Aus Gelsenkirchen berichtet Daniel Theweleit
Schalkes Sportchef Horst Heldt wusste, was ihn erwarten würde, als er nach dem 4:1-Sieg seines Clubs gegen den Hamburger SV im Presseraum auftauchte, um wie immer ausführlich alle Fragen der wartenden Journalisten zu beantworten.
Normalerweise geht es in dieser Gelsenkirchener Runde zuerst um den Sport, doch am Sonntag war alles anders. Das Spiel war unmittelbar nach dem Abpfiff zur Bagatelle geworden, dabei hatten die starke Leistung der Schalker, die Hamburger Krankheit, immer im falschen Moment zu verlieren, und die grandiose Show des dreifachen Torschützen Klaas-Jan Huntelaar eigentlich genug spannenden Stoff für eine bunte Nachbesprechung geliefert.
Nun aber hatte die "Bild"-Zeitung vermeldet: "Effe Trainer auf Schalke?" Zwar zierte ein kleines Fragezeichen die Schlagzeile, dennoch sorgte sie für Aufruhr. Schalke-Sportchef Heldt ließ sich nicht viel entlocken: "Da müssen Sie die Leute fragen, die das veröffentlicht haben", erwiderte er auf die Frage, was denn dran sei an der Meldung. Und weil sich das Geschäft mit den Fußball-News derzeit regelmäßig auf kuriose Art und Weise verdichtet, waren die Urheber des Gerüchts längst zu Wort gekommen.
"Vielleicht sitzt er dann neben Armin Veh"
Beim TV-Sender Sky war nämlich Walter Straten zu Gast, der Sportchef der "Bild"-Zeitung. Er erklärte, der ehemalige Weltklassefußballer sei nach seinen Informationen der "Top-Kandidat", es habe schon Gespräche gegeben. Effenberg saß zufällig genau daneben und verkündete demonstrativ vage, er beteilige sich nicht an derlei Spekulationen. Es ist eine Debatte, die die Phantasien beflügelt - mal wieder.
Da konnte einem Jens Keller, der amtierende Trainer des FC Schalke, fast ein wenig Leid tun. "Das sind Dinge, mit denen ich mich nicht beschäftige, ich befasse mich mit Dingen, die ich beeinflussen kann", antwortete er auf die Frage nach Effenberg. Seinen Humor hat Keller aber nicht verloren. "Vielleicht sitzt er ja dann neben Armin Veh", scherzte er. Mit dem Frankfurter Trainer hatten die Schalker sich Medienberichten zufolge ja auch schon über eine Zusammenarbeit geeinigt.
Sollte Effenberg tatsächlich Schalke übernehmen, der Boulevard hätte sicher buntere Geschichten zu schreiben als über den wenig glamourösen Keller. "Entschieden ist aber noch nichts", sagte Heldt, und er ging sogar noch weiter. "Unser erster Ansprechpartner ist Jens Keller", der Mann, mit dem auch viele Spieler gerne weiterarbeiten würden.
Huntelaars Dreierpack lässt Schalke von Europa träumen
Schalke-Kenner glauben, dass Keller bleiben dürfe, wenn die Mannschaft in den kommenden drei Spielen überzeugt und am Ende Vierter wird. "Es bleibt dabei, es gibt eine klare Tendenz", sagte Heldt, der erkennbar froh war, irgendwann doch über das Spiel und die Rückkehr von Huntelaar sprechen zu dürfen.
Der Niederländer war fast sieben Wochen lang verletzt gewesen, nun war er an allen Toren gegen den HSV beteiligt. Die Gäste waren früh durch Marcell Jansen in Führung gegangen (5. Minute), dann legte Huntelaar Bastos auf, der zum 1:1 traf (9.), und schoss die anderen drei Tore selbst (21., 58., 66.). "Klaas-Jan ist richtig beeindruckend, damit konnte man nicht rechnen", sagte Heldt: "Er war immer präsent im Strafraum, und wenn er so spielt, ist er einer der Top-Stürmer in Europa."
Zumal Huntelaar nicht nur für Torgefahr sorgte. Es schien, als hebe er das Niveau der gesamten Schalker Offensive. "Wir haben heute sehr gut zusammengespielt", sagte der Niederländer über seine Kooperation mit der Achse Draxler-Raffael-Bastos, die mit den anderen Zentrumsstürmern Ciprian Marica und Teemu Pukki nie so gut funktionierte hatte.
Die Schalker haben mit diesem Sieg im merkwürdigen Kampf um den Champions-League-Qualifikationsplatz einen großen Schritt gemacht, sie sind wieder Favorit auf die begehrte Position. Der Vorsprung auf Frankfurt ist auf drei Punkte angewachsen, und die vier Treffer gegen den HSV haben das Schalker Torverhältnis entschieden verbessert.
"Wir brauchen einfach nur die Mentalität, solche Leistungen das ganze Jahr über zu bringen", lieferte Huntelaar abschließend das Erfolgsrezept für die Zukunft. Dass dieser Satz wie ein Plädoyer für Stefan Effenberg klang, der ja ein Spezialist für Mentalitätsfragen jeglicher Art ist, war bestimmt nicht beabsichtigt.
Schalke 04 - Hamburger SV 4:1 (2:1)
0:1 Jansen (5.)
1:1 Bastos (10.)
2:1 Huntelaar (21.)
3:1 Huntelaar (58.)
4:1 Huntelaar (66.)
Schalke: Hildebrand - Uchida, Höwedes, Matip, Kolasinac - Jones (81. Moritz), Neustädter - Bastos (78. Christian Fuchs), Raffael, Draxler - Huntelaar (87. Pukki)
Hamburg: Adler - Sala, Mancienne, Westermann, Jansen - Arslan, Aogo - Skjelbred (63. Rudnevs), Jiracek - Son, van der Vaart (68. Rincon)
Schiedsrichter: Sippel
Zuschauer: 61.673 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Bastos - Mancienne (2), Arslan (8), Adler (5)
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