Bayerns Aufholjagd auf den BVB Wie eine Katze, wenn es Futter gibt

Nach einem furiosen 5:1 in Gladbach liegen die Münchner erstmals seit dem 5. Spieltag wieder gleichauf mit dem BVB. Das haben sie auch Robert Lewandowski zu verdanken. Der teilt sich nun einen Rekord mit Claudio Pizarro.

Robert Lewandowski
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Die Szene des Spiels: Wie Bayerns Stürmer Robert Lewandowski sich vor dem 3:1 gegen Borussia Mönchengladbach um seinen Gegenspieler schlängelte - wie eine Katze um die Beine ihres Besitzers, wenn es Futter geben soll. Wie er den Ball dabei an- und mitnahm und dann unter die Latte drosch (47. Minute). Alles in einer einzigen, eleganten Bewegung. Das war große Fußballkunst. Und es war das Tor, dass Gladbach an diesem Abend endgültig den Stecker zog.

Das Ergebnis: 5:1 (Hier geht es zum Spielbericht).

Das eigentliche Ergebnis: Aber der eigentliche Ertrag der Partie gegen Gladbach am Samstagabend lautete: Gleichstand. Gleichstand mit Tabellenführer Borussia Dortmund. Neun Zähler hatte der BVB zeitweise Vorsprung auf die Münchner. Jetzt haben beide Klubs 54 Punkte. Erstmals seit dem 5. Spieltag sind die Bayern wieder gleichauf mit Dortmund, das nur dank der um zwei Treffer besseren Tordifferenz noch an der Tabellenspitze steht. An den vergangenen vier Spieltagen haben die Bayern sieben Punkte auf Dortmund gutgemacht. Es ist wie mit der Katze und dem Futter: Wenn die Gelegenheit günstig ist, wie nach der überraschenden Niederlage des BVB in Augsburg (1:2), schnappen die Bayern zu.

Die erste Hälfte: Nach 27 Sekunden hätte es bereits 1:0 stehen können. Lewandowski tauchte vor Gladbachs Keeper Yann Sommer auf. Glanzparade von Sommer, Eckball. Und dann stand es doch 1:0. Nach exakt 66 Sekunden. Martínez köpfte ein und zeigte sich damit mal wieder besonders höflich. Der Spanier ist derzeit der Türaufhalter der Münchner.

Nach dem rasanten Start legten die Bayern gleich nach: Müller traf zum 2:0 nach Vorlage von Gnabry (11.). Stindl aber erzielte das 1:2 (37.) nach feinem Pass von Thorgan Hazard.

Der Aufreger: Der Treffer von Martínez wurde nach dem Spiel heiß diskutiert. Der Spanier hatte seinen Gladbacher Gegenspieler mit dem Ellenbogen weggeschoben. "Das hätte man in beide Richtungen entscheiden können. Aber nach Ansicht der Fernsehbilder bleibe ich bei meiner Einschätzung", sagte Schiedsrichter Felix Zwayer. So konnte man es auch sehen.

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Bayerns 5:1 gegen Gladbach: Arbeit an der Tordifferenz

Die zweite Hälfte: Wer glaubte, das Spiel würde sich noch ausgeglichen gestalten, dem stieß Katze Lewandowski die Tür gleich wieder zu - und zwar in Form eines Treffers kurz nach dem Wiederanpfiff. Erneut waren es nur etwas mehr als 60 Sekunden bis zum 3:1 (47.). Sommer, der zuvor mehrfach stark gegen Lewandowski pariert hatte, verhinderte dann zunächst auch das 4:1 durch den Angreifer, aber den Nachschuss verwandelte Gnabry (75.). Kurz vor Abpfiff sank noch Joshua Kimmich im Strafraum zu Boden. Es gab Elfmeter. Lewandowski verwandelte ihn (90.+1).

Rekordhalter: Lewandowski hat nun exakt 195 Tore in der Bundesliga erzielt. Damit ist er in der Liste der treffsichersten ausländischen Torjäger in der Bundesliga mit Claudio Pizarro gleichgezogen. Lewandowski benötigte dafür aber nur 280 Spiele, Pizarro 464.

Die Revanche: Das Hinspiel hatten die Bayern noch 0:3 verloren. Dass diese Pleite die Münchner anstachelte, verriet dann auch Kapitän Manuel Neuer: "Da war noch etwas offen. Wer verliert schon gern 0:3 zu Hause", sagte der Torwart. Es war Münchens erster Sieg in Mönchengladbach seit März 2017. Damals gab es ein 1:0 - Torschütze: Müller.

Der Comebacker: Überhaupt Müller. Der Nationalspieler hatte sein letztes Tor am 24. November 2018 erzielt (beim 3:3 gegen Düsseldorf). Nun durfte er endlich mal wieder von Beginn an spielen und zeigte eine starke Leistung - auf dem Platz und danach am Mikrofon. "Der Spieltag war natürlich gut für uns. Das Momentum ist auf unserer Seite", sagte der 29-Jährige zum Titelkampf mit dem BVB. Und: "Jetzt fängt alles wieder bei Null an. Wir haben schon länger Lunte gerochen." Am 6. April kommt es in München zum direkten Duell gegen Dortmund.

Borussia Mönchengladbach - Bayern München 1:5 (1:2)
0:1 Martínez (2.)
0:2 Müller (11.)
1:2 Stindl (37.)
1:3 Lewandowski (47.)
1:4 Gnabry (75.)
1:5 Lewandowski (90.+1, Foulelfmeter)
Mönchengladbach: Sommer - Lang, Ginter, Elvedi, Wendt - Kramer - Neuhaus (65. Zakaria), Hofmann - Hazard, Stindl, Plea. Trainer: Hecking
München: Neuer - Kimmich, Süle, Jérôme Boateng, Rafinha - Martínez - Thiago, James - Müller, Lewandowski, Gnabry. Trainer: Kovac
Gelbe Karten: Hofmann, Kramer - Boateng, Thiago
Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)
Zuschauer: 54.022 (ausverkauft)



insgesamt 81 Beiträge
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Seite 1
25alex67 03.03.2019
1. Lewandowski
Ehrlich gesagt finde ich das, was Lewandowski macht, ein bisschen speziell. Die eher einfachen kriegt er in jüngerer Vergangenheit nicht rein, heute auch wieder nicht, dafür macht er die schwierigen. (und nein, ich spreche nicht über Elfmeter...) Wie er es geschafft hat, den Kopfball freistehend vor Sommer NICHT im Tor unterzubringen, als Torjäger, ist mir ein Rätsel. Und ja, er hat toll nachgesetzt, und Gnabry hat ihn dann ja reingesemmelt, aber ich finde, die Aufregung hötte man sich sparen können. Nun ja. Möge er künftig auch die einfachen reinmachen, und die schwierigen, dann klappt es vielleicht auch gegen Liverpool. Ganz vielleicht.
photoshop.info 03.03.2019
2. Wenn
die Münchner jetzt noch das Schlüsselspiel Ende März gegen den BVB für sich entscheiden, dann ist für mich die Meisterschaft entschieden. Das wird noch richtig spannend. Glaube aber jedenfalls nicht, dass sich der FCB zwischenzeitlich noch so eine Pleite wie das Remis gegen Düsseldorf leisten wird und sie das Heimspiel am 12.4. gegen diese Überraschungsmannschaft gewinnen werden. Jetzt müssen die beiden Erstplatzierten der Liga - und nur diese entscheiden wohin die Schale geht - den Takt erhöhen und die Konzentration halten.
hoppelkaktus 03.03.2019
3. Auf geht's, verdammt noch mal!
Wenn's bei Borussia Dortmund zwei, drei Männer in den Reihen hat, werden sie möglicherweise noch Deutscher Meister. Andernfalls ist der BVB halt bloß der zuckersüßeste rosa Laden, den diese Liga zu bieten hat. - Ach, verdammt: ist nicht politisch korrekt....
saiber 03.03.2019
4. Spannung?
Man willte Spannung, man hat jetzt Spannung. Und wenn der BVB nochmal Punkte larsst und Bayern davon zieht, beschwert man sich wieder dass es nicht mehr Spannend ist.
scooby11568 03.03.2019
5. Sehr überzeugend...
Und jetzt auf einen spannenden Titelkampf...
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