Fußball-TV-Rechte für Sky: Geldmaschine Bundesliga 

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Es war ein Wettbieten, das dem deutschen Fußball Milliarden Euro beschert: Der Bezahlsender Sky und die ARD haben den Konkurrenten Telekom ausgestochen und bekommen die TV-Rechte an der Bundesliga. Die Clubs sind von all dem Geld begeistert - nun können sie sich auch extrem teure Mega-Stars leisten.

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Hamburg - ARD und Sky inszenieren sich als die Sieger, sie haben den Poker um die Bundesliga-Fernsehrechte gewonnen. Doch das ganz große Strahlen haben die Manager der Fußballclubs im Gesicht. Im Schnitt kassiert die Liga künftig 628 Millionen Euro pro Saison, in der Spitze gar 673 Millionen - das ist tatsächlich ein "Quantensprung", wie es Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge und der Vorsitzender der Deutschen Fußball Liga (DFL), Reinhard Rauball, sagen.

Die DFL hatte in aller Ruhe abwarten können, bis die Konkurrenten Sky und Telekom gegenseitig den Preis durch die Decke getrieben haben. Schließlich ist Bundesliga-Fußball eine Premiumware. Das Kalkül ist aufgegangen: Die Bundesliga hat ihren Ruf als eine gigantische Geldmaschine noch übertroffen.

Den Clubs spülen die Fernsehrechte in den kommenden fünf Jahren gigantische Summen in die Kassen: Bisher kassierten sie 412 Millionen Euro im Jahr, jetzt sind ARD und Sky noch einmal an die Grenze gegangen: Für Sky ist es derzeit die Grenze des finanziell Machbaren, für die ARD die Grenze dessen, was man als öffentlich-rechtlicher Sender noch mit "Bildungsauftrag" begründen kann.

Bundesliga holt gegenüber England auf

Experten hatten zuvor mit einem Abschluss in Höhe von lediglich knapp 500 Millionen Euro gerechnet. "Das ist ein Abschluss, der über den Erwartungen liegt", sagte selbst der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Wolfgang Niersbach - und zeigte sich geradezu überwältigt von dem, was die DFL für den Fußball herausgeholt hat. DFL-Boss Christian Seifert sprach ganz offen davon, dass "die Wettbewerbssituation zwischen Sky und Telekom" das Ergebnis in die Höhe getrieben habe.

Also eine sichere Partie für die Liga - zumindest solange Partner Sky solvent bleibt und die angestrebte Steigerung bei den Abonnentenzahlen realisiert. Doch wenn sich der Pay-TV-Sender von Medienmogul Rupert Murdoch finanziell überhebt, wäre das auch ein Fiasko für die Bundesliga. Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus - vielmehr ist der Verbleib der Fußballrechte auch eine Art Lebensversicherung für den Sender.

Im internationalen Vergleich rückt die Bundesliga damit langsam zu den Branchenführern in England auf. Es gehört seit Jahren zum Lamento von Bayern-Präsident Uli Hoeneß, auf die Schieflage zwischen den europäischen Top-Ligen hinzuweisen - schließlich klaffen die Erträgen aus den Übertragungsrechten weit auseinander. Die Erfolge englischer Clubs in der Champions League wurden von Hoeneß gerne damit erklärt, dass die Premier League erheblich größere finanzielle Möglichkeiten habe, natürlich aufgrund der teureren Übertragungsrechte.

Bundesliga wird bei Top-Transfers mitbieten

Dieses Jammern auf sehr hohem Niveau wird künftig schwerer. Der Abstand zur englischen Liga, in der die Rechte zuletzt 770 Millionen Euro pro Saison wert waren, hat sich deutlich verringert.

Die Bundesliga wird in den kommenden Jahren einen deutlich höheren finanziellen Spielraum haben. Das heißt auch: Man wird bei Top-Transfers von Stars mitbieten können - vor allem dann, wenn die Neuregelungen der Europäischen Fußball-Union Uefa unter dem Motto "Financial Fairplay" umgesetzt werden. Die Uefa will die Vereine zu einem soliden finanziellen Wirtschaften zwingen. Das wird die Top-Clubs in Spanien und England, die jahrelang ohne große Rücksicht auf Schuldenstände Millionentransfers tätigten, in Probleme bringen.

In der Bundesliga hingegen wird schon heute relativ solide gewirtschaftet - mit dem Sky-Geld im Rücken wird das noch leichter möglich.

Und warum ist der Zuschlag nicht an die Telekom gegangen? Die Fußballmanager hatten überhaupt keinen Anlass, ihre bewährten Partner zu wechseln. Sky beschert der Bundesliga das Geld, die ARD bringt ihr über die Sportschau die Breitenwirkung. So hat die Liga beides. DFL-Boss Seifert nennt das so: "Der Abschluss verbindet traditionelle Sehgewohnheiten und innovative Möglichkeiten mit Blick auf die Zukunft." Zudem bieten beide Partner die Gewähr, dass die Liga als Event verkauft und nicht allzu kritisch begleitet wird. Man weiß, was man hat.

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insgesamt 244 Beiträge
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1.
cabrioheinz 17.04.2012
"...für die ARD die Grenze dessen, was man als öffentlich-rechtlicher Sender noch mit 'Bildungsauftrag' begründen kann" Wie bitte, Fussball als "Bildung"? Soll der "Bildungsauftrag" jetzt als Alibi für die Millionenverschleuderung herhalten? Aber klar, die Plitik verlangt ja immer "in Bildung zu investieren", das haben die ARD-Bonzen bestimmt nur falsch interpretiert
2.
capitolversicherung 17.04.2012
Zitat von sysopGetty ImagesEs war ein Wettbieten, das dem deutschen Fußball mehrere Milliarden Euro beschert: Der Bezahlsender Sky und die ARD haben den Konkurrenten Telekom ausgestochen und bekommen die TV-Rechte an der Bundesliga. Die Clubs sind von all dem Geld überwältigt - nun können sie sich auch extrem teure Mega-Stars leisten. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,828087,00.html
Erstmal sollte die Bundesliga für einen eigenen Schutzdienst zahlen, anstatt auf Kosten der Steuerzahler ein Heer an Polizisten für die Sicherheit in den Stadien sorgen zu lassen.
3. Elend
miauwww 17.04.2012
Ich hoffe nur, dass die Zuschauer ausbleiben. Es ist eine Schande, was aus dem Sport geworden ist. Und Sky=Murdoch (wers nicht weiss). Und die ARD, naja, ich sag lieber nichts mehr. Und es ist wenig troestlich, dass ich keine GEZ zahle.
4.
Pupsie 17.04.2012
Zitat von sysopGetty ImagesEs war ein Wettbieten, das dem deutschen Fußball mehrere Milliarden Euro beschert: Der Bezahlsender Sky und die ARD haben den Konkurrenten Telekom ausgestochen und bekommen die TV-Rechte an der Bundesliga. Die Clubs sind von all dem Geld überwältigt - nun können sie sich auch extrem teure Mega-Stars leisten. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,828087,00.html
England, wir kommen!!! Lass die Vampire erst mal das Blut lecken, dann kommen Sie auf den Geschmack. 1. Bundesliga gibt´s dann nur noch ab 60 Euro aufwärts (im Stehen), Fussballer verdienen auch hier ne Mio im Monat für das bisschen Gekicke und der totale Kommerz hält Einzug. Herzlichen Glückwunsch!
5. ...
herr_kleint 17.04.2012
Zitat von sysopGetty ImagesEs war ein Wettbieten, das dem deutschen Fußball mehrere Milliarden Euro beschert: Der Bezahlsender Sky und die ARD haben den Konkurrenten Telekom ausgestochen und bekommen die TV-Rechte an der Bundesliga. Die Clubs sind von all dem Geld überwältigt - nun können sie sich auch extrem teure Mega-Stars leisten. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,828087,00.html
Der ARD und sein "Bildungsauftrag". Wundervoll. Immerhin hilft man so den Superstars des Sports aus der Gosse.
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Deutsche Pay-TV-Geschichte
Der Name Sky Deutschland ist auf dem Pay-TV-Markt noch neu. Alt hingegen ist die Geschichte des bislang wenig erfolgreichen Versuchs, Bezahlfernsehen auf dem hartumkämpften deutschen TV-Markt zu etablieren. Nach dem Start des einstigen Premiere 1991 hatte der von Medienmogul Leo Kirch aus der Taufe gehobene Sender fast nur Verluste eingefahren. Sie waren einer der Hauptgründe für den Zusammenbruch der Kirch Gruppe im Jahr 2002, den Premiere knapp überlebte. Es folgten weitere bewegte Jahre, der Einstieg des Finanzinvestors Permira, 2005 schließlich der Börsengang und, unter dem heutigen Großaktionär Rupert Murdoch, 2009 die Umbenennung in Sky Deutschland.
Ursprünglich wollte der Konzern 2011 operativ schwarze Zahlen schreiben, gab dieses Ziel aber auf. Sky hatte im vergangenen Jahr unter dem Strich ein Minus von 676,5 Millionen Euro nach einem Verlust von 269,4 Millionen Euro ein Jahr zuvor verbucht. Allein den Abschied vom Namen Premiere hatte der Konzern mit Abschreibungen von rund 254 Millionen Euro teuer bezahlen müssen. Der Umsatz des Senders war 2009 um rund vier Prozent auf 902,1 Millionen Euro gesunken.

Bundesliga-Übertragungsrechte pro Saison
1989 20 Millionen Euro
1993 72,5 Millionen Euro
1998 127,5 Millionen Euro
2001 355 Millionen Euro
2005 300 Millionen Euro
2008 407 Millionen Euro
2009 407 Milllionen Euro
2010 390 Millionen Euro
2011 410 Millionen Euro
2012 425 Millionen Euro
2013 440 Millionen Euro
2014 560 Millionen Euro
2015 615 Millionen Euro
2016 663 Millionen Euro
2017 673 Millionen Euro