Eklat auf Schalke "Es ist richtig, dass die Polizei nicht mehr im Stadion ist"

Polizisten sollen der Schalke-Arena fernbleiben: Mit dieser Ankündigung hat NRW-Innenminister Jäger für viel Trubel gesorgt. Die Dortmunder Polizei prüft, ob auch das BVB-Stadion betroffen ist. Mainz-Manager Heidel kritisiert die Maßnahme, ein Fan-Anwalt begrüßt sie.

Polizisten in der Kurve: "Endlich friedlicher Sport ohne Aggressoren"
DPA

Polizisten in der Kurve: "Endlich friedlicher Sport ohne Aggressoren"


Hamburg - Die Ankündigung des NRW-Innenministers Ralf Jäger (SPD), in Zukunft keine Polizisten mehr ins Schalker Stadion zu schicken, hat einigen Aufruhr hervorgerufen. Nach Informationen der "Ruhr Nachrichten" prüft nun die Polizei Dortmund, ob die Maßnahme auch für Einsatzkräfte im BVB-Stadion gelte.

"Wir prüfen zurzeit, welche Folgen der Rückzug der Polizei aus der Gelsenkirchener Arena für Dortmund hat", sagte Polizeisprecher Wolfgang Wieland dem Blatt. Offenbar muss noch geklärt werden, ob der Beschluss nur für Gelsenkirchen gilt oder eine Weisung für alle Bundesliga-Standorte in Nordrhein-Westfalen ist.

Jäger hatte am Donnerstagnachmittag mit der Erklärung überrascht, dass sich die Polizei größtenteils aus der Schalker Arena zurückziehen und die Ordnungskräfte des Vereins künftig nur noch in Notfällen unterstützen werde.

"Die Polizei wird sich bis auf weiteres nicht mehr im Stadion aufhalten. Die Sicherheit hat dann der Verein zu gewährleisten. Die Polizei wird aber in einem Bereitschaftsraum außerhalb des Vereinsgeländes zur Verfügung stehen. Und wenn eine Gefahr für Leib und Leben, Gefahr für Dritte vorhanden ist, dann wird sie natürlich einschreiten", sagte der SPD-Politiker dem Radio Emscher Lippe.

"In der Schweiz ist das Normalzustand"

Der Mainzer Manager Christian Heidel kritisierte den Rückzug der Polizei. "Selbstverständlich muss bei einer Großveranstaltung die Polizei vor Ort sein. Das ist ihr Auftrag", sagte Heidel dem TV-Sender Sky Sport News. Die Polizei sei "seit Menschengedenken" in Stadien im Einsatz, dafür würden die Profivereine auch reichlich Steuern zahlen, so Heidel: "Da kann man nicht sagen: 'Wir kommen nicht', nur weil es mal einen Zwist gab."

Rechtsanwalt Marco Noli von der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte begrüßt die Entscheidung Jägers dagegen. "Es ist richtig, dass die Polizei nicht mehr im Stadion ist", sagt Noli SPIEGEL ONLINE und verweist auf die Situation in anderen europäischen Ländern: "In der Schweiz ist es der Normalzustand, dass man keinen Polizisten in den Arenen sieht."

Auch in Deutschland gebe es eigentlich keine Verpflichtung für die Beamten, im Block oder im Stadion zu sein, "sie muss sich bei Großveranstaltungen nur zur Verfügung halten", erklärt der Anwalt. Eingreifen müsse die Polizei grundsätzlich nur, "wenn es eine durch Tatsachen begründete Gefahr gibt", sagt Noli. Und erst bei einer konkreten Gefahrensituation, die das Ordnerpersonal des jeweiligen Fußballclubs nicht lösen kann.

Dass sich die Polizei bis auf weiteres nicht mehr im Stadion aufhalten wird, ist für viele Fans ohnehin keine Horrorvision, sondern eine Möglichkeit. Viele Schalke-Fans im Internet sehen das jedenfalls so: "Jetzt haben wir die Chance zu zeigen, dass wir keine Polizei brauchen", schreibt ein User im Schalke-Forum, ein anderer meint: "Das ist doch bloß Säbelrasseln." Auch in den sozialen Netzwerken diskutieren Hunderte Fußballinteressierte die Jäger-Ankündigung. "Endlich friedlicher Sport ohne Aggressoren", schreibt ein Facebook-Nutzer, ein Twitter-User sieht den Anstoß gegeben zu diskutieren, "wer für Sicherheit im Stadion eigentlich zuständig ist".

Im SPIEGEL-ONLINE-Forum sammelten sich binnen kürzester Zeit über 500 Beiträge. Auch hier gehen die Meinungen auseinander. "Richtig so! Die Vereine haben auch eine gewisse Eigenverantwortung", schreibt ein User. "Verstehe eh nicht, warum das Polizeisache ist", meint ein anderer. Doch auch von einer "Trotzreaktion" ist zu lesen und von "kindlichem Verhalten des Polizeichefs".

goe/bka/sid/dpa

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insgesamt 187 Beiträge
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Seite 1
toledo 12.09.2013
1.
Ich bin erstaunt, dass sich die Polizei, deren Hauptaufgabe ja die Strafverfolgung und Prävention ist, sich zurückziehen darf. Werden jetzt diese hoheitlichen Aufgaben von schludrig und billig schnell ausgebildeten 5 Euro 'Sicherheitskräften' wahrgenommen? Dieser sogenannte Rechtsstaat ist wahrlich auf dem Rückmarsch!
spon-facebook-10000338717 12.09.2013
2. welche Gesetzlichkeiten
hat der Verein Gefahren abzuwenden? Das ist doch von diesen Innenminister lächerlich. Nein es müssen taktische Maßnahmen trainiert werden, sodass es nicht zu solchen Ausschreitungen kommt. Die Polizei kann nicht wie wilde Wölfe auftreten. Provozieren ist nicht das Anliegen und Aufgabe der Polizei. Die Gewährleistung einer hohen Ordnung und Sicherheit ist deren Aufgabe. Dafür werden sie auch bezahlt, nicht aber ein Verein.
tapier 12.09.2013
3. Und wenn jetzt noch..
..die Polizei nicht immer eine halbe Sperrung der Stadt vornimmt, insbesondere der Autobahnauffahrt, und endlich die Fans dazu bekommt die Arena-eigenen Parkflächen zu nutzen, wird alles besser hier in Gelsenkirchen. Dieses unmögliche überallparken wärend der Heimspiele muss aufhören.
rambo-1950 12.09.2013
4. Diesen Artikel muss man
nicht kommentieren - lediglich das/die nächste/n Heimspiel/e abwarten?
divStar 12.09.2013
5. Polizei...
..sollte erst aktiv werden wenn es einen Grund gibt. Allein wenn ich als nicht-Fan am z.B. Samstag durch den Bahnhof gehe (Nürnberg) und sehe, dass ich quasi überhaupt kaum den einen Fuß vor den anderen setzen kann weil die Polizei mit ihren Hunden den Weg versperren, wird mir übel. Großereignis hin oder her - aber warum muss ich mich als jemand, der zwar Fußball schaut aber eben kein Fan ist, von den Leuten da überall einschüchtern / in der Freiheit behindern lassen ohne dass ich etwas gemacht habe? Das ist völlig unnötig. Soll die Polizei doch wie bei einer Schlägerei oder so erst dann hinkommen wenn es notwendig ist. Dann würden die Fans mal überlegen was sie tun und wenn sie trotzdem aufeinander losgehen, dann werden die Leute sich überlegen in ein Stadion zu gehen. Ich schau mir die Spiele sowieso lieber im Fernsehen an.
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