Fakten über Bundesligatore Wer als Erster trifft, gewinnt (meistens)

Sie mögen Statistiken? Dann sind Sie hier goldrichtig. Sechs Spieltage sind in der Bundesliga absolviert, hier finden Sie acht Fakten über Tore, zusammengestellt vom Institut für Spielanalyse.

Robert Lewandowski (r.), Thomas Müller
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Robert Lewandowski (r.), Thomas Müller


1. Alle 19 Minuten fällt ein Tor: In den ersten 54 Spielen dieser Bundesligasaison fielen 153 Tore. Pro Spieltag waren es 25,5 Treffer, im Schnitt 2,83 pro Spiel, was exakt dem Schnitt der Vorsaison entspricht. Die torreichste Partie war das 4:4 zwischen Mainz 05 und der TSG Hoffenheim am zweiten Spieltag. In 50 von 54 Spielen fiel mindestens ein Tor, durchschnittlich klingelte es alle 19 Minuten. Das häufigste Endergebnis war das 2:1.

2. Bayern und Dortmund top, Hamburg Flop: Der FC Bayern München und Borussia Dortmund führen die Teamstatistik bezüglich der erzielten Tore mit 16 Treffern an (2,67 Tore pro Spiel). Schlusslicht ist der Hamburger SV mit zwei Treffern (0,33 pro Spiel). Das durchschnittliche Bundesligateam hat bislang 8,5 Tore erzielt, also 1,4 pro Spiel.

3. Am Ende klingelt's: In den ersten Hälften fielen bislang 57 Tore (37,3 Prozent), in den zweiten 96 (62,7 Prozent). Auffällig: In den letzten 30 Minuten inklusive der Nachspielzeit gibt es sehr viele Tore (47,1 Prozent aller Treffer). Die Vielzahl an Toren in der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit (9,3 Prozent aller Tore) entspricht dem Trend der großen europäischen Ligen in den vergangenen acht Jahren.

Diese Grafik zeigt, wann die bislang 153 Tore in dieser Saison fielen
Institut für Spielanalyse

Diese Grafik zeigt, wann die bislang 153 Tore in dieser Saison fielen

4. Wer als Erster trifft, gewinnt (meistens): Mannschaften, die das Führungstor geschossen haben, sind in 64 Prozent der Fälle auch als Sieger vom Platz gegangen. Wenn der Treffer in der ersten Viertelstunde fiel, konnten die Teams in zwölf von 18 Fällen gewinnen. Noch höher ist die Quote, wenn das Tor gegen Ende des Spiels zustande kam: Aufgrund der kurzen Zeit zum Ausgleich für die in Rückstand geratenen Teams steigt die Siegquote bei Führungstreffern, die nach der 75. Minute fielen, auf mehr als 80 Prozent. Lediglich in neun von 54 Spielen ging das Team als Sieger vom Platz, das nicht das erste Tor erzielte.

5. Fast jeder hat was mit den Toren zu tun: Insgesamt waren bislang 293 der 356 eingesetzten Spieler an Toren beteiligt (82,3 Prozent). Darunter fallen Torschützen (88 Spieler), Assistgeber (85 Spieler), aber auch Spieler, die Ballkontakte, Assist und den erfolgreichen Torschuss erst ermöglichen. Ein Beispiel für eine solche "indirekte Torbeteiligung" ist etwa das Blocken eines Abwehrspielers bei einem Eckball, sodass der Torschütze seinen Laufweg unbedrängt fortsetzen kann. Nach dieser Systematik sind an einem Bundesligator durchschnittlich mehr als vier Spieler beteiligt: 1,9 direkt, 2,0 beteiligt, 0,3 indirekt.

6. Wer ist der "most involved Player"? Welcher Spieler war prozentual an den meisten Toren seiner Mannschaft beteiligt, wer ist also der "most involved player"? Hier wurden Torerfolg, Assist, der wichtige vorletzte Pass, sowie die eingangs angesprochenen "indirekten Beteiligungen" berücksichtigt. HSV-Spieler Bobby Wood ist in dieser Liste mit einer hundertprozentigen Beteiligung an der Spitze, allerdings hat Hamburg auch erst zwei Tore geschossen. Aussagekräftiger ist da das Ergebnis von Freiburgs Vincenzo Grifo: Er war an sechs der sieben Treffer des SC beteiligt. Auch Vedad Ibisevic ist mit vier Beteiligungen und fünf eigenen Treffern - bei elf Teamtoren - gut unterwegs. Robert Lewandowski war an zehn von 16 Treffern des FC Bayern beteiligt.

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7. Schnellere Tore: "Es wird wieder mehr vertikalen Fußball geben", hat Carlo Ancelotti vor der Saison gesagt - und der Bayern-Coach scheint richtig zu liegen: Die meisten Phasen, in denen Team A den Ball hat und gegen Team B, das in der defensiven Grundordnung steht, zum Torerfolg kommt, dauern weniger als 13 Sekunden. Im vergangenen Jahr waren es im Schnitt noch 13,3 Sekunden gewesen. Nicht mit einberechnet sind Fälle, in denen das erfolgreiche Team den Ball im gegnerischen Drittel durch einen Risikopass verliert - ihn dann aber durch Gegenpressing zurückerobert und danach trifft. In diesen Fällen dauert es häufig nur vier oder fünf Sekunden, bis das Tor fällt, 44 Tore sind so entstanden. Deshalb hat Jürgen Klopp das Gegenpressing auch mal als "besten Spielmacher der Welt" bezeichnet.

8. Weniger Zufälle: Thomas Tuchel hat in der vergangenen Saison gesagt: "Es würde keinen Sinn machen, den Zufall auszublenden. Er spielt eine wesentliche Rolle im Ergebnis des Spiels. Wir kümmern uns mit allem, was wir haben, und mit voller Konzentration um all die Dinge, die wir beeinflussen können." Das ist ihm und seinen Kollegen gelungen, Zufallstore sind - wie schon bei der EM (Hier finden Sie eine Definition der Zufallskriterien) - auch in der Bundesliga rückläufig: Nur 31 Tore (20,3 Prozent) von den 151 geschossenen zeigten ein Zufallsmerkmal auf. In der Vorsaison waren es noch 32 Prozent. Eine häufige Situation, die zu Zufallstoren führt, sind Eckstöße. Das häufige Aufgeben der Ballkontrolle durch den langen Ball und die zahlreichen Interaktionen auf engstem Raum führen immer wieder zu Chaos.

Anteil des Zufalls nach Toren nach Standardsituationen
Institut für Spielanalyse

Anteil des Zufalls nach Toren nach Standardsituationen

Das Institut für Spielanalyse arbeitet seit 2010 in der Nahtstelle zwischen Sportwissenschaft und Sportspiel-Praxis. Für SPIEGEL ONLINE kommen während der Bundesligasaison 2016/2017 die Musteranalysen des Instituts regelmäßig zum Einsatz.



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