Schalke 04 Erfolgreiche Spätstarter

Wenn doch nur der FC Bayern nicht wäre! Schalke strotzt in dieser Saison vor Selbstbewusstsein und glänzt sogar mit Spielwitz. Beim Sieg über Werder Bremen war jedoch der Kampfgeist wichtiger. Damit drehte die Mannschaft das Spiel und bestätigte ihr Spätstarter-Image.

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Hamburg - Sportlich läuft es beim FC Schalke in dieser Saison. S04 steht in der Champions League kurz vor dem vorzeitigen Einzug in die K.o.-Phase. In der Bundesliga hat der Club den besten Start seit 41 Jahren hingelegt und sieben von elf Spielen gewonnen. Und selbst das nötige Glück hat Schalke: Beim 2:1-Sieg über Werder Bremen am Samstag klärte Lewis Holtby in letzter Sekunde auf der Linie, sicherte so den Erfolg - und wahrte so den Rückstand von sieben Punkten auf den FC Bayern in der Tabelle. Wenn es die überragenden Münchner in dieser Saison nicht gäbe: Schalke wäre der heißeste Anwärter auf den Titel.

Doch der Erfolg kommt nicht von ungefähr, Schalke spielt oft auch tollen Fußball. Dabei war nach dem Abschied von Weltstar Raúl im Sommer schon befürchtet worden, dass mit dem Spanier auch die Spielkultur abhanden ginge. Das Gegenteil ist der Fall.

Die Elf von Trainer Huub Stevens gibt auf dem Platz alles und verlässt sich nicht mehr nur auf Klaas-Jan Huntelaar. Der Torschützenkönig der vergangenen Saison hat in der Bundesliga erst drei Treffer erzielt und damit in den ersten elf Spielen so wenige wie nie zuvor seit seinem Wechsel zu Schalke vor zwei Jahren.

Statt einem Top-Stürmer spielt plötzlich ein Team, das macht die Mannschaft für die Gegner schwerer auszurechnen. Im offensiven Mittelfeld gibt es gleich vier torgefährliche Profis: Holtby, Jefferson Farfán, Ibrahim Afellay und Julian Draxler. Sie alle haben in der Liga schon mindestens zwei Saisontore erzielt. Besonders Holtby hat sich dabei zum heimlichen Star des Teams entwickelt. Wurde er in der vergangenen Saison phasenweise noch als Sechser eingesetzt, ist er nun der Ersatz für Raúl als Spielmacher und blüht in dieser Rolle auf.

"Der Charakter der Mannschaft ist einfach super"

Und wenn es für Schalke mal nicht so läuft, wie etwa gegen Werder, kommt Draxler von der Bank. Trainer Stevens brachte den deutschen Nationalspieler zur zweiten Hälfte. Und der 19-Jährige gab seinem Team nach der schweren Champions-League-Partie am Mittwoch gegen den FC Arsenal (2:2) neue Energie. So konnten die Gastgeber das Spiel durch einen Kopfballtreffer von Roman Neustädter (60. Minute) und ein Tor von Draxler (69.) noch drehen.

"Wenn man gegen eine so starke Mannschaft wie Werder Bremen in Rückstand gerät, wird es natürlich sehr schwierig", sagte Stevens, "aber der Charakter der Mannschaft ist einfach super." Draxler bestätigte das: "Wir haben eine Mannschaft, die nie aufgibt. Das zeichnet uns aus und spricht für uns."

Eine weitere entscheidende Personalie bei den "Königsblauen" ist Neustädter. Der 24-Jährige war im Sommer ablösefrei von Borussia Mönchengladbach gekommen und ist schon jetzt nicht mehr aus dem defensiven Mittelfeld der Schalker wegzudenken. Neustädter hat darüber hinaus mit bislang drei Toren auch seine offensiven Qualitäten unter Beweis gestellt. In drei Jahren bei Gladbach hatte er lediglich einmal getroffen. Der Lohn für seine guten Leistungen: Bundestrainer Joachim Löw berief Neustädter in den Nationalmannschafts-Kader für das Spiel gegen die Niederlande am Mittwoch (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Es scheint, als erarbeiteten sich die Schalker mit jedem Erfolg mehr und mehr Selbstbewusstsein - ein weiterer Vorteil, wenn es nicht ganz so läuft. Von ihrem neuen Selbstverständnis, das vor allem dank der Erfolge gegen Dortmund (2:1) und Arsenal (2:0) Ende Oktober genährt wurde, profitieren die Schalker. Die Last-Minute-Niederlage in Hoffenheim (2:3) vor einer Woche scheint S04 dabei nicht verunsichert zu haben. Wie schon am Mittwoch im Rückspiel gegen Arsenal holte Schalke auch gegen Bremen einen Rückstand wieder auf. Die Gelsenkirchener brauchen etwas Zeit, um auf Touren zu kommen, dann aber sind sie kaum zu stoppen: 20 seiner 22 Saisontreffer hat der FC Schalke nach der Pause erzielt.

Natürlich ist auch in dieser Statistik nur ein Team besser - der FC Bayern.

Schalke 04 - Werder Bremen 2:1 (0:1)
0:1 Hunt (16.)
1:1 Neustädter (60.)
2:1 Draxler (69.)
Schalke: Unnerstall - Höwedes, Papadopoulos, Matip, Fuchs - Jones (90. Moritz), Neustädter - Farfán, Holtby, Afellay (46. Draxler) - Huntelaar (63. Marica)
Bremen: Mielitz - Gebre Selassie, Lukimya, Sokratis, Schmitz (90. Prödl) - Junuzovic (81. Akpala) - De Bruyne, Hunt - Arnautovic, Elia (67. Füllkrug) - Petersen
Schiedsrichter: Meyer
Zuschauer: 61.673 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Neustädter (2) - Hunt (2)

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insgesamt 5 Beiträge
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mezzman 11.11.2012
1. Gratulation
Die Herren Stevens , Heldt und Tönnies machen einen wirklich guten Job bei Schalke. Daher stehe sie völlig zurecht auf Platz 2 der Bundesliga und auf Platz 1 in der Champions League Gruppe. Wie es aber auch in dem Artikel bereits mehrfach erwähnt wird , ist erneut ein Team in der BL wohl wieder nicht zu schlagen. Es ist für die Schalker natürlich der FC Bayern. Obwohl Schalke den besten Saisonstart seit 41 Jahren hat , sind sie wieder nur 2. und haben bereits jetzt einen beachtlichen Abstand zum Tabellenführer. Jedoch sollte man sich auf Schalke davon nicht berirren lassen , ein 2. oder 3. Platz am Ende der Saison wäre eine herausragende Leistung. Dazu vielleicht noch ein Viertelfinale in der Cl und ein Halbfinale im Pokal und der FC Schalke könnte mit dieser Saison mehr als zufrieden sein. Sie zählen schon seit Jahren zu den Top 4 in der BL und haben auch International schon sehr respektable Ergebnisse erzielt. Wenn sie es jetz noch schaffen mit Klaas Jan Huntelaar zu verlängern und in der kommenden Sommertransfer Phase endlich Geld für neue Spieler zur Verfügung haben , werden sie auch in den kommenden Jahren um den bzw. die Titel mitspielen. Aber zu mindestens was die Deutsche Meisterschaft angeht , heißt es auch weiterhin ,,Nur gucken , nicht anfassen". :-)
Claude Clistier 11.11.2012
2. Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod...
Zitat von sysopREUTERSWenn doch nur der FC Bayern nicht wäre! Schalke strotzt in dieser Saison vor Selbstbewusstsein und glänzt sogar mit Spielwitz. Beim Sieg über Werder Bremen war jedoch der Kampfgeist wichtiger. Damit drehte die Mannschaft das Spiel und bestätigte ihr Spätstarter-Image. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-schalke-ist-die-beste-mannschaft-vom-rest-der-liga-a-866503.html
Heißt es statt dessen oder statt dem?!?
butlerking 11.11.2012
3. Vor dem neuen Selbstbewusstsein und.......
Zitat von sysopREUTERSWenn doch nur der FC Bayern nicht wäre! Schalke strotzt in dieser Saison vor Selbstbewusstsein und glänzt sogar mit Spielwitz. Beim Sieg über Werder Bremen war jedoch der Kampfgeist wichtiger. Damit drehte die Mannschaft das Spiel und bestätigte ihr Spätstarter-Image. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-schalke-ist-die-beste-mannschaft-vom-rest-der-liga-a-866503.html
der positiven Berichterstattung in der Presse wird mir angst und bange. Nichts ist erreicht und trotzdem höre und lese ich so viel fast schön überschwängliches. Die Knappen sollten sich Ihrer Tugenden besinnen und weiter hart arbeiten. Abgerechnet wird am Schluss. Zweiter oder dritter Platz, am Ende, wäre genial für diese Truppe. Ich bin der Letzte der sich nicht mehr wünschen würde aber realistisch ist das nicht. In diesem Sinne. Vorwärts FC Schalke.
KeinSteinWieDerAndere 11.11.2012
4. Kampfgeist?
Zitat von sysopREUTERSWenn doch nur der FC Bayern nicht wäre! Schalke strotzt in dieser Saison vor Selbstbewusstsein und glänzt sogar mit Spielwitz. Beim Sieg über Werder Bremen war jedoch der Kampfgeist wichtiger. Damit drehte die Mannschaft das Spiel und bestätigte ihr Spätstarter-Image. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-schalke-ist-die-beste-mannschaft-vom-rest-der-liga-a-866503.html
Gedreht hat der Schiedsrichter das Spiel. Zwei eindeutige Schwalben von Papadopoulos im Zweikampf gegen De Bruyne (es hätte wohl zum 0:2 geführt) und die Freistossentscheidung, die dann zum 1:1 führte war auch sehr peinlich. Ich frage mich, ob die Schiedsrichter eigentlich den Mumm haben, sich im Nachhinein für solche Fehlleistungen zu entschuldigen? Auf der anderen Seite muss man sehen, dass der DFB/DFL der Arbeitgeber ist. Hier gibt es eindeutige Präferenzen (siehe auch Elfmeterentscheidung für Bayern), da sich bestimmte Vereine einfach besser vermarkten lassen.
KnoKo 11.11.2012
5. Genau
Zitat von KeinSteinWieDerAndereGedreht hat der Schiedsrichter das Spiel. Zwei eindeutige Schwalben von Papadopoulos im Zweikampf gegen De Bruyne (es hätte wohl zum 0:2 geführt) und die Freistossentscheidung, die dann zum 1:1 führte war auch sehr peinlich. Ich frage mich, ob die Schiedsrichter eigentlich den Mumm haben, sich im Nachhinein für solche Fehlleistungen zu entschuldigen? Auf der anderen Seite muss man sehen, dass der DFB/DFL der Arbeitgeber ist. Hier gibt es eindeutige Präferenzen (siehe auch Elfmeterentscheidung für Bayern), da sich bestimmte Vereine einfach besser vermarkten lassen.
Und die Tätlichkeit von Elia gegen Höwedes in der 44. Minute hätte eine rote Karte nach sich ziehen müssen. Oh, Moment - Elia ist ja ein Bremer Spieler.
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