Bundesliga-Prognose Showdown in Dortmund

BVB oder Bayern? Die Münchner sind zurück im Meisterkampf, laut Statistik ist das direkte Duell in Dortmund entscheidend. Für Hertha hingegen wird es richtig eng - rechnerisch verschlimmert der neue Trainer Otto Rehhagel die Lage sogar noch. Eine mathematische Bundesliga-Prognose.

Von Andreas Heuer

Bayerns Lahm (l.), Dortmunds Götze: Entscheidendes Duell im April
dapd

Bayerns Lahm (l.), Dortmunds Götze: Entscheidendes Duell im April


Im Bundesliga-Titelkampf wird es plötzlich wieder spannend. Erst wollten die Münchner nach ihrer Niederlage in Leverkusen "sicherlich nicht mehr von der Meisterschaft reden" (Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger), doch dann haben die überzeugend gewonnenen Spiele gegen Hoffenheim (7:1) und Hertha BSC Berlin (6:0) die Stimmung beim Rekordmeister gekippt. "Fünf Punkte kann man aufholen", zeigt sich etwa Franck Ribéry kämpferisch. Aber was sagt die Statistik zum Zweikampf zwischen München und Borussia Dortmund? Sind fünf Punkte in der Tabelle noch aufzuholen?

Wir schauen uns zunächst einmal die aktuelle Einschätzung der Leistungsstärke beider Mannschaften an. In unserem Vorhersagemodell der Bundesliga gehen in statistisch optimierter Weise verschiedene Größen wie zum Beispiel Torchancen, das Abschneiden in früheren Jahren und Marktwerte der jeweiligen Mannschaften ein.

Hier ein erster relevanter Vergleich: Während München pro Spiel im Durchschnitt sechs Torschüsse mehr im 16-Meter-Raum als der jeweilige Gegner produziert hat, beläuft sich dieser Wert bei Dortmund auf etwas mehr als vier (Quelle: Impire). Auch in anderen Bereichen liegt der Rekordmeister vorne. Die konkrete Rechnung führt zu der Erwartung, dass München in den restlichen Spielen einen Punkt mehr holen sollte als Dortmund (16/15).

Wegen der ausgeprägten Zufallskomponenten in einem Fußballspiel beträgt die statistische Unsicherheit dieser Vorhersage etwa 3,5 Punkte. Daher liegt trotz der aktuellen Differenz von fünf Punkten auf den BVB die Meisterwahrscheinlichkeit von München immer noch bei rund einem Drittel. Tatsächlich bewegen sich auch die Quoten der Buchmacher in diesem Bereich.

Von Weitsicht war in diesem Zusammenhang die Bemerkung von Bayerns Ribéry, dass bei einem Sieg in Dortmund für seinen Club wieder alles möglich ist. Wenn die Bayern das Duell am 30. Spieltag nämlich tatsächlich für sich entscheiden, wären sie mit 55 Prozent Wahrscheinlichkeit der neue Favorit. Bei einem Dortmunder Sieg würde dieser Wert auf zwölf Prozent absinken.

Wolfsburg noch mit Chancen im Kampf um Platz sieben

Durch die Halbfinal-Ergebnisse der Pokalspiele hat sich der Kreis der Mannschaften, die sich noch für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren können, erweitert. Auch der 7. Tabellenplatz sollte nun für die Qualifikation zur Europa League reichen. De facto streiten sich fünf Mannschaften (Leverkusen, Bremen, Hannover, Stuttgart, Wolfsburg) um die drei freien Plätze 5 bis 7.

Basierend auf den statistischen Daten sind alle Mannschaften ähnlich stark einzuschätzen, wobei Leverkusen tendenziell etwas besser erscheint und Hannover etwas schlechter. Wegen der ausgeglichenen Leistungsdichte ergeben sich daher die resultierenden Wahrscheinlichkeiten hauptsächlich aus den jetzt schon erreichten Punkten. Selbst Wolfsburg hat mit 20 Prozent noch realistische Chancen, Platz 7 zu erreichen.

Trainerwechsel ohne Wert

Im Abstiegskampf befinden sich die letzten sechs Mannschaften der Tabelle. Von der Leistungsstärke am schwächsten sind davon Köln und Augsburg einzuschätzen (Erwartung bis zum Saisonende: 8 Punkte). Diese Schlussfolgerung spiegelt sich auch in den Torschüssen aus dem 16-Meterraum wider.

Statt der sechs Schüsse, die der FC Bayern dort im Durchschnitt mehr abgibt als der Gegner, kommen im Tabellenkeller diese Werte zusammen: -4,5 für Köln und -3 für Augsburg. Köln kann sich glücklich schätzen, schon 28 Punkte erreicht zu haben. Die Plätze 16 bis 18 können so mit etwa 70 Prozent Wahrscheinlichkeit vermieden werden.

Für Kaiserslautern sieht es da deutlich schlechter aus. Auch wenn in den folgenden Spielen noch etwa 1,1 Punkte pro Spiel erreicht werden (im Vergleich zu den 0,75 Punkten bisher), ist die Wahrscheinlichkeit, zumindest Platz 15 zu erreichen, mit 13 Prozent recht klein.

Die geschätzte Verbesserung von 0,75 auf 1,1 Punkte hat übrigens nichts mit der Beurlaubung von Marco Kurz zu tun. Trainerwechsel sind aus statistischer Sicht ein wenig probates Mittel zur Leistungssteigerung. Die Berliner Aussichten auf den Klassenerhalt sind nach der Verpflichtung von Otto Rehhagel sogar deutlich gesunken (29 Prozent).

Wer wird Meister?

Meister 1.-3. 1.-7. 16.-18. Erwartete Restpunkte
Dortmund 59 67 99 100 15
München 54 31 99 100 16
Gladbach 51 1 62 100 13
Schalke 50 1 40 100 12
Leverkusen 40 91 12
Bremen 39 78 11
Hannover 38 53 10
Stuttgart 36 47 11
Wolfsburg 34 20 11
Nürnberg 31 3 3 10
Mainz 30 3 3 10
Hoffenheim 30 5 2 11
Köln 28 31 8
Hamburg 27 29 9
Augsburg 26 40 8
Freiburg 25 34 10
Hertha 23 71 9
Lautern 20 87 9

Wahrscheinlichkeiten in Prozenten



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insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
vostei 23.03.2012
1. ^^
Und Hamburg? Hm? HSV in Relegation mit St. Pauli? *grübelt* duckt sich und ist gespannt, ob freigeschaltet wird :D
zickezackehoihoihoi 23.03.2012
2. Cool
Zitat von sysopdapdBVB oder Bayern? Die Münchner sind zurück im Meisterkampf, laut Statistik ist das direkte Duell in Dortmund entscheidend. Für Hertha hingegen wird es richtig eng - rechnerisch verschlimmert der neue Trainer Otto Rehhagel die Lage sogar noch. Eine mathematische Bundesliga-Prognose. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,823035,00.html
Freiburg steigt nicht ab.
netroot 23.03.2012
3.
Zitat von sysopdapdBVB oder Bayern? Die Münchner sind zurück im Meisterkampf, laut Statistik ist das direkte Duell in Dortmund entscheidend. Für Hertha hingegen wird es richtig eng - rechnerisch verschlimmert der neue Trainer Otto Rehhagel die Lage sogar noch. Eine mathematische Bundesliga-Prognose. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,823035,00.html
Während Wolfsburg (dank eines glücklichen Siegs gegen Nürnberg) nun endlich doch 3 Punkte mehr hat als Nürnberg - haben sie noch Chancen auf den Uefa-cup-platz. Der Club hingegen steckt voll im Abstiegskampf. Damit die Presse auch recht behält, pfeifen die Schiris auch entsprechend. Armseeliger Journalismus! Fest steht jedoch, wenn Wolfsburg absteigt - gebe ich ein Fass Bier aus.
mlu 23.03.2012
4. Klar holt eine Mannschaft den Titel!
Zitat von sysopdapdBVB oder Bayern? Die Münchner sind zurück im Meisterkampf, laut Statistik ist das direkte Duell in Dortmund entscheidend. Für Hertha hingegen wird es richtig eng - rechnerisch verschlimmert der neue Trainer Otto Rehhagel die Lage sogar noch. Eine mathematische Bundesliga-Prognose. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,823035,00.html
Um es mit den Worten von Karl-Heinz Rummenigge zu sagen: Fußball ist keine Mathematik!
dhanz 23.03.2012
5.
Zitat von sysopdapdBVB oder Bayern? Die Münchner sind zurück im Meisterkampf, laut Statistik ist das direkte Duell in Dortmund entscheidend. Für Hertha hingegen wird es richtig eng - rechnerisch verschlimmert der neue Trainer Otto Rehhagel die Lage sogar noch. Eine mathematische Bundesliga-Prognose. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,823035,00.html
Nette Berechnungen, aber: 'Entscheidend is auffen Platz'
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