Von Benjamin Knaack
Hamburg - 47 Gegentore hatte der SC Freiburg vor der Partie gegen den FC Bayern in 21 Saison-Spielen kassiert. In der Bundesliga sind das mit Abstand die meisten. Und nun war am Samstagabend ausgerechnet der Rekordmeister zu Gast - mit 49 Toren der derzeit angriffstärkste Club. Freiburgs Torhüter Oliver Baumann hatte gute Gründe, besorgt zu sein.
Doch das drohende Schützenfest blieb aus. Mehr noch: Freiburg trotzte dem FC Bayern sogar ein 0:0 ab. Für die Münchner ein herber Rückschlag, schließlich hatten am Nachmittag die Titel-Konkurrenten Borussia Mönchengladbach und Dortmund mit Siegen vorgelegt. Bayern ist nun nur noch Dritter und hat bereits vier Punkte Rückstand auf die Spitze.
"Wir haben viel zu pomadig agiert und gedacht, dass wir spielerisch zum Erfolg kommen", sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes nach dem Spiel: "Gegen ein Team, dass um den Abstieg kämpft, muss man höheres Tempo gehen. Das haben wir aber erst in der zweiten Halbzeit gemacht."
Vor 24.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena begannen die Bayern offensiv - und wollten in der achten Minute schon jubeln. Doch Schiedsrichter Peter Gagelmann gab Holger Badstubers Kopfballtor nach einem Freistoß nicht. Der FCB-Verteidiger hatte im Abseits gestanden.
Flum dribbelt sich durch Bayerns Abwehr
Nach dieser Chance spielten jedoch nur noch die abstiegsbedrohten Freiburger. Zunächst verfehlte Erik Jendrisek mit seinem Schuss das Tor von Bayern-Torhüter Manuel Neuer noch deutlich (25.), doch kurz darauf düpierte Johannes Flum gleich vier Bayern-Spieler: Der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler dribbelte sich bis in den Strafraum und wurde in höchster Not von Jérôme Boateng am Torschuss gehindert (25).
Von Mario Gomez, Franck Ribéry, Thomas Müller und Co. war bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts zu sehen. Bayern kam mit der forschen Spielweise der Freiburger überhaupt nicht zurecht. Cédric Makiadi scheiterte in der 28. Minute mit einem Fernschuss.
Kurz vor der Pause musste SC-Torhüter Baumann dann zum ersten Mal richtig eingreifen. Müller nahm eine Flanke von Ribéry direkt - doch der Freiburger parierte glänzend (43.).
Robben vergibt die beste Chance
Bayern-Coach Heynckes reagierte auf die schwache Leistung seiner Mannschaft und brachte nach dem Seitenwechsel Offensivspieler Arjen Robben für Rafinha - und der Niederländer führte sich auch gleich gut ein: Aus spitzem Winkel zielte er nur knapp am SC-Tor vorbei (48.).
Auch in der 52. Minute stand Robben im Mittelpunkt. Jonathan Schmid schob den 28-Jährigen im Strafraum, der Offensivspieler ging zu Boden - Gagelmann ließ weiterlaufen. "Natürlich ist Robben gefoult worden", sagte FCB-Trainer Heynckes zu der Szene: "Doch wir sollten dem Schiedsrichter da keinen Vorwurf machen."
Bayern war nun stärker, doch Müller (68.) und Robben (71.) vergaben Chancen zur Führung. In der 73. Minute nahm Heynckes Gomez aus dem Spiel und brachte Ivica Olic. Gefährlich wurde es jedoch auf der anderen Seite: Daniel Caligiuri zwang Neuer zu einer Parade (84.). Doch ein Tor fiel nicht mehr.
"Die Mannschaften, die oben stehen, sind stabil. Eigentlich darf man sich in dieser Situation keinen Ausrutscher erlauben", sagte Heynckes im Hinblick auf den verlorenen Anschluss im Titelkampf.
SC Freiburg - Bayern München 0:0
Freiburg: Baumann - Sorg, Diagne (65. Guede), Höhn, Schmid - Rosenthal, Flum, Makiadi, Daniel Caligiuri - Santini (76. Reisinger), Jendrisek (81. Dembele)
München: Neuer - Rafinha (46. Robben), Boateng, Badstuber, Lahm - Luiz Gustavo, Alaba - Thomas Müller, Toni Kroos, Ribery - Gomez (73. Olic)
Schiedsrichter: Peter Gagelmann
Zuschauer: 24.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Diagne, Rosenthal (2) - Ribery (3)
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