Von Mike Glindmeier und Sebastian Krause
Wer am zweiten Adventssamstag in Ruhe einkaufen will, sollte gegen 15.30 Uhr in den Läden sein. Zu diesem Zeitpunkt dürften Hunderttausende Menschen weniger unterwegs sein. Statt Geschenke für ihre Liebsten zu kaufen, sitzen diese Menschen auf dem Sofa oder in der Kneipe und hoffen nur auf eins: eine schöne Bescherung für ihren Club.
In der Bundesliga steht der Samstag der Superlative auf dem Programm. In Mönchengladbach trifft der Tabellenzweite Borussia Mönchengladbach auf den Deutschen Meister Dortmund. In München kommt es zum Nord-Süd-Klassiker zwischen Bayern, dem Tabellendritten und dem Vierten Werder Bremen (beide Spiele 15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Die Sieger könnten einen großen Schritt in Richtung Herbstmeisterschaft machen.
Dieser Titel war nach dem fulminanten Saisonstart des FC Bayern eigentlich schon für das Team von Trainer Jupp Heynckes reserviert. Doch nach zwei Niederlagen in Folge brennt in München bereits der Baum. Anweisungen wie "Laufen, kämpfen, kratzen, beißen. Das würde ich der Mannschaft dringend empfehlen", hätte man eigentlich eher von Werder-Boss Klaus Allofs erwartet. Gesagt hat sie jedoch Bayerns Vorstandvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.
Macht Lahm den Schweinsteiger?
Nach dem Ausfall von Bastian Schweinsteiger herrschte bei den Bayern zuletzt oft Ideenlosigkeit im Spielaufbau. Doch Heynckes will sich offenbar nicht alleine auf alte Tugenden wie Kampfgeist zur Kompensation des Kreativmangels verlassen. In einem geheimen Training besetzte der Coach laut Informationen der "Bild"-Zeitung den zweiten Sechser-Platz neben David Alaba mit Philipp Lahm. Dessen Außenverteidiger-Position übernahm Diego Contento.
Mit dieser Variante will Heynckes wieder flexibler im Spielaufbau werden. Über die Außen soll der Ball zu Mario Gomez kommen, Bayerns Lebensversicherung. 13 Treffer hat der Torschützenkönig der vergangenen Saison in 13 Spielen bisher erzielt. Seit Schweinsteiger verletzt ist, kam Gomez nur auf ein Tor in drei Spielen. Bayern braucht dringend eine Systemumstellung, damit der Torjäger wieder mehr Bälle bekommt.
Immerhin haben die Verantwortlichen beim FCB in den vergangenen drei Spielen leidvoll erfahren, wie einem Gegner die eigene Taktik, die hautpsächlich auf die Ballversorgung eines klassischen Mittelstürmers ausgerichtet ist, zerstören. Dieses Wissen könnte sich gegen Bremen auszahlen. Denn auch das Werder-Spiel hängt stark von einem Knipser ab: Claudio Pizarro.
Der Peruaner hat in zwölf Spielen elf Tore erzielt und ist damit so etwas wie Bremens Lebensversicherung. Daher ist man bei Werder froh, dass Pizarro rechtzeitig zum Spitzenspiel wieder fit wurde. "Es hat gut geklappt, ich hatte keine Schmerzen", sagte der Stürmer nach einem Härtetest Ende der Woche.
Hanke: "Sehen uns nicht als Spitzenmannschaft"
Die Statistik spricht für die Bremer, die seit fünf Auswärtsspielen in München ungeschlagen sind. Heynckes wartet als Trainer gar seit 17 Spielen auf einen Sieg gegen den Kollegen Thomas Schaaf. Der verriet auf einer Pressekonferenz schon sein Rezept: "Wir müssen möglichst viele Tore schießen. Man muss immer damit rechnen, dass man in München den einen oder anderen reinbekommt", sagte Schaaf. Allofs stapelte noch tiefer: "Wir wissen, dass wir uns noch längst nicht mit den Bayern messen können."
Solch devote Äußerungen hörte man in den vergangenen Tagen auch in Mönchengladbach. "Wir sehen uns nicht als Spitzenmannschaft", sagte Angreifer Mike Hanke vor dem Spitzenspiel gegen Dortmund. "Wir respektieren Dortmund, haben aber keine Angst", so Gladbachs-Trainer Lucien Favre. Auch nach dem Ausfall von Top-Torschütze Marco Reus (10 Saisontreffer in 14 Spielen), der sich beim Sieg im Derby gegen Köln den kleinen Zeh gebrochen hatte, ist dem Erfolgstrainer nicht bange: "Das System werden wir nicht ändern", sagte Favre.
Ähnlich wie bei Bayern gegen Werder prallen auch in diesem Duell zwei vergleichbare Systeme aufeinander. Dabei ist das Offensivspiel statt auf einen Stoßstürmer auf mehrere Kräfte ausgelegt und damit unberechenbar. Ein Ausfall von Reus schwächt den Gladbacher Angriff trotz aller Beteuerungen enorm. Sogar Dortmunds Trainer Jürgen Klopp dürfte die Verletzung des Nationalspielers stören. Er wird sein Team die komplette Woche auf den Dribbler vorbereitet haben und musste jetzt kurzfristig umstellen.
Das letzte Mal, dass in der Bundesliga die ersten vier Teams an einem Spieltag aufeinander getroffen sind, liegt übrigens schon über sieben Jahre zurück. Damals verloren sowohl Werder (als Tabellenerster 2:6 gegen den 4. Leverkusen) als auch Bayern (als 2. 1:3 beim 3. in Stuttgart). Dieser Fall ist am Samstag ausgeschlossen. So oder so: Die Fans dürfen sich auf einen Super-Samstag freuen.
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