Klatsche in Dortmund: Freiburg probiert's mit Gelassenheit
Nur drei Punkte nach sieben Spielen, eine 0:5-Klatsche in Dortmund: Für den SC Freiburg sieht es düster aus. Doch was bei anderen Clubs Alarm auslösen würde, lässt Präsident Keller kalt: "Auch in der zweiten Liga trifft man tolle Menschen."
Fritz Keller lächelte. Während die Freiburger Spieler mit hängenden Köpfen durch die Katakomben des Dortmunder Stadions schlichen, wollte der SC-Präsident etwas anderes demonstrieren: Zuversicht. "Kopf hoch, Jungs", "es geht weiter" und "abhaken" gab er der Mannschaft mit auf den Weg, klopfte jedem Spieler auf die Schulter.
0:5 hatte der SC Freiburg bei Borussia Dortmund verloren und war dem Tabellenführer dabei in allen Belangen unterlegen gewesen. 2:27 Torschüsse, 0:10 Ecken, 42:58 Prozent Ballbesitz. Es gab wenig zu lachen für den Vorletzten der Bundesliga.
Doch Keller wollte sich nicht lange damit aufhalten: "Jetzt heißt es: Cool bleiben", sagte der Präsident. Natürlich sei das Auftaktprogramm mit Leverkusen, Bayern und Dortmund schwer gewesen, natürlich gab es bittere Punktverluste wie in Augsburg, aber darum gehe es nicht: "Wir jammern nicht. Wichtiger ist, dass das Trainerteam super arbeitet, und auch die Mannschaft steht zusammen wie eine Eins. Wir lassen uns durch niemanden spalten."
"Ein starkes Stück Bundesliga"
Ein Absturz, wie ihn der SC Freiburg erlebt hat, hätte in anderen Vereinen schon längst Konsequenzen nach sich gezogen. Erst drei Punkte hat der Club insgesamt nach sieben Spielen. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison holte der SC im Schnitt 1,5 Punkte pro Spiel. Dazu war auch der Auftakt in den Europapokal enttäuschend (2:2 gegen Slovan Liberec).
Das liegt natürlich vor allem am Umbruch innerhalb des Teams. Wie soll ein Verein, der mit einem Spieler-Etat von etwas mehr als 16 Millionen Euro in die Saison geht, die Abgänge von Leistungsträgern wie Daniel Caligiuri, Cédric Makiadi, Johannes Flum, Max Kruse und Jan Rosenthal in nur einem Sommer auffangen? Dazu kommen die aktuellen Verletzungsprobleme.
Die Freiburger kennen das ja: Wenn sich ein Spieler außerordentlich gut entwickelt, ist er früher oder später weg. Dann geht es für den SC daran, die Lücken zu schließen. Selbst, wenn er dafür mal wieder in die zweite Liga gehen muss: langfristig funktioniert das Konzept. Es wird im Breisgau niemals Millionenstars geben, aber die Freiburger sind "ein starkes Stück Bundesliga", wie es BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Stadionheft schrieb.
"Wenn wir uns jetzt anscheißen, würde es rapide bergab gehen"
Man werde mit Streich notfalls in die zweite Liga gehen, hatte Präsident Keller unter der Woche in der "Sportbild" angekündigt. Es sagt viel aus über einen Verein, wenn er vier Monate nach einer umjubelten Überraschungssaison unaufgeregt über die Möglichkeit des Abstiegs redet. "Das wäre auch der falsche Weg. Wenn wir uns jetzt anscheißen, würde es rapide bergab gehen", sagte Torhüter Oliver Baumann nach der Pleite beim BVB.
Das heißt allerdings nicht, dass Streich die jüngsten Misserfolge gleichgültig hinnimmt. Im Gegenteil: Sie machen ihn rasend. Alle würden sich "jeden Tag total anstrengen, schuften, tun, machen". Wenn es dann nicht klappt, leidet er - unter jedem Punktverlust, unter jeder verpassten Chance. Im Gegenzug freut er sich nach Erfolgen wie ein Kind. Das 1:1 gegen die Bayern war so ein Spiel. Oder der Sieg im Pokal gegen Stuttgart. Streich rannte nach Abpfiff auf den Platz, feierte mit den Fans, küsste jeden seiner Spieler.
Weil er auf Nachhaltigkeit bedacht ist, bereiten ihm Nachrichten wie die Vertragsverlängerung von Torhüter Baumann die größte Freude. Streich sprach von einem "außergewöhnlichen Signal", dass einer eben auch mal bleibe, obwohl er woanders mehr Geld verdienen könne.
Klopp: "Die sind viel besser als ihr Tabellenstand"
Auch in Dortmund war Streichs Energie wieder zu beobachten. Der 48-Jährige war ständig in Bewegung, selbst als das Spiel nach dem 2:0 und der Roten Karte für Fallou Diagne längst entschieden war, litt er bei jedem Fehlpass. Fast 90 Minuten lang ging er an der Seitenlinie auf und ab, gestikulierte, suchte immer wieder den Blickkontakt mit den Spielern, erklärte, was sie falsch machen.
Das war in der ersten halben Stunde gar nicht mal viel. Dortmund blieb regelmäßig an der Hintermannschaft der Gäste hängen. Und selbst beim Stand von 0:5 brach der SC nicht auseinander. So gut wie kein Ball wurde blind weggeschlagen, Freiburg suchte immer die spielerische Lösung.
"Die sind viel besser als ihr Tabellenstand", hatte BVB-Trainer Jürgen Klopp schon vorher gesagt. Nach dem Spiel wünschte er dem SC "nur das Allerbeste". Auch er weiß: So spielt normalerweise keine Mannschaft, die unten drin steht.
Streich hatte eine "taktisch ordentliche erste halbe Stunde" gesehen, "aber mit zehn Mann war es schlimm, gegen Dortmund zu spielen". Nun gehe es darum, "das alles gemeinsam zu verarbeiten". Am besten schnell. Donnerstag geht es nach Sevilla, drei Tage später kommt Frankfurt in der Liga. Da geht es bereits um viel.
Präsident Keller sieht die Lage entspannt. Es sei großartig, in der Bundesliga zu spielen. "Aber in der zweiten Liga wird auch Fußball gespielt. Da trifft man auch tolle Menschen."
Borussia Dortmund - SC Freiburg 5:0 (2:0)
1:0 Reus (35.)
2:0 Reus (45.+2, Foulelfmeter)
3:0 Lewandowski (58.)
4:0 Lewandowski (70.)
5:0 Blaszczykowski (79.)
Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Subotic, Hummels, Durm - Sven Bender (46. Kirch), Sahin - Aubameyang, Mchitarjan (62. Hofmann), Reus (62. Blaszczykowski) - Lewandowski
Freiburg: Baumann - Sorg, Ginter, Diagne, Günter - Fernandes, Schuster (66. Höfler) - Schmid, Coquelin (46. Höhn) - Freis (74. Guede), Mehmedi
Schiedsrichter: Schmidt
Zuschauer: 80.000 (ausverkauft)
Rote Karte: Diagne nach einer Notbremse (45.+1)
Gelbe Karte: Sorg (2)
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