Sicherheit in der Bundesliga "Pyrotechnik zu verwenden, wäre an Unverantwortlichkeit kaum zu überbieten"

Normal wird es am kommenden Bundesligaspieltag nicht zugehen. Die Klubs erhöhen ihre Sicherheitsmaßnahmen, Zuschauer müssen sich auf scharfe Kontrollen einstellen. Und dann ist da noch die Sache mit den Knallkörpern.

Stadioneinlass in Wolfsburg: "gewissenhafte Kontrollen"
picture alliance / dpa

Stadioneinlass in Wolfsburg: "gewissenhafte Kontrollen"


Die Anschläge in Paris während des Länderspiels zwischen Deutschland und Frankreich, die kurzfristige Absage der Nationalmannschaftspartie gegen die Niederlande in Hannover - das Thema Sicherheit steht im Fußball momentan an erster Stelle. Das gilt auch für die Bundesliga-Partien am kommenden Wochenende.

Die DFL hatte bereits am Tag nach dem abgesagten Länderspiel beschlossen, dass der 13. Spieltag stattfinden wird. Klar ist aber auch: Eine Partie werde nur angesetzt, wenn alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten würden, sagte DFB-Interimspräsident Rainer Koch dem Radiosender Bayern 2. Er zeigte sich zuversichtlich, dass der Spieltag problemlos über die Bühne geht. Klubs, Verbände und Behörden seien "bestens aufgestellt" und täten ihr Möglichstes, um jeden Gefahrenmoment auszuschließen.

Am kommenden Wochenende wird in Hamburg, Mönchengladbach, Wolfsburg, Frankfurt, Stuttgart, Gelsenkirchen, Köln, Berlin und Ingolstadt gespielt. Viele Bundesligaklubs kündigten an, ihre Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen. Die Kontrollen beim Einlass würden "spürbar erhöht", teilte Borussia Mönchengladbach vor der Begegnung gegen Hannover 96 am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mit. Auch Nachbar Köln will in der Partie gegen Mainz die Zahl der Ordnungskräfte "sichtbar erhöhen".

Noch einen Schritt weiter ging Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und forderte den Einsatz von "Körperscannern". "Die Einlasskontrollen an den Stadien müssen weiter intensiviert, mit Durchgangs-Scannern optimiert werden", sagte der Unternehmer der "Bild"-Zeitung.

Appell an die Fans: Keine Pyrotechnik einsetzen

Die Klubs, die an diesem Wochenende Heimspiele austragen, raten allen Fans, möglichst frühzeitig anzureisen. In Mönchengladbach öffnen die Stadiontore aufgrund der Kontrollen bereits um 13 Uhr. Die Besucher beim 1. FC Köln sollten sich auf "gewissenhafte Kontrollen" einstellen. Auch der FC Bayern, der an diesem Wochenende auf Schalke spielt, aber bereits am Dienstag in der Champions League sein nächstes Heimspiel hat, bat um Verständnis, "dass es am Einlass zu Verzögerungen kommen kann".

Einen besonderen Appell richteten Klubs und DFL an die Fans: "Von unseren Zuschauern wünsche ich mir keinerlei Art von Knallern oder Böllern. Darum bitte ich. Das wäre das falsche Zeichen und könnte Panik verbreiten", sagte HSV-Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer. Die Hamburger eröffnen am Freitag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) den Spieltag gegen Borussia Dortmund.

Auch Reinhard Rauball, der gemeinsam mit Koch derzeit die Geschicke des DFB leitet, appellierte demonstrativ an die Fans, auf Pyrotechnik in den Stadien zu verzichten. "Pyrotechnik ist grundsätzlich verboten, weil damit große Gefahren verbunden sind. Eine Verwendung in der sensiblen Situation, in der wir uns derzeit befinden, wäre aber an Unverantwortlichkeit kaum zu überbieten", sagte der 68-Jährige in der "Bild"-Zeitung.

Das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft am Dienstag war nach einer Bombendrohung abgesagt worden, das Stadion wurde evakuiert. Am vergangenen Freitag waren in Paris bei einem Terroranschlag 129 Menschen gestorben und Hunderte verletzt worden.

bka/sid/dpa



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insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
schlawa 19.11.2015
1.
Ich hoffe die Fans setzen das Zeichen das am Dienstag nicht gesetzt werden konnte.
jujo 19.11.2015
2. ...
Versuchen Sie das mal einem bierseligen Fan klarzumachen, der soviel von Verantwortung hält wie eine Kuh vom Eistanzen.
me @ work 19.11.2015
3.
Vielleicht verstehe ich ja irgendwann mal, was der Unsinn überhaupt soll und warum nicht rigoros sämtliche Pyrotechnik untersagt wird und Pyrotechniker rausgeschmissen werden und Stationverbote bekommen.
future-trunks 19.11.2015
4.
Zitat von me @ workVielleicht verstehe ich ja irgendwann mal, was der Unsinn überhaupt soll und warum nicht rigoros sämtliche Pyrotechnik untersagt wird und Pyrotechniker rausgeschmissen werden und Stationverbote bekommen.
Pyrotechnik ist rigoros untersagt. und wer erwischt oder identifiziert wird, wird rausgeschmissen und erhält Stadionverbot. Sie gehen von der irrigen Annahme aus, dass wenn man will, dass etwas nicht mehr passiert, man es verbietet. den Fehler machen die "das sollte man verbieten"-jünger aber öfter.
bauigel 19.11.2015
5. Einfach lächerlich
Seit Jahren ist Pyrotechnik verboten. Aber die "Fans" interessiert es einen Sch..... Und die Vereine dulden es seit Jahren. Ein Schelm wer denkt, dass es von den Vereinen insgeheim sogar gewünscht ist, um mehr Emotionen zu schüren und das "Erlebnis" zuvergrößern.... um mehr Zuschauer zu bekommen. Jetzt ein "wirkliches" Verbot ist lächerlich. Seit wann muss ich ein bestehendes Verbot nochmals verbieten? Ganz abgesehen davon, dass sich die Fußballfans im besoffenen Kopp dies wohl kaum verbieten lassen. Wie auch, wenn sie seit Jahren gelernt haben, dass das Verbot nicht wirklich gültig ist.
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