts ist sicherlich richtig: egal wie, ein 3:0 nach 45 Minuten muss man über die Zeit bringen. Nur erwarte ich von jemandem der sich darüber auslässt auch, dass er das Spiel gesehen hat. Abseits war's beim Anschlusstreffer, nicht beim Ausgleich..
3. Spiel gesehen?
hummelmann 15.12.2013
Das 2-3 war übrigens das umstrittene Tor...
4.
duwi 15.12.2013
es war nicht das letzte Tor das abseits war sondern das zweite. das letzte wär wahrscheinlich nie gefallen wenn das 2:3 nicht fällt.
5. unfassbar....
dhbean 15.12.2013
....das letzte Tor zeigt doch dass der Club absteigen MUSS, das haben ja wohl gewisse Leute schon entschieden. Das ist nichts als klarer Betrug, Wettbewerbsverzerrung und eine Verachtung von Fans die Geld für den Eintritt bezahlen. Traurig so etwas.
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