Leipzigs Niederlage in München Im Kapitulationsmodus

Von wegen Revanche: Drei Tage nach der bitteren Pokal-Niederlage hat sich RB Leipzig ohne Gegenwehr dem FC Bayern ergeben. Die Münchner feiern den nächsten Erfolg - und distanzieren die Konkurrenz.

Aus München berichtet Florian Kinast


Fünf Minuten vor Abpfiff einer spannungsarmen Partie gab es doch noch einen bemerkenswerten Moment: Naby Keita wollte nach einer Behandlungspause an seinem linken Knöchel gerade wieder aufs Feld, als Ralph Hasenhüttl zu ihm kam, den Kopf schüttelte, abwinkte und seinen Mittelfeldspieler in die Kabine schickte. Längst hatte Leipzigs Trainer das Spiel aufgegeben.

Dass er schon dreimal gewechselt hatte, dass seine Mannschaft nach dem frühen Platzverweis gegen Willi Orban zu neunt zu Ende spielen musste - egal. Hasenhüttl und auch seine Spieler hatten an diesem Abend früh resigniert.

"Wir hätten in der Halbzeit schon heimgehen können", sagte Hasenhüttl später, "mit einem Mann weniger und 0:2 hinten, da haben wir umgestellt auf Verwaltungsmodus." Oder auch: Kapitulationsmodus. Leipzig hatte am Samstagabend schnell die Hoffnung aufgegeben, aus München etwas mitnehmen zu können. Und nicht nur das. Es schien, als hätten sie auch die Hoffnung auf einen spannenden Kampf um die Meisterschaft verloren. Von einem Duell auf Augenhöhe sprach später keiner mehr.

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Bayerns Sieg gegen Leipzig: 13 Minuten Spannung

Wie kämpferisch hatten sie sich noch am Mittwoch gegeben, nach diesem mitreißenden und für Leipzig unglücklichen Pokaldrama. Sie hatten Revanche angekündigt, voller Selbstbewusstsein, weil sie gezeigt hätten, mit den Bayern mithalten zu können. Davon blieb nichts mehr übrig. Der berechtigte Platzverweis gegen Orban nach zwölf Minuten hatte alle Pläne der Gäste zerstört, die anschließenden Tore durch James (19.) und Robert Lewandowski (38.) waren nur die logische Konsequenz.

So emotional aufgebracht Hasenhüttl am Mittwoch nach der brisanten Partie noch war, so ruhig blieb er diesmal. "Es gibt Schlimmeres", sagte er, "bitter wäre gewesen, wenn wir hier gekämpft und trotzdem verloren hätten. Dann wären wir für das Spiel am Mittwoch in der Champions League in Porto kaputt gewesen." Aber so? Kein Grund, sich aufzuregen.

Es war eben ein Spiel wie früher auch immer. Man fährt als Gastmannschaft nach München, hat keine Chance, verliert, und am Ende der Saison wird der FC Bayern Deutscher Meister. Auch wenn noch keiner zum sechsten Titel in Serie gratulieren wollte: Die Bayern sind auf dem besten Weg dorthin. Krise? Bei den Bayern? War da mal was? Es geht oft sehr schnell im Fußball.

Noch nach dem siebten Spieltag lagen sie fünf Punkte hinter Dortmund, schon war die Rede vom Ende der Münchner Dominanz in der Liga. Jetzt, nach dem zehnten Spieltag, liegen sie drei Punkte vor dem BVB, die Bayern haben einen Lauf, während die Konkurrenz schwächelt.

Fünfter Sieg im fünften Spiel unter Heynckes

Völlig unerheblich, ob sie fulminant spielen wie beim 5:0 gegen Freiburg oder einschläfernd, weil unterfordert, wie am Samstag: Sie gewinnen gerade jedes Spiel. Unter Jupp Heynckes war es in der fünften Partie der fünfte Erfolg. "Wichtig war, dass wir defensiv gut stehen und kein Gegentor bekommen", erklärte Heynckes wie nach jedem anderen Spiel auch. "Natürlich hätten wir noch höheres Tempo gehen können, aber das ist primär nicht wichtig. Die drei Punkte sind wichtig, deswegen ist es okay."

Die beiden Spiele gegen Leipzig verdeutlichen auch, warum der FC Bayern eine souveräne Spitzenmannschaft ist und Leipzig noch nicht. Immer wieder bringt sich RB mit Platzverweisen in höchste Not - so wie am Mittwoch im Pokal, beim 3:2 in Dortmund oder beim 2:2 gegen Gladbach. "So etwas darf uns nicht dauernd passieren", schimpfte Marcel Sabitzer, "das müssen wir ganz schnell abstellen".

Müssen sie aus Sicht der Münchner freilich nicht, denn dass die Gegner patzen und sich selbst schwächen, gerade wenn die Bayern wieder eine Erfolgsserie starten, auch das hat schon Tradition in der Liga. Etwas genervt reagierte Jérôme Boateng auf die Frage, ob er nicht gerne mal gegen elf Leipziger zu Ende spielen würde: "Da können doch wir nichts dafür. Was wollen wir denn machen?"

Arjen Robben erklärte später noch, dass die 2:4-Niederlage von Dortmund in Hannover zusätzlich einen Schub gegeben habe. "Das war natürlich eine Extra-Motivation für uns. Wenn du hörst, dass Dortmund verloren hat, dann kannst du die Woche perfekt machen."

Glücklich verließ Robben mit seiner Familie das Stadion, mit Frau Bernadien, den Kindern Luka, Lynn und Kai, und sogar mit Papa Hans, der aus den Niederlanden angereist war. Am Dienstag spielen die Bayern in Glasgow, dann geht es am Samstag nach Dortmund. Gewinnen sie dort, sind sie sechs Punkte vor dem BVB. Es könnte bald wieder langweilig werden in der Liga.

Bayern München - RB Leipzig 2:0 (2:0)
1:0 James (19.)
2:0 Lewandowski (38.)
Bayern: Ulreich - Alaba, Hummels, Boateng, Kimmich (84. Rafinha) - Rudy, Martínez - James, Thiago, Robben (86. Tolisso) - Lewandowski (46. Vidal)
Leipzig: Gulácsi - Halstenberg, Upamecano, Orban, Klostermann - Demme, Keita - Forbserg (62. Laimer), Sabitzer (46. Bruma) - Werner (22. Konaté), Poulsen
Schiedsrichter: Siebert
Gelbe Karten: Thiago / -
Rote Karte: Orban (Leipzig, 13.)
Zuschauer: 75.000

insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 29.10.2017
1. voellig zurecht
manhat schliesslich CL in der woche, lieber die kraefte schonen als einem wunder hinterher zu rennen, welches eh nicht eingetreten waehre. So etwas nennt man weistsicht und verantwortung, und ja gelegentlich auch mal professionel.
Isegrim1949 29.10.2017
2. Schon die Überschrift ist unsporlich...
Warum sollte der RB Leipzig noch sinnlos Kräfte verschleißen ? Mit 10 gegen 11 kann man die Bayern nicht besiegen, also Ergebnis in Grenzen halten, die Partie zum Ende bringen und sich für das nächste Spiel schonen. Das ist für die Zuschauer bedauerlich , aber was anderes tun wenn die Mannschaft entscheidend geschwächt und damit chancenlos ist ? Das ist keine Kaoitulation sonder vorausschauendes Handeln.t
maxgil 29.10.2017
3. was
soll man machen, zwei mal verpfiffen, zwei mal rote Karte, Bayern dürfen treten bis der Arzt kommt, andere nicht. Sicherlich ist der DFB nicht daran interessiert, dass die Bayern so früh aus dem Pokal fliegen und jetzt sind sie auch wieder Tabellenführer, alles wieder gut. Mal gucken, welcher BVBler Samstag rot bekommt!
lancerfoto 29.10.2017
4. Ein ärgerlicher, weil dummer Artikel,
der vollkommen ignoriert, dass binnen vier Tagen zum zweiten Mal in Unterzahl gegen München nahezu über die gesamte Spielzeit agiert werden musste. Und in beiden Spielen mit einer gehörigen Portion Bayerndusel, auch wenn die rote Karte regelkonform erteilt wurde. Wie schon im Live-Ticker festgestellt wurde, zerstörte dies das Spiel total. Wenn man so will eine destruktive Karte. Im Gegensatz zum Autor hat Herr Hasenhüttl vernünftigerweise in die Zukunft geblickt. Der Autor kann aus meiner Sicht mit Herrn Lewandowski auf eine Fair-Play-Stufe gestellt werden: eine verdammt niedrige!
halverhahn 29.10.2017
5. Was ein hirnrissiger Kommentar!!
Bin weder Bayern- noch Leipzig-Fan. Doch jede Mannschaft aus der BuLi braucht einen absoluten Sahnetag, da muss alles passen und die Bayern müssen nen eher durchwachsenen Tag haben, um was zählbares aus München mitzunehmen. So, und vor diesem Hintergrund bekommt Leipzig schon nach 13 Minuten ne rote Karte, muss rund 80 Minuten nur zu Zehnt spielen. Heißt taktisch komplett umstellen, Stürmer raus und bla bla. Und kurze Zeit später fällt dann auch noch das 1:0... Und dann kann Leipzig erstmal nur die Defensive stärken, sprich sich hinten reinstellen und max hoffen, dass evtl ein Konter den Ausgleich bringt. Die bekommen aber dann schnell das zweite Tor und dann war es das. Was sollen die danach machen?! Auf ein Anschlusstor zu gehen, sprich mit einem Mann weniger offensiv zu spielen, mit der riesigen Gefahr, dann ne richtige Klatsche zu bekommen??? Florian, du hast leider keine Ahnung von Fußball!
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