Sieg bei RB Leipzig Dortmunder Konter

Die Bayern haben die Jagd auf den BVB eröffnet. Beim Bundesliga-Spitzenspiel in Leipzig stand Dortmund entsprechend unter Druck, gewonnen hat es trotzdem. Dafür brauchte es Glück - und Roman Bürki.

Dortmunds Axel Witsel (r.) und Raphaël Guerreiro
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Dortmunds Axel Witsel (r.) und Raphaël Guerreiro

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Wer wird Deutscher Meister? Bekommt die Bundesliga nach sechs Jahren erstmals wieder einen anderen Meister als den FC Bayern? Schien bislang so. Dann fanden die Münchner aus ihrer Krise, und spätestens nach dem starken Auftritt in Hoffenheim am Freitag dachte wohl mancher: die kommen noch. Zumal Tabellenführer Dortmund in Leipzig einen schweren Brocken vor sich hatte. Kurzfristig fiel dann auch noch Superstar Marco Reus aus.

Ergebnis: Wer Meister wird, wissen wir noch nicht. Dass diese Dortmunder Mannschaft aber komplett einbricht, darauf deutet nichts hin. Der BVB gewann bei RB Leipzig 1:0 (1:0). Das Tor erzielte Axel Witsel (19. Minute).

Die erste Hälfte: Hatte zwei Hälften. Die erste dominierte der BVB; das wirkte wie eine Ansage an Leipzig, ach was, an die Bayern: Wir machen einfach so weiter wie in der Hinrunde. Witsels Abschluss war noch harmlos (7.), Maximilian Philipp verpasste schon knapper das 1:0 (13.), dann traf Witsel zur Führung. In diesen 19 Minuten gab Dortmund vier seiner fünf Schüsse der ersten Halbzeit ab. Dann wurde Leipzig zwar stärker und drängte die Gäste bis in deren Strafraum. Klare Chancen aber blieben selten, die beste vergab Konrad Laimer, dessen Schuss geblockt wurde (34.).

Marco Reus
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Marco Reus

Reus raus: Mit 18 Torbeteiligungen war Reus der effektivste Spieler der Hinrunde, in einer "Kicker"-Umfrage wählten ihn die Kollegen zum besten Bundesligaprofi. Tore und Assists sind das eine. Reus ist aber auch ohne sie der Schlüsselspieler für die Dortmunder Offensive: Pässe in die Tiefe landen meist bei ihm, damit er sie weiterleitet, oft mit einem genialen Kontakt.

Glückspilz des Spiels: Witsel war im Sommer Dortmunds Königstransfer, der Belgier verteilt Bälle im Mittelfeld und sichert Angriffe ab. Was er seltener tut: Tore schießen. Ausnahme: Spiele gegen Leipzig. In der Hinrunde hatte er beim 4:1-Sieg des BVB getroffen, diesmal gelang ihm das einzige Tor, und das war wunderbar anzuschauen. Nach einem Eckball verlängerte Lukasz Piszczek den Ball vor Witsels Füße. Der holte aus, traf den Ball perfekt mit dem Vollspann und wuchtete ihn an die Unterkante der Latte, von wo aus er ins Tor sprang. Gratulieren möchten wir nicht nur Witsel, sondern auch Mitspieler Philipp, der so eben noch den Schädel aus der Flugbahn ziehen konnte.

Yussuf Poulsen (l.), Roman Bürki
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Yussuf Poulsen (l.), Roman Bürki

Die zweite Hälfte: wogte hin und her. Dortmund versuchte, RB auszukontern, was in Reus' Abwesenheit aber nur einige Male gelang. Jadon Sancho verpasste freistehend den Moment zum Abschluss (52.), kurz darauf lenkte Leipzigs Torwart Peter Gulácsi einen Philipp-Schuss so gerade noch ab (53.), und in der 90. Minute scheiterte der - natürlich - eingewechselte Paco Alcácer an der Latte. Gefährlicher aber war insgesamt RB. Nur hatten es Leipzigs Stürmer mit einem zu tun, der unüberwindbar schien.

Schweizer Bank: Vor nicht allzu langer Zeit galt Roman Bürki als Schwachpunkt der Dortmunder Mannschaft. Heute eine absurde Vorstellung. Fünfmal parierte der Schweizer Leipziger Abschlüsse, Höhepunkt: die Abwehr gegen den freistehenden Marcel Sabitzer (74.). Mit einem durchschnittlichen Bundesligatorwart hätte der BVB dieses Spiel wohl nicht gewonnen.

Und jetzt? Die Bayern dürften eine sehr viel bessere Rück- als Hinrunde spielen, das haben sie in Hoffenheim angedeutet. Ob Dortmund da mithält? Zumindest hat der BVB eine der schwereren Hürden auf dem Weg zum Titel genommen.

RB Leipzig - Borussia Dortmund 0:1 (0:1)
0:1 Witsel (19.)
Leipzig: Gulacsi - Klostermann, Konaté, Upamecano, Halstenberg - Demme (82. Cunha), Kampl - Sabitzer, Laimer (88. Augustin) - Poulsen, Werner
Dortmund: Bürki - Piszczek, Weigl, Diallo, Hakimi - Witsel, Delaney - Sancho (88. Wolf), Philipp, Guerreiro (76. Pulisic) - Götze (79. Paco Alcácer)
Schiedsrichter: Aytekin
Gelbe Karten: Konaté, Upamecano, Poulsen / Sancho, Bürki
Zuschauer: 42.000



insgesamt 69 Beiträge
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Seite 1
Orthoklas 19.01.2019
1. Glück und ein über sich hinauswachsender Torwart
Der BvB startet genau so glücklich in die Rückrunde, wie wir es in so vielen Spielen der Hinrunde und den Pokalen gesehen haben. Ist das lahm...
K:F 19.01.2019
2. Gück ist immer gut
Hauptsache FCB wird nicht Meister.
verruca 19.01.2019
3. Bleibt spannend
Die Meisterschaft wird nicht in Hoffenheim oder Leipzig entschieden. Auch nicht in Gladbach oder Leverkusen. Vielmehr werden wohl mögliche Ausrutscher gegen die Düsseldorfs, Hannovers oder Freiburgs entscheiden. Wer diese vermeintlich leichten Spiele zu 100% ernst nimmt wird Meister. Ein oder zwei Pleiten gegen vermeintlich leichte Gegner können diese Saison entscheiden. Dass man in Spielen wie dem heutigen natürlich auch eine Prise Glück bzw. einen herausragenden Torwart benötigt, versteht sich von selbst.
Klinsmeier 19.01.2019
4. zum Glück
Ist doch gut, dass der BVB auch ein wenig Glück hat - dadurch kann eine weitere Meisterschaft des FC Bayern Münchens möglicherweise verhindert werden. Das Münchener Konto in Sachen Dusel bei Meisterschaften (gegen Schalke 2001; gegen Leverkusen 1997/2000) und DFB-Pokal (2013/14 gegen Dortmund) ist doch noch immer fett im Plus.
doppelnass 20.01.2019
5. Überaltert
Der BVB kann nur eine Halbzeit Tore schießen. Liegt am Alter. Hab ich heute hier gelesen.
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