Schalke gegen Frankfurt FC Schadensbegrenzung 04

Das Duell Frankfurt gegen Schalke war mehr Zumutung als Fußballspiel. Trotzdem versuchte S04-Trainer Breitenreiter, die Partie schönzureden. Sind die Ansprüche in Gelsenkirchen so tief gesunken?

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  Schalkes Geis (am Boden): Schwacher Auftritt von S04 in Frankfurt
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Schalkes Geis (am Boden): Schwacher Auftritt von S04 in Frankfurt


Am Ende eines deprimierenden Abends hatte wenigstens einer der 43.500 Augenzeugen seinen Humor nicht verloren. Der Frankfurter Stadionsprecher bedankte sich für den Besuch und sprach von einem "0:0 der besseren Art". Das war nun allerdings eine echte Beleidigung für fast alle 0:0, die es in der 53-jährigen Geschichte der Bundesliga schon gegeben hat.

In Wahrheit fehlte der Partie zwischen Frankfurt und Schalke nämlich alles, was ein Fußballspiel zu einem angenehmen Zeitvertreib machen kann. Zum Beispiel Tempo, Technik oder der Glücksmoment, wenn ein Spieler einen Flachpass aus zehn Metern an den Mann bringt.

Von Torchancen ganz zu schweigen. Von denen gab es genau drei - eine auf Schalker und zwei auf Frankfurter Seite. Der Rest war schlimm. Oder wie es der Schalker Trainer André Breitenreiter sagte, der sonst wirklich nicht im Ruf steht, Negatives beim Namen zu nennen: "Das war kein attraktives Spiel für die Zuschauer."

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Bundesliga: Nullnummer in Frankfurt
Das war es ganz und gar nicht, doch dafür bot es ein paar spannende Erkenntnisse.

Erstens: Wenn ein Schalker einen Pass spielt, den ein Frankfurter abfängt, um seinerseits einen Fehlpass zu spielen, dann haben nach sechs Fehlpässen in Folge je drei Frankfurter und drei Schalker den Ball gehabt. Was in etwa aufs Gleiche rauskommt wie eine Ballstafette über drei Stationen. Für die Zuschauer hat das allerdings den Nachteil, dass sich der Raumgewinn in Zentimetern bemisst und zwei Minuten an Lebenszeit verronnen sind, wenn der Ball endlich im Aus landet.

Zweitens: Auch ein Spiel zweier Mannschaften, die sofort Freudentänzchen aufgeführt hätten, wenn man ihnen vor dem Anpfiff ein 0:0 angeboten hätte, kann ein schlechteres und ein besseres Team haben. Das weniger schlechte war Frankfurt, zumindest wenn man die Maßstäbe von Breitenreiter anlegt, der viel von "Kompaktheit" und "Stabilität" redete und davon, dass man "als Mannschaft funktioniert" habe.

Wenn ein Trainer mit dem vierthöchsten Etat der Liga nach einem 0:0 beim Tabellen-15. so spricht, kann es von Vorneherein nur um Schadenbegrenzung gegangen sein. Worauf auch die Schalker Startaufstellung hindeutet, in der mit Klaas-Jan Huntelaar und Younes Belhanda genau zwei Offensive standen.

Was der Schalker Kollege da von sich gab, hätte Armin Veh eigentlich freuen müssen. Angesichts von so viel "Stabilität" in einem einfach nur schwachen Bundesligaspiel hätte er seine Eintracht als Paradebeispiel einer kompakten Einheit preisen können - es war bereits das sechste 0:0 in dieser Saison. Und das bei einer Mannschaft, die von einem Mann gecoacht wird, der doch angeblich keinen Defensivplan hat.

Veh hätte andeuten können, dass er sein Handwerk eben doch gar nicht mal so schlecht versteht. Er tat das nicht, dazu ist er dann doch zu sehr Fußballlehrer und zu wenig Marketingfachmann: "Dann müssten wir noch mehr Stabilität als Schalke haben", sagte er stattdessen. "Wir haben ja noch weniger Torchancen zugelassen als sie."

Jeder Tatort ist unterhaltsamer

Genau genommen stimmte das: Schalkes Keeper Fährmann musste, wenn man Chancen und Halbchancen addiert, tatsächlich einmal öfter eingreifen als sein Gegenüber Lukas Hradecky. Also dreimal statt zweimal.

Was an einem solchen Abend bleibt, ist ein Punkt. Im Duell zweier Mannschaften, die jeweils seit fünf Spielen nicht mehr gewonnen haben, nützt der dem 15. mehr als Schalke. Was ebenfalls bleibt, ist die Erkenntnis, dass beide Trainer gerne mal ihre Fans kritisieren, wenn die ihrem Job nicht nachkommen, ihre Mannschaft auch dann nicht auszupfeifen, wenn das Spiel schon lange rum ist.

Dass 4000 Schalker und 39.000 Eintracht-Sympathisanten am Sonntag ihre Teams mit höflichem Applaus entließen, hätten dann eigentlich beide Trainer mal positiv herausstreichen können. Zumal es sich mit der Faust in der Tasche eben nicht so gut klatschen lässt. Auf dem Weg zu den Autos war dann jedenfalls nur noch Sarkasmus und Wut zu hören.

Was aber vor allem bleibt von diesem Abend, ist die Erkenntnis, dass selbst das vielgeschmähte Fernsehprogramm spannend wirken kann, wenn der Spielplan parallel Schalke und Frankfurt in ihrer derzeitigen Verfassung aufeinander loslässt, und das Spiel unbedingt am Sonntag um halb acht Uhr abends angesetzt werden muss. Da ist nun wahrlich jeder "Tatort" unterhaltsamer.

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insgesamt 18 Beiträge
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marten-j-bruns 29.02.2016
1. Nun mal ehrlich...
den Fußballclub Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V gibt es, mit einigen Umstrukturierungen und Namensänderungen seit 1904 und nun dürfen die Fußball Interessierten gerne darüber kommentieren, in welcher Zeit seit Bestehen es keine Schadensbegrenzung, bzw hohen Erwartungen von seiten der Verantwortlichen, bzw. der Fans gab. Eventuell sollte man sich wieder in "Westfalia Schalke" umbenennen, da war wenigstens noch alles gut...so für ein paar Monate.
basecape-man 29.02.2016
2. wenn ein verein mit einem so hohen spieleretat...
sich einen 2.ligatrainer holt muss man davon ausgehen ,dass man in der chefetage des vereins angst vor fussballkompetenz hat.
die Stechmücke 29.02.2016
3. Breitenreiters Schönfärberei,
soll offensichtlich ablenken von den fussballerischen Schwächen. In Paderborn hat er einen Scherbenhaufen hinterlassen
neurobi 29.02.2016
4.
Also ich hoffe auf darauf, dass die Normalform von Schalke auch am nächsten Wochenende noch Bestand hat und der Abstand beider Clubs auf 4 Punkte schmilzt!
Nonvaio01 29.02.2016
5. so sieht es aus
Zitat von basecape-mansich einen 2.ligatrainer holt muss man davon ausgehen ,dass man in der chefetage des vereins angst vor fussballkompetenz hat.
was auch fehlt ist ein konzept, da ist nichts vorhanden, keine vision, kein ziel wo man in 5 jahrens ein will. Trainer sind durchgehend mittelmass, und solche spieler werden auch teilweise geholt, wenn man denn mal gute hat erkennt man das talent einfach nicht. Schalke braucht einen coach der schon mal etwas gewonnen hat, erfahrung hat im aufbau von mannschaften...etc..
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