Herthas Doppel-Torschütze Schieber-Rufe zum Genießen

Mann des ersten Spieltages bei Hertha BSC war Zugang Julian Schieber mit gleich zwei Toren. Ausgerechnet - denn der Mittelstürmer war bei Borussia Dortmund als Chancentod verschrien. In Berlin wagt er jetzt einen Neuanfang.

Hertha-Stürmer Schieber: Ungewohntes Gefühl
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Hertha-Stürmer Schieber: Ungewohntes Gefühl

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Schieber-Rufe besitzen im Fußball normalerweise eine negative Bedeutung. Wenn das Publikum im Stadion "Schieber, Schieber" anstimmt und die Volkswut kocht, dann ist meist der Schiedsrichter gemeint, und es wird ihm Parteinahme, Betrug gar unterstellt. Im Berliner Olympiastadion wird man sich in dieser Hinsicht umgewöhnen müssen - zumindest wenn der neue Hertha-Mittelstürmer Julian Schieber so weitermacht wie zum Liga-Auftakt gegen Werder Bremen.

Beide Berliner Treffer beim 2:2 gegen die Gäste erzielte der 25-Jährige in seinem ersten Ligaspiel für die Hertha und wurde von den Fans gefeiert; ein Gefühl, das er lange nicht hatte auskosten dürfen. Bei Borussia Dortmund war er über den Status des Reservisten nie hinausgekommen, und wenn er doch einmal bei Jürgen Klopps Team spielen durfte, erwarb er sich den Ruf kompletter Harmlosigkeit. Drei Tore aus 35 Bundesligaspielen, null Tore in der Vorsaison - das ist seine Dortmunder Bilanz aus zwei Jahren. Für einen Mittelstürmer ein desaströser Arbeitsnachweis. Bei Twitter war ihm der regelmäßige Spott gewiss.

Ein Neuanfang musste für den Angreifer her, Berlin bot sich an. Hier war die Planstelle des Torjägers durch den Abgang von Adrian Ramos nach Dortmund freigeworden. Schieber als dessen Ersatz zu verpflichten und dafür noch 2,5 Millionen Euro an Ablösesumme zu investieren, zeugt von einem gewissen Wagemut von Trainer Jos Luhukay, aber auch von dem Vertrauen, das der Coach in die Fähigkeiten des Angreifers setzt.

Schon als Gomez-Nachfolger gefeiert

Schließlich galt Schieber mal als eine der größten deutschen Angriffs-Hoffnungen, als einer der letzten echten Mittelstürmer. Beim VfB Stuttgart wurde er schon als Mario-Gomez-Nachfolger gefeiert, er fand den Weg in die U-21-Nationalmannschaft, spielte in Stuttgart 2009 in der Champions League. Beim VfB hatte er einen großartigen Moment, als er gegen Borussia Dortmund 2012 in einer wilden Feldschlacht zwei Tore beim 4:4-Spektakel erzielte - und Klopp damit offenbar so beeindruckte, dass er ihn gleich zum BVB holte.

Dann begann die Leidenszeit des Julian Schieber, am Ende wurden ihm bei Einwechslungen selbst unerfahrene Nachwuchsleute durch Klopp vorgezogen. An Über-Stürmer Robert Lewandowski kam er ohnehin nicht vorbei, aber auch als Ergänzung für den überragenden Polen konnte er sich nicht empfehlen. So konnte es nicht weitergehen.

In Berlin soll jetzt alles besser werden, und wenn die Hertha ihren souveränen 2:0-Vorsprung über die Zeit gerettet hätte, wäre es auch ein perfekter Tag für Schieber gewesen. So aber haderte er mit sich, dass er "noch ein drittes Tor hätte machen müssen", vor dem Bremer Anschlusstreffer verlor er zudem eine Zweikampf gegen den anschließenden Torschützen Assani Lukimya.

Dennoch überwog am Ende des ersten Spieltages das Lob: "Ich in zufrieden mit ihm, die Tore werden ihm gut tun", sagte sein Trainer Luhukay, und der Doppeltorschütze selbst hatte nach bei allem Frust über den verpassten Sieg die persönliche Bilanz parat: "Besser kann es eigentlich nicht laufen." Wann hat Schieber das zuletzt über sich sagen können?

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insgesamt 4 Beiträge
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ohmeinsire 24.08.2014
1. Schau'n wa mal
Ich war gestern im Stadion. Schieber hat ein erstes, gutes Spiel geliefert. Die Schieber-Rufe waren schon echt lustig. Wenn Hertha dann zukünftig auch noch lernt solche Vorsprünge nicht mehr herzugeben, könnte das vielleicht (hoffentlich) ne entspannte Saison werden. Frühzeitig nichts mit dem Abstieg zu tun haben muss das Ziel sein.
karlomari 24.08.2014
2. Na ja
gegen Werder Bremen( leider einer der Schießbuden der Liga)Tore zu erzielen, ist wahrlich kein Ausrufezeichen. Die beiden Tore wären bei einer "richtigen" Abwehr nicht gefallen. Also den Spieler jetzt hier hoch zu loben ist wohl etwas gewagt.
retterdernation 24.08.2014
3. Schieber geht seinen Weg...
in Berlin! Toll das wir den verletzungsanfälligen Fussballlegionär Lasogga los sind. Der hat uns rund neun Millionen Euro gebracht und gestern weder ein Tor geschossen noch sonstig aufgefallen. Im Gegensatz zu Schieber - der seine 2 Millionen Ablöse, gestern schon wieder einspielte. Guter Schachzug des Hertha-Managements!!!
Attila2009 24.08.2014
4.
Zitat von karlomarigegen Werder Bremen( leider einer der Schießbuden der Liga)Tore zu erzielen, ist wahrlich kein Ausrufezeichen. Die beiden Tore wären bei einer "richtigen" Abwehr nicht gefallen. Also den Spieler jetzt hier hoch zu loben ist wohl etwas gewagt.
Sie hätten sicher noch paar Tore mehr geschossen gegen Bremen, aber sicher.....
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