Bundesliga-Rückrunde: Nur Mut, ihr Bayern-Jäger!

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Bayern, Dortmund, Leverkusen: Das Titelrennen in der Bundesliga Fotos
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Eigentlich müsste die Rückrunde der Fußball-Bundesliga gar nicht mehr gespielt werden. Die Meisterschaft scheint längst zugunsten des FC Bayern München entschieden. Oder doch nicht? Hier sind ein paar gute Gründe, warum der Titelkampf noch Spannung verspricht.

Jürgen Klopp besitzt nicht nur die nachgewiesene Fähigkeit zur Motivation, er verfügt offenbar auch über die Gabe der Prophetie. Noch sind satte 51 Punkte in dieser Bundesliga-Saison zu vergeben, doch der Trainer des Titelverteidigers Borussia Dortmund weiß jetzt schon: "Den Bayern ist die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen." So hat es Klopp vor dem Rückrundenstart am Samstag bei Werder Bremen (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) festgestellt.

Warum eigentlich so verzagt, Herr Meistertrainer? Es gibt genug Argumente, warum der Titelkampf trotz des großen Vorsprungs der Münchner auf die Konkurrenten doch noch zu einer spannenden Angelegenheit werden kann.

Derzeit thronen die Bayern tatsächlich unangefochten an der Tabellenspitze. Neun Punkte liegt Bayer Leverkusen als Zweiter zurück, drei weitere Zähler dahinter folgen Dortmund und Eintracht Frankfurt. Da ist selbst das von Bayern-Präsident Uli Hoeneß einst zitierte Fernglas ein unzureichendes Instrument, um als Verfolger die Tabellenspitze im Blick zu behalten. Dazu kommt der Guardiola-Effekt - in Bayern herrscht seit der Verpflichtung des spanischen Startrainers ohnehin ungebremste Hochstimmung. Aber: Die schweren Aufgaben für das Team von Trainer Jupp Heynckes kommen in der Liga erst noch.

Jetzt kommen die dicken Brocken auswärts

Die Bayern haben die Hinrunde souverän hinter sich gebracht. Es war allerdings eine eher gemütliche Halbserie, mit Auswärtsaufgaben wie beim zwar wackeren, aber dann doch arg limitierten Aufsteiger in Fürth gleich zu Saisonstart, in Augsburg, Düsseldorf, Bremen oder Nürnberg. Diese fünf Teams gehören zu den aktuell letzten Sieben der Tabelle. Dagegen traten die Bayern bei den derzeit neben ihnen acht besten Mannschaften nur zweimal auswärts an: auf Schalke und in Freiburg.

In der Vorsaison verloren die Bayern insgesamt fünf Auswärtspartien: bei Hannover 96 (1:2), bei Mainz 05 (2:3), in Mönchengladbach (1:3), in Dortmund (0:1) und in Leverkusen (0:2). Bei all diesen Clubs müssen die Bayern in der Rückrunde noch antreten. Dazu kommt das Auswärtsspiel beim derzeit noch 15. der Tabelle. VfL Wolfsburg, bei dem sich mit Trainer- und Managerwechsel deutlich höhere Ambitionen verknüpfen. Dazu die Partien beim Überraschungsteam aus Frankfurt und beim wiedererstarkten VfB Stuttgart - schwerer geht es nicht. Übrig bleibt ein einziges Auswärtsspiel, das als übersichtlich einzuordnen ist: das Gastspiel bei 1899 Hoffenheim, dem Club des Beckenbauer-Freundes Dietmar Hopp.

Auch in der Vorsaison galt der FC Bayern zur Halbzeit als einzig ernsthafter Titelanwärter, auch wenn die Münchner im vergangenen Winter mit nur drei Punkten Vorsprung auf Dortmund und Schalke 04 in die Rückrunde starteten. Dazu kam die damals vermeintlich "beste Vorbereitung aller Zeiten", wie Trainer Jupp Heynckes das Trainingslager in Katar bezeichnet hatte. Das Ende ist bekannt.

Den Bayern droht die dauerhafte Dreifachbelastung

Wenn beide Kontrahenten, der FC Bayern und Borussia Dortmund, exakt dieselbe Rückrunde spielen würden wie im Vorjahr, würde die Münchner immerhin noch ein mickriges Pünktchen Vorsprung über die Runden retten. Für Spannung wäre dann immerhin bis zum Schluss gesorgt.

Geschichte wiederholt sich selten eins zu eins, und der FC Bayern hat gegenüber dem Vorjahr einen noch einmal deutlich verbesserten Kader zur Verfügung. Dennoch: Die Dreifachbelastung aus Champions League, Pokal und Meisterschaft wird auch in dieser Rückrunde Spuren zeigen. Derzeit gilt dieser Satz auch noch für den BVB. Mit dem direkten DFB-Pokalduell Ende Februar wird sich dies jedoch für einen der beiden in jedem Fall erledigen, wobei der Heimvorteil für die Bayern spricht. Aber auch in der Champions League hat Dortmund die weitaus schwere Aufgabe im Achtelfinale zu erfüllen als die Münchner. Im Unterschied zu Bayern-Gegner Arsenal hat BVB-Kontrahent Schachtjor Donezk eine überragende Form in der Gruppenphase bewiesen.

Es ist somit alles andere als unrealistisch, dass Schwarz-Gelb sich ab Anfang März allein auf die Meisterschaft konzentrieren muss und kann und die Bayern im Frühjahr die erheblich größere Last zu schultern haben. Wobei auch der beste Trainer nicht verhindern kann, dass sich der Fokus der Spieler mehr und mehr zur Champions League verschiebt, je weiter das Team im Wettbewerb vorrückt.

Klopp weiß dies alles natürlich ganz genau. Und deshalb ist der Satz von der längst abgeschriebenen Meisterschaft ungefähr so ernst zu nehmen wie die unvermittelte Einsicht eines geständigen Dopingsünders Lance Armstrong.

Und von Bayer Leverkusen haben wir dabei noch gar nicht gesprochen.

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Meister werden ist nicht schwer...
xaka 18.01.2013
Zitat von sysopEigentlich müsste die Rückrunde der Fußball-Bundesliga gar nicht mehr gespielt werden. Die Meisterschaft scheint längst zu Gunsten des FC Bayern München entschieden. Oder doch nicht? Hier sind ein paar gute Gründe, warum der Titelkampf noch Spannung verspricht. Bundesliga-Rückrunde: Bayern gegen Dortmund und Leverkusen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-rueckrunde-bayern-gegen-dortmund-und-leverkusen-a-877856.html)
.... auch der BvB wird nicht alle Jahre Meister, wäre hätte das gedacht? Jedoch der Fußball, den Klopp mit seiner Mannschaft kreiert, ist doch eine Bereicherung für die ganze Liga und ein Augenschmaus für den Fußballfan...
2. Hauptsache was geschrieben!
casparman 18.01.2013
Zitat von sysopEigentlich müsste die Rückrunde der Fußball-Bundesliga gar nicht mehr gespielt werden. Die Meisterschaft scheint längst zu Gunsten des FC Bayern München entschieden. Oder doch nicht? Hier sind ein paar gute Gründe, warum der Titelkampf noch Spannung verspricht. Bundesliga-Rückrunde: Bayern gegen Dortmund und Leverkusen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-rueckrunde-bayern-gegen-dortmund-und-leverkusen-a-877856.html)
... was ein unnützer und inhaltloser Artikel! Selbst wenn die Bayern 5 Spiele verlieren, dann dürfte Leverkusen nur eines und Dortmund keines verlieren, mal grob ohne Unentschieden gerechnet. Diese Wahrscheinlichkeit ist doch eher gleich 0%!
3. Nicht die beste...
Spiegelvorschlag 18.01.2013
...sondern die konstanteste Mannschaft gewinnt die Meisterschaft. Bayern München rumpellt sich zur Meisterschaft. Glanz geht anders aber das ist egal. BVB und Bayer sollen sich auf die Weiterentwicklung konzentrieren und weiterhin Spass machen.
4. Kardinalfehler
bd12 18.01.2013
Der Kardinalfehler solcher ansonsten ungewohnt differenzierter Argumentation ist, dass er einseitig auf die Schwächen und Rückschläge der Roten spekuliert und die Stärken und strukturelle Vorteile ihrer Widersacher überzeichnet. Wer kann denn mit Gewißheit sagen, dass Dortmund (von einer anderen Mannschaft nicht zu reden) eine ähnliche Rückserie gelingen kann wie 2011/2012? Noch ist nicht abzusehen, wie die Rückkehr Sahins zum BVB das fein austarierte Binnengefüge von Klopps Mannschaft in Schieflage bringt. Vielleicht sollten wir über solche Dinge auch einmal sprechen.
5.
brazzo 18.01.2013
Zitat von Spiegelvorschlag...sondern die konstanteste Mannschaft gewinnt die Meisterschaft. Bayern München rumpellt sich zur Meisterschaft. Glanz geht anders aber das ist egal. BVB und Bayer sollen sich auf die Weiterentwicklung konzentrieren und weiterhin Spass machen.
Bayer und Spaß? Bayer Leverkusen? Spaß? Der war echt gut.
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2002/03 Bayern München
Entscheidung nach dem 31. Spieltag
1987/88 Werder Bremen
1998/99 Bayern München
2004/05 Bayern München
Entscheidung nach dem 32. Spieltag
1963/64 1. FC Köln*
1968/69 Bayern München
1986/87 Bayern München
1988/89 Bayern München
1989/90 Bayern München
2003/04 Werder Bremen
2010/11 Borussia Dortmund
2011/12 Borussia Dortmund

*Bundesliga mit 16 Vereinen - Entscheidung am 28. Spieltag

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