Freiburg vor Abstiegsduell in Mainz Keine Tore, kein Klassenerhalt

Risikotransfers vermeiden - mit dieser Strategie hatte der SC Freiburg fast immer Erfolg. Doch in diesem Jahr könnte sie zum Verhängnis werden. Vor dem wichtigen Spiel gegen Mainz steckt der Klub in der Torkrise.

Janik Haberer
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Janik Haberer


Am Samstag um 15.30 Uhr waren viele Fans des SC Freiburg mit sich und der Welt im Reinen. Da traten sie am Mainzer Bruchweg zu einem Freundschaftsspiel gegen die gleichgesinnten Anhänger von Mainz 05 an, um gegen die Zersplitterung der Spieltage in der Fußballbundesliga zu demonstrieren. Ausgerechnet für das vorentscheidende Spiel um den Relegationsplatz hat die DFL ihnen ein Montagsspiel (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) beschert.

Die Fans des SC blicken mit noch mehr Skepsis auf das Spiel als die Mainzer Anhänger. Nur einen Zähler holte Freiburg aus den vergangenen fünf Partien, seit Anfang Februar schoss das Team nur vier Tore, kassierte aber 13. Hält der Trend an, sieht es übel aus.

Gewinnt Mainz, tauschen dank der schlechten Freiburger Tordifferenz (-22 Tore) beide Vereine die Plätze - und der Sportclub hätte es nicht mehr in der eigenen Hand, die Relegation zu vermeiden. Der Idealfall für die Breisgauer sieht aber so aus: Gewinnt der SC, wäre er sechs Punkte vor den Mainzern und so gut wie gerettet.

Dabei sah es lange so aus, als werde Freiburg mit dem Abstieg nichts zu tun bekommen. Im Winter gewann der Verein die Spiele gegen Mönchengladbach und Leipzig, in Dortmund holte er einen Punkt. Zudem bestätigte Trainer Christian Streich seinen Ruf, Zugänge wie Robin Koch auf ein stärkeres Niveau heben zu können. Was also lief zwischenzeitlich schief?

Rückrundentabelle 2017/2018

Platz / Team Spiele Punkte S U N Tore Diff
14. Borussia Mönchengladbach 13 12 3 3 7 12:20 -8
15. VfL Wolfsburg 13 11 2 5 6 9:16 -7
16. Sport-Club Freiburg 12 11 2 5 5 9:17 -8
17. 1. FSV Mainz 05 12 10 2 4 6 11:19 -8
18. Hamburger SV 13 7 1 4 8 8:23 -15

Quelle: bundesliga.com; 30. Spieltag

Zum Teil erklärt Verletzungspech die derzeitige Lage: Mit dem elffachen Torschützen der vergangenen Saison, Florian Niederlechner, und Stabilisator Mike Frantz fallen zwei Leistungsträger schon fast die ganze Saison aus. Und ausgerechnet in der jetzigen Phase, in der Freiburg nichts mehr bräuchte als Kreativität im Offensivbereich, fehlt auch noch Angreifer Yoric Ravet verletzt mit einem Muskelfaserriss.

Prinzipientreue als Problem

Zudem bekam der Klub sowohl im Sommer als auch im Winter viele Spieler nicht, die man gerne verpflichtet hätte. Das hängt auch mit den finanziellen Möglichkeiten zusammen: Im Winter gelang es nicht, Luca Waldschmidt vom HSV loszueisen, Admir Mehmedi (Leverkusen) und Renato Steffen (Basel) entschieden sich für Wolfsburg. Seit dem Darmstädter Abstieg hat der Sportclub eigenen Angaben zufolge wieder den geringsten Etat der Liga.

Zudem gilt der SC als prinzipienfest: Spieler, die sofort weiterhelfen könnten, werden nicht geholt, wenn die Offiziellen befürchten, dass der Neue Stunk machen könnte, sobald er zwei Spiele in Folge nur eingewechselt wird. Andere Transfers verhindert die Überzeugung, dass das Mannschaftsgefüge außer Takt gerate, wenn Neue mehr verdienten als langgediente Leistungsträger.

Christian Streich
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Mit der Strategie, jedes unkalkulierbare Risiko zu vermeiden, ist der SC seit dem ersten Aufstieg in die Bundesliga im Jahr 1993 gut gefahren. In dieser Saison könnte sie ihm zum Verhängnis werden. Denn es bräuchte wohl nur ein, zwei torgefährliche Spieler mehr im Kader - und das Team wäre ziemlich sicher schon jetzt im gesicherten Mittelfeld. Auch fehlt die Klasse auf der Bank. Fleißig sind zwar die Spieler, die eingewechselt werden - aber auch ihnen fehlt der Zug zum Tor.

Seit Wochen und Monaten trifft Nils Petersen - sonst aber niemand. Weder Angreifer Marco Terrazzino, Lucas Höhler, noch Tim Kleindienst haben in zusammen 48 Einsätzen auch nur ein einziges Tor erzielt.

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SC Freiburg im Abstiegskampf: In der Torkrise

Doch nicht nur den Personalentscheidungen haftet zuweilen etwas Ängstliches, Defensives an. Beim Heimspiel gegen Wolfsburg (0:2) ging der VfL früh in Führung, brachte danach aber offensiv nichts mehr zustande. Erst in der 75. Minute kam mit Kleindienst der erste Freiburger Angreifer von der Bank. Und der wurde für einen anderen Offensivspieler gebracht.

Sollte der Klub die Liga halten, hätte er wieder mal viel richtig gemacht. Dieser Kader ist einer der schwächsten der Freiburger Bundesligahistorie. Mit ihm in der Bundesliga zu bleiben, wäre ein noch größerer Erfolg als das Endresultat in der vergangenen Spielzeit. Damals landete man auf Platz sieben.

Sollte der Sportclub absteigen, müsste er sich allerdings fragen lassen, ob das mit etwas mehr Mut zum Risiko abzuwenden gewesen wäre.



insgesamt 3 Beiträge
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desmoulins 16.04.2018
1. Gute Analyse
Es ist tatsächlich eine Gratwanderung zwischen realistischem Haushalten und fehlendem Mut -- hoffen wir mal, dass es den Freiburgern gelingt, hier zumindest mittelfristig die Balance zu halten.
Wupperflipper 16.04.2018
2. Nicht so schnell!
Also Absteigen ist noch in weiter Ferne. Der SC hat noch zwei Heimspiele und ein Auswärtsspiel beim HSV. Da reden wir höchstens von Platz 16. Und gegen den Dritten der 2. Bundesliga würde sich Freiburg auf jeden Fall durchsetzen. Also absteigen wird Freiburg in der Saison 17/18 nicht. Was die restliche Analyse betrifft, da stimme ich Ihnen zu.
LuPy2 16.04.2018
3. So what?
Der SC ist einer der wenigen Sympathie-Träger der Liga. Kaum ein Fußballanhänger, der ihnen Böses wünscht. Also warum nicht absteigen und ein Jahr später wieder zurück sein? Es hilft doch dem SC nichts, wenn sie Top-Spieler in den Reihen haben, die ihm dann bei erster Gelegenheit wieder vom Platz gekauft werden. Nach sieben fetten Jahren kommen sieben magere Jahre, siehe BVB.
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