Niederlage in Mönchengladbach Das Ende des Schalker Bollwerks

Hinten stabil, vorne effizient - so führte Trainer Domenico Tedesco Schalke 04 in der vergangenen Saison zur Vizemeisterschaft. Doch jetzt versagt das System zuverlässig - was hat sich verändert?

Schalkes Verteidigung
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Schalkes Verteidigung

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Szene des Spiels: Gladbachs Oscar Wendt setzte sich auf dem linken Flügel durch, passte den Ball in den Strafraum zu Alassane Pléa, der sich drehen und auf den völlig freistehenden Jonas Hofmann ablegen konnte. Der traf zwar nur den Pfosten, aber die Szene in der 72. Minute zeigte, welche Freiheiten die Gladbacher Offensive zwischen den Reihen der Schalker Verteidigung hatte. Vom königsblauen Bollwerk der Vorsaison ist in dieser Spielzeit nichts mehr zu sehen.

Das Ergebnis: Schalke unterliegt in Mönchengladbach 1:2. Hier geht's zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Drei Minuten waren gespielt, da köpfte Matthias Ginter eine Ecke von Jonas Hofmann ins Schalker Tor. In der ersten halben Stunde spielte vor allem die Borussia. Doch noch vor der Pause kamen auch die Gäste zu zwei Großchancen: Den Kopfball von Salif Sané aus kurzer Distanz parierte Gladbachs Torwart Yann Sommer (33. Minute), Mark Uth verpasste es, freistehend vor dem Tor einzuschieben (41.).

Hamza Mendyl (u.)
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Hamza Mendyl (u.)

Kurze Premiere: Eigentlich ist die Position des Linksverteidigers bei Schalke an Abdul Rahman Baba vergeben. Gegen Mönchengladbach durfte jedoch Zugang Hamza Mendyl von Beginn an spielen. Der sah in der 22. Minute nach einem harten Foul an Thorgan Hazard die Gelbe Karte und trat nur eine Minute später Nico Elvedi um. Schiedsrichter Manuel Gräfe zeigte sich gnädig, Trainer Domenico Tedesco verstand den Wink und schickte in der 25. Minute Alessandro Schöpf für den Marokkaner aufs Feld.

Die zweite Hälfte: Schon fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff traf Uth für Schalke, stand dabei jedoch im Abseits. In der 72. Minute scheiterte Hofmann für die Borussia nur knapp, in der 76. nutzte Patrick Herrmann die Hereingabe von Wendt zum 2:0-Siegtreffer. Kurz vor dem Ende gelang dem eingewechselten Breel Embolo noch ein Traumtor für Schalke (90.+3), es war jedoch zu spät.

Erwartbare Niederlage: War den Schalker Spielern die Bilanz ihres Klubs bei Auswärtsspielen in Mönchengladbach bewusst? Es würde den zeitweise mutlosen Auftritt erklären: Die Borussia hatte von den vergangenen 12 Pflichtspielen gegen Königsblau nur eins vor heimischer Kulisse verloren.

Startschwierigkeiten: Was die Statistik ebenfalls verrät: Mit schlechten Saisonstarts kennen sie sich in Gelsenkirchen aus. Bereits zehnmal startete der Klub mit zwei Auftaktniederlagen in eine Bundesliga-Saison. Erst 2016/2017 hatte Schalke mit fünf verlorenen Spiele in Folge in die Saison eröffnet, landete am Ende auf dem zehnten Tabellenplatz.

Kaum wiederzuerkennen: Die Gäste präsentierten sich heute in ihren neuen Ausweich-Trikots. Doch auch im "traditionellen" Giftgrün konnte das Team nicht zu alter Stärke zurückfinden.

Wo ist das Bollwerk? Schalkes Weg zur Vizemeisterschaft führte in der vergangenen Saison über die Defensive. Kompakte Anordnung, diszipliniert eingehaltene Abstände zwischen den Abwehrspielern - ein Bollwerk, an dem Gegner reihenweise verzweifelten. In dieser Saison ist davon wenig zu sehen. Mönchengladbach konnte sich im Angriffsdrittel oft frei bewegen. Auch bei Standards behielt die Borussia meist die Oberhand. Noch vor wenigen Monaten wäre das undenkbar gewesen.

Wo ist die Effizienz? Neben der starken Abwehr war die offensive Abgeklärtheit in der abgelaufenen Saison eine Schalker Stärke. Auch hiervon war wenig zu sehen. Das Team kam zu guten Gelegenheiten, ließ diese jedoch teilweise kläglich liegen. Kam doch mal etwas aufs Gladbacher Tor, war der starke Torhüter Yann Sommer stets zur Stelle.

Das Fazit des Trainers: Tedesco erklärte das Spiel beim Fernsehsender "Sky" so: Die Defensive sei instabil gewesen, die Abstände hätten nicht gestimmt. Aber man sei ja dafür viel mehr zu Abschlüssen gekommen als sonst. Wenigstens den Vorwurf, die Siege über eine Mauer-Taktik einzufahren, will sich der Trainer nicht mehr gefallen lassen.

Sebastian Rudy
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Sebastian Rudy

Rudy ratlos: Stratege Sebastian Rudy als Ergänzung für die Vorzeige-Defensive aus Gelsenkirchen - die Verpflichtung des Nationalspielers schien wie die perfekte Fügung. Noch funktioniert aber weder der Defensiv-Verbund, noch kann der neue Mittelfeldmotor Impulse setzen. Der 28-Jährige hatte deutlich weniger Ballaktionen als seine Nebenmänner, es hakte noch an der Einbindung.

Besserung in Sicht? Möglich, aber wohl nicht sofort. Bevor mit Freiburg, Mainz und Düsseldorf vermeintliche Aufbaugegner warten, empfängt Schalke in der kommenden Woche zunächst den FC Bayern. Es wird also höchste Zeit, dass Schalke seine Kompaktheit widerfindet.

Borussia Mönchengladbach - FC Schalke 04 2:1 (1:0)
1:0 Ginter (3.)
2:0 Herrmann (77.)
2:1 Embolo (90.+3)
Gladbach: Sommer - Elvedi, Ginter, Jantschke, Wendt - Strobl - Hofmann, Zakaria (72. Kramer) - Hazard, Johnson (67. Herrmann) - Plea (85. Neuhaus)
Schalke: Fährmann - Sané, Naldo, Nastasic - D. Caligiuri, Mendyl (25. Schöpf) - Rudy, Bentaleb - Di Santo (66. Embolo) - Uth, Burgstaller (66. Teuchert)
Schiedsrichter: Manuel Gräfe
Zuschauer: 54.022
Gelbe Karten: - / Mendyl, Schöpf, Nastasic, Embolo



insgesamt 7 Beiträge
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hamburger.jung 15.09.2018
1.
Für Leverkusen und Schalke könnte es mit einem europäischen Platz eng werden. Sie haben null Punkte und jetzt gehen die englischen Wochen erst los. Normaleeweise sollte da jetzt ein Polster sein wie bei Bayern und Dortmund. Es gibt einige Teams, die gut gestartet sind und auch nach Europa wollen, aber keine europäische Belastung haben. Da fallen mir Mönchengladbach und Werder ein, eventuell auch Wolfsburg. Wüßte nicht wie Leverkusen und Schalke diese Teams ein- und überholen könnte.
cdhenning 15.09.2018
2. Lächerliche Diskussion!
Anstatt die gute Leistung der Gladbacher zu loben, wird hier nur an der schlechten Leistung de Schalker rumgemäkelt- unglaublich! Obwohl die Schalker mehrfach vom Schiri bevorteiligt wurden (siehe u.a. das Gelb-Rot-würdige Foul von Hamza Mendyl!), wurde hier überhaupt nicht die hevorrangenden Paraden von Yann Sommer herausgestellt, die den Sieg der Gladnacher zementierten. Bundesliga ist halt mehr als Bayern, Schalke & Dortmund!
hoppelkaktus 15.09.2018
3. Das ist kein guter Anfang
Wenn Schalke und Leverkusen somit also schon jetzt als Bayernverfolger zu den Akten gelegt werden können - nein: müssen, dann bleiben ja nun nicht mehr so viele weitere überzeugende Spitzenmannschaften übrig, die das Zeug haben, atemberaubend und mit echtem Herzblut und vielleicht bis zum allerletzten Spieltag mit dem sogenannten Dusel-FCB leidenschaftlich um die Meisterschale zu ringen. Oje, droht etwa die Bundesliga-Saison '18/'19 in Sachen Titelkampf jetzt wirklich noch aufregender und nervenaufreibender zu verlaufen als schon die letzte Spielzeit und erst recht die davor, und die Spielzeit vor der davor und sogar noch spannender als jene Saison, wo dann wider Erwarten doch die Bayern...???
hileute 15.09.2018
4. Das Hauptproblem von schalke ist mangelnde Qualität
jedes Jahr wechseln einige der besten Spieler, wohingegen als Ersatz dafür ausschließlich mittelklassige Spieler aus Nürnberg oder Durchschnittteams geholt werden. Das das für ein Team, das ein Topteam sein will kritisch ist dürfte klar sein
genaumeinding 16.09.2018
5. Schalkes Leistungsversprechen wird deutlich
Antifussball fuer die zweite Liga. Den passenden Trainer und die richtigen Spieler haben sie schon dafür. Die Ergebnisse eben auch. Heidel und Tedesco kommen ihrer Berufung immer näher. Es läuft auf Schalke. Weiter so.
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