Bundesliga-Oranjes Schnell gefeuert, stark berauscht

Viele Niederländer waren in der Bundesliga sehr erfolgreich. Aad de Mos gilt hingegen als der größte Oranje-Flop. In Bremen wurde der Trainer alsbald entlassen. Ein Kicker wurde als Kiffer überführt. Das Magazin "11 FREUNDE" hat weitere Anekdoten zusammengestellt.


Als Spieler war Johan Neeskens ein Weltstar, als Trainer bereitete ihm eine Station in Deutschland seine größte Niederlage: 1995 sollte er den Verbandsligisten FC Singen 04 in die Oberliga führen. Ein monströser PR-Coup der Singener und ein Debakel für den einstigen Weltstar, der nach nur einer Saison und dem wenig überzeugenden neunten Platz wieder entlassen wurde.

Werder-Coach de Mos (r.): Kurzes Gastspiel in Bremen
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Werder-Coach de Mos (r.): Kurzes Gastspiel in Bremen

"Ich spiele weiterhin mit Risiko. Schließlich profitieren alle davon: wir, das Publikum und auch der Gegner", sprach Aad de Mos als Trainer von Werder Bremen. Es profitierten in der Saison 1995/1996 allerdings nur die Gegner, Werder versumpfte im Abstiegskampf, und de Mos musste Bremen nach nur einem halben Jahr wieder verlassen. Der Coach, der vom 1. Juli 1995 bis 9. Januar 1996 amtierte, hatte vor Journalisten munter über seine Mannschaft hergezogen.

Ein Holländer ist ungern allein unter Fremden. Fred Rutten musste unbedingt seinen Ziehsohn aus Enschede, Orlando Engelaar, mit nach Schalke bringen. Und Martin Jol, der neue HSV-Trainer, hat seinen Bruder und einen Hofstaat an Assistenztrainern nach Hamburg geholt, um Heimweh zu vermeiden. Heimische Spieler hatte er allerdings nicht im Gepäck. Davon gab es in Hamburg ja auch schon reichlich.

Dank Quido Lanzaat wird sich auch ein anderes holländisches Klischee noch ein wenig halten. Nach dem Hallenmasters-Finale 2000 in München wurde der Gladbacher positiv auf THC getestet. Später gab der überführte Kiffer zu, an Silvester zwei Joints geraucht zu haben. Lanzaat wurde nur für drei Monate gesperrt. Weil er die Tüten in Amsterdam geraucht hatte. Denn Haschisch steht in den Niederlanden nicht auf dem Dopingindex. Gladbach verlor den Titel.

Multitasking: Schalkes Eurofighter Johan de Kock hielt seinerzeit nicht nur die Abwehr der "Königsblauen" zusammen, sondern bastelte auch neben dem Platz am Erfolg der Schalker mit. Der studierte Straßen- und Wasserbau-Ingenieur half beim Bau der Arena "Auf Schalke".

Die holländische Antwort auf Michael Henke heißt Eddy Achterberg, der stets freundliche Sancho Pansa von Huub Stevens, Fred Rutten, Jupp Heynckes und Ralf Rangnick. Egal ob in Kerkrade, bei Twente Enschede oder Schalke 04: Achterberg, von Freunden "de Keu" (das Schweinchen mit den krummen Beinen) gerufen, war der ewige Co. Außer einmal: Als er 2004 zwölf Tage Cheftrainer auf Schalke spielen durfte und im zweiten Pflichtspiel als Chef die erste Niederlage kassiert hatte, blaffte der stets höfliche Achterberg in die Mikrofone: "Gute-Laune-Eddy hat heute keine gute Laune."

Bei Werder Bremen wurde Lodewijk Roembiak liebevoll "Kugel" gerufen. Der technisch beschlagene, aber leicht übergewichtige Mittelfeldspieler war der optische Vorgänger von Ailton. Eines unterschied ihn jedoch vom Kugelblitz: seine Sprachkenntnisse. Nachdem Paulo Rink und Oliver Neuville erst eingebürgert und dann für die Nationalelf nominiert wurden, spottete der Holländer: "Da kann ich ja auch gleich für Deutschland spielen. Ich kann wenigstens deutsch."

Zusammenstellung: Philipp Köster, Max Ost und Lucas Vogelsang

Lesen Sie morgen im dritten und letzten Teil, welcher Niederländer der härteste Bundesliga-Legionär war und weshalb sich die Ulmer noch heute gern an einen Oranje erinnern.



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