Bundesliga-Taktiktafel Sind Abwehrspieler die besseren Spielmacher?

Drei Verteidiger machen Hoffenheim stark, das zeigt die Taktiktafel von SPIEGEL ONLINE. Sie verrät auch, warum die vielen Offensivstars für Leverkusen ein Problem sind.

Taktiktafel SPIEGEL ONLINE
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Bayer Leverkusen wird wohl in der kommenden Saison nicht im europäischen Wettbewerb vertreten sein. Das steht zwar noch nicht endgültig fest, wird allerdings immer wahrscheinlicher. Bei der 0:1-Pleite in Hoffenheim setzte es bereits die zwölfte Saisonniederlage, der Rückstand auf einen Europa-League-Platz ist auf sechs Punkte angewachsen.

Aber warum läuft es so schlecht bei Bayer? Mit den offensiven Nationalspielern Julian Brandt, Karim Bellarabi oder Kevin Volland müsste es doch Tore en masse geben. Doch die Taktiktafel von SPIEGEL ONLINE zeigt, dass das Sprichwort "Viele Köche verderben den Brei" gut zur Leverkusener Lage passt. Für Hoffenheim gilt der Satz hingegen nicht.

Taktiktafel 25. Spieltag: TSG Hoffenheim vs. Bayer Leverkusen Um die Taktiktafel der Bayer-Elf zu sehen, klicken Sie bitte auf "Auswärts-Team".

Hinweis: Kreissymbole zeigen die durchschnittliche Position eines Spielers bei Ballkontakt, die Kreisgröße die Anzahl der Ballkontakte. Die Pfeile verdeutlichen wichtige Passbeziehungen zwischen zwei Spielern. Ihre Größe ist an die Anzahl der Pässe gekoppelt. Wie die Taktiktafeln im Detail entstehen, können Sie hier nachlesen.

Ein klassischer Spielmacher im zentralen Mittelfeld? Voll retro. In der Elf von Trainer Julian Nagelsmann gibt es gleich drei - und zwar in der Abwehr. Die Taktiktafel gegen Leverkusen verdeutlicht, wie sehr die Verteidiger Benjamin Hübner, Niklas Süle und Ermin Bicakcic das Aufbauspiel des Bundesliga-Vierten prägen. Auch in der Rückwärtsbewegung wird das Trio von den Mannschaftskollegen immer wieder gesucht.

Abwehrchef Süle, verlässt den Klub im Sommer in Richtung Bayern München
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Abwehrchef Süle, verlässt den Klub im Sommer in Richtung Bayern München

Dieser Plan zieht sich bereits durch die ganze Saison: Sicherheit in der Dreierkette gewinnen, Ruhe ausstrahlen und vorne zuschlagen. Auch gegen Leverkusen klappte das, die TSG feierte ihren elften Saisonsieg und hat mittlerweile gute Chancen, zum ersten Mal in der Klubgeschichte den internationalen Wettbewerb zu erreichen.

Das Tor des Tages schoss Sandro Wagner nach einem Angriff über die linke Seite - eine Ausnahme. Gegen Bayer griff die TSG meist durch die Mitte an, die Flügelspieler kamen kaum zur Geltung und die beiden Angreifer Wagner (drei Torschüsse) und Ádám Szalai (ohne Torschuss) tauchten nur selten im Strafraum auf.

Leverkusen bleibt unter Tayfun Korkut ohne Sieg, diesmal auch ohne Tor. Dabei riskierte die Elf durchaus etwas, stand höher als Hoffenheim und versuchte, mit Julian Brandt, Karim Bellarabi und Kevin Volland Druck auszuüben. Das Problem: Bayers Angreifer wichen zu selten auf die Außen aus und standen sich im Zentrum beinahe auf den Füßen. Die Idee, das Spiel in der eigenen Hälfte mit langen Pässen schnell zu überbrücken, ging nicht auf. Das Hoffenheimer Muster mit Abwehrspielern als Regisseure gibt es auch bei Bayer, wie die Taktiktafel des Teams vom vergangenen Mittwoch zeigt:

Beim 0:0 gegen Atlético Madrid spielte Bayer flexibler (klicken Sie in der Taktiktafel bitte auf "Auswärts-Team", um die Leverkusener zu sehen). Brandt und Bellarabi rückten nach außen, Volland und Chicharito blieben im Zentrum. Das Aufbauspiel über die Verteidiger wirkte in dieser Partie viel harmonischer als in Hoffenheim, wo zwischen Ömer Toprak und Aleksandar Dragovic gerade einmal acht Pässe stattfanden. Zum Vergleich: Die Kombination der Hoffenheim-Verteidiger Hübner auf Süle beziehungsweise Süle auf Hübner fand 86 Mal statt.

Zwar reichte es für Leverkusen auch gegen Atlético zu keinem Tor, doch Leverkusen erspielte sich zahlreiche Chancen (18 Torschüsse) und hatte beim Abschluss ein bisschen Pech.

Die Taktiktafeln von SPIEGEL ONLINE entstehen weitgehend automatisiert und basieren auf den offiziellen Spieldaten, die das Geschehen auf dem Platz detailliert erfassen. Sie zeigen sowohl die Positionierung einer Mannschaft beim Passspiel als auch die wichtigsten Passbeziehungen zwischen den Spielern. Hier finden Sie die weiteren Taktiktafeln des Spieltags:

Taktiktafeln der Spiele vom Freitagabend und Samstagnachmittag am 25. Spieltag

Leipzig wollte Bremen mit einer hohen Ausrichtung überfallen, verlor allerdings 0:3 (0:1). In der Taktiktafel des HSV werden Sie eine deutliche Linkslastigkeit finden. Für ein Tor reichte die starke (oder zu schwache) Linke nicht, die Partie gegen Eintracht Frankfurt endete 0:0. Borussia Dortmund hatte Schwierigkeiten, Pierre-Emerick Aubameyang ins Spiel zu bringen, für einen 1:0-Sieg gegen Ingolstadt reichte der schwache Auftritt trotzdem. In Köln führen zwar nicht alle Wege, aber genug zu Anthony Modeste, immerhin dreifacher Torschütze gegen Hertha BSC.

insgesamt 2 Beiträge
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loneacit 19.03.2017
1. Etwas blau
Die taktische Analyse ist mal wieder hervorragend, doch finde ich, werden einige Schlussfolgerungen nicht gezogen oder nicht genannt. Hoffenheim: gerade hier sieht man aber die Probleme der Mannschaft, wenn der Gegner sehr hoch presst und schon die IV attackiert/anläuft. Allerdings: Hübner und vor allem Süle lösen das immer wieder, sehr elegant. Lev: tja Leverkusen und seine hochtalentierten, aber u ungestümen wilden. Weder Bellarabi noch Brandt sind Flügelspieler im klassischen Sinne. Sie ziehen kaum bis zur Grundlinie mal durch, stehen selten an der Seitenauslinie um einen Pass anzunehmen. Sie stehen (und ziehen) immer im (oder in den) Kreis zwischen Sturmlinie und Mittelfeldlinie, Seitlich von den linien des Sechzehners, welche parallel zur Seitenauslinie verlaufen, begrenzt. Das die sich auf den Füßen stehen ist normal das sind ja gerade mal gute 50qm Platz, und da sind dann halt gleich drei auf einmal. Gegen Athletico standen sie mehr aussen, keine Ahnung wieso gegen Hoffenheim nicht. Gerade hier hätte es sinn gemacht. Denn beim Konter ist es dann ein tatsächliches 1 gegen 1 und da zieht Bicakic gegen Bellarabi klar den kürzeren
Skakesbier 19.03.2017
2. Bitte, bitte,
gebt mir endlich mal irgendwo einen wirklichen Spielmacher wie Overath oder Netzer, Rivera oder Mazzola, Falcao oder Zico zurück!
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