Bundesliga-Prognose Dortmund ist Mathe-Meister

Dortmund wird Meister, das steht statistisch schon fest. Doch die Liga bleibt bis zum Schluss spannend: Wer qualifiziert sich für die Champions League? Wer steigt ab? Welcher Club ist die größte Enttäuschung der Saison? Zahlenforscher Andreas Heuer hat Antworten auf diese Fragen.

BVB-Fans mit Meisterschale: Zu 99 Prozent Meister
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BVB-Fans mit Meisterschale: Zu 99 Prozent Meister


Die Meisterschaft ist entschieden. Zumindest mathematisch. Der "Super-Sonntag" am vergangenen Wochenende schuf klare Fakten: Erst verlor Leverkusen in München, dann gewann Dortmund gegen Freiburg. Aus dem detaillierten Modell der Fußball-Bundesliga folgt (siehe Infokasten), dass das "Ding" (BVB-Verteidiger Hummels) mit der Wahrscheinlichkeit von 99.5 Prozent nach Dortmund geht. Sprich: Bei der jetzigen Ausgangssituation würde im Durchschnitt alle 200 Jahre Leverkusen das "Vizekusen"-Label verlieren. Das will kein BVB-Fan erleben.

"Alles falsch gemacht" war die prägnante Einschätzung von Heynckes nach dem Spiel in München. Im statistischen Normalzustand sollte trotzdem die Teilnahme an der Champions League bei 92 Prozent Wahrscheinlichkeit fest eingeplant werden. Das gleiche gilt für den Qualifikationsplatz für München - die Änderungen um einen Tabellenplatz nach oben (8%) beziehungsweise nach unten (13%) sind eher unwahrscheinlich.

Auch wenn Hannover auf Platz vier der Tabelle nur einen Punkt Rückstand aufweist, ist der Weg in die Champions League entsprechend unwahrscheinlich. Doch schon der Wandel vom Abstiegskandidat zum praktisch sicheren Europa League Teilnehmer (23 Punkte über der realistischen Erwartung vor Beginn der Saison) ist neben dem Höhenflug von Borussia Dortmund (24 Punkte über der Modell-Erwartung) die mit Abstand positivste Überraschung dieser Saison. Die bescheidene Tordifferenz von +2, aus statistischer Sicht der relevanteste Leistungsindikator, zeigt allerdings auch, dass neben dem Können auch eine Portion Glück im Spiel war. Oder sollte man es strategisch geschickt nennen, auf Unentschieden fast zu verzichten?

Mainz singt und lacht in Europa, Wolfsburg die größte Enttäuschung

Auch wenn die anfängliche Siegesserie von Mainz sich nicht auf die ganze Saison ausbauen ließ, so ist die Europa League Qualifikation kein Karnevalsscherz mehr (77%) und im Unterschied zum Jahr 2005, als sich Mainz über die Fair-Play-Wertung qualifiziert, durch fußballerische Qualität bewirkt. Theoretisch können auch Nürnberg und Hamburg und in den allerkühnsten Träumen sogar noch Hoffenheim und Schalke Platz 5 erreichen. Aber da ist ein furioser Schalker Champions-League-Finalsieg der Königsblauen fast noch wahrscheinlicher.

Freiburg steht für die Null, am vergangenen Wochenende im Sturm, für den Rest der Saison bei den Wahrscheinlichkeiten nach oben und unten. Für Freiburger Verhältnisse geht trotzdem eine sehr erfreuliche Saison mit einem Torjäger Cissé zu Ende, der mehr als die Hälfte aller Freiburger Tore (20) geschossen hat.

Die objektiv größte Enttäuschung dieser Saison war bislang der VfL Wolfsburg mit 20 Punkten weniger als erwartet und einer mehr als 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit, zumindest in die Relegation zu müssen. Nur durch das Last-Minute-Tor gegen St. Pauli gibt es immer noch eine realistische Hoffnung, diese Blamage zu vermeiden. Im Gegensatz dazu ist der direkte Abstieg von St. Pauli mit 73% Wahrscheinlichkeit eine sehr reale Möglichkeit, die dann zum Verlust des Trainers noch schmerzlich hinzukäme.

Ganz sicher für die Zweite Liga planen kann Borussia Mönchengladbach (96% direkte Abstiegswahrscheinlichkeit). Auch die bemerkenswerte Ankündigung von Favre, "intelligent" im nächsten Spiel gegen Dortmund anzutreten, wird nicht wirklich helfen. Die verbleibenden Mannschaften sind allesamt Kandidaten für den Relegationsplatz (siehe Tabelle), für Frankfurt (5% Wahrscheinlichkeit) sind sogar noch die letzten beiden Plätze möglich.

Aus der Reihe dieser Mannschaften sticht die neben Wolfsburg größte Enttäuschung heraus: Werder Bremen mit einem Punktedefizit von -18 gegenüber der Erwartung vor der Saison und einer zudem verheerenden Tordifferenz. Die Energie, die andere Mannschaften augenblicklich beim Trainer-Roulette verbrauchen, werden die Bremer hoffentlich in die Verbesserung der Mannschaft investieren und beim Hinarbeiten auf einen Rekord der ganz anderen Art: Noch vier Jahre und Thomas Schaaf ist neuer Spitzenreiter in der Disziplin "Halte den Trainer". Bisheriger Bundesliga-Rekordhalter ist übrigens Volker Finke. Der heutige Sportdirektor des 1. FC Köln war 16 Jahre lang Trainer vom SC Freiburg.

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
surselva-29 21.04.2011
1. Binsenweisheiten
Zitat von sysopDortmund wird Meister, das steht statistisch schon fest. Doch die Liga bleibt bis zum Schluss spannend: Wer qualifiziert sich für die Champions League? Wer steigt ab? Welcher Club ist die größte Enttäuschung der Saison? Zahlenforscher Andreas Heuer hat Antworten auf diese Fragen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,758480,00.html
Zitat Karl-Heinz Rummenigge: "Fussball ist keine Mathematik". Und die Prognose, dass der BVB (verdienter) Meister wird, ist angesichts des 8-Punkte-Polsters und nur noch 4 Spielen vor der Brust so originell nun auch wieder nicht.
sergeHD 21.04.2011
2. koan titel
Zitat von surselva-29Zitat Karl-Heinz Rummenigge: "Fussball ist keine Mathematik". Und die Prognose, dass der BVB (verdienter) Meister wird, ist angesichts des 8-Punkte-Polsters und nur noch 4 Spielen vor der Brust so originell nun auch wieder nicht.
Mag sein, aber hätten Sie die Wahrscheinlichkeit angeben können? 90%? Oder 99%? Das ist ein gewaltiger Unterschied.
steff261 21.04.2011
3. Hellseher?
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,712380,00.html
rauhen 21.04.2011
4. Rechenmodell
Zitat von steff261http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,712380,00.html
Lustig! Aber das ist ja das Schöne am Fußball: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!
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