Nervöse Bundesliga: Das Trainer-Theater
Bei den Rhein-Rivalen Bayer Leverkusen und dem 1. FC Köln regiert Aufregung um die Trainer. Die zwei Clubs haben aber ganz unterschiedlich auf die Krise geantwortet: Bayer-Coach Dutt geht, FC-Trainer Solbakken bleibt. Beide Entscheidungen sind konsequent.
Wenn es Frühling wird, bricht in der Fußball-Bundesliga der Aktionismus aus. Die Saison geht in ihre entscheidende Phase, entsprechend steigt die Nervosität bei den Vereinen. Eine Situation, die sich in hektischen Situationen wie an diesem Sonntag entlädt, als sich in Leverkusen und Köln die Ereignisse überschlugen. Mit dem Resultat, dass der eine Coach, Robin Dutt, bei Bayer gehen muss/darf, der andere, Stale Solbakken, beim FC bleiben darf/muss.
Der Aktionismus wirkt ansteckend. Vereine, Medien, Spieler und Fans scheinen gleichermaßen davon befallen - und es ist nicht immer ganz klar, wer dabei die treibende Kraft darstellt und wer die Getriebenen sind. Dieser Sonntag im Rheinland hat dies sehr deutlich gezeigt.
Beispiel Leverkusen: Auf die Trennung von Robin Dutt lief am Ende alles zu. Der Trainer ist mit dem Bayer-spezifischen Spannungsfeld von Konzern, Vereinsführung, Mannschaft und Anhängern nicht zurecht gekommen. Die Fans haben mit Dutt gefremdelt, die Vereinsbosse Rudi Völler und Wolfgang Holzhäuser schaffen es einfach nicht, sich aus sportlichen Dingen herauszuhalten, der Bayer-Konzern im Hintergrund erhebt höchste Ansprüche, im Kader befinden sich Spieler mit einer Vorliebe für Grüppchenbildungen - und obendrauf gab es noch die Personalie Michael Ballack, der im Verein so eine Art eigene Fraktion bildet.
Dutt sorgte selbst für zusätzliche Unruhe
Dutt selbst brachte zudem das Talent ein, mit teils unbedachten, teils süffisanten Äußerungen in der Öffentlichkeit die Unruhe im Club konstant hochzuhalten. Seine Art war denn wohl die komplett unpassende, um das schwierige Bayer-Umfeld zu befrieden. Nach Bayern München gibt es für einen Trainer möglicherweise keine kompliziertere Gemengelage in der Liga als Leverkusen. Offenbar kommt nur der altersmilde Mittsechziger Jupp Heynckes mit solchen Bedingungen zurecht.
Beispiel Köln: Für den FC gelten zahlreiche der Kriterien, die das Arbeiten in Leverkusen erschweren. Ansprüche jenseits der Realität, viele, die mit- und reinreden wollen, ein schwieriger Kader. Angereichert wird all das aber noch durch eine aufgeregte Presselandschaft, die jeden ambitionierten Versuch, im Verein Dinge grundlegend zu ändern, erschwert. Solbakken hat zu seinem Amtsantritt in Richtung der Kölner Journalisten gesagt, sie hätten in der Vergangenheit ein bisschen zu viel Macht im Club ausgeübt. Der Sonntag war demnach so etwas wie eine Machtprobe.
Den Coach zu entlassen, wäre nach den armseligen Vorstellungen des Teams in den vergangenen Wochen die einfachste Lösung gewesen. Der "Express" hatte denn auch bereits den Vorjahrescoach Frank Schaefer - in der Stadt nach wie vor populär - in Stellung gebracht und die Aufregung rund ums Geißbockheim mit einem Liveticker befeuert. Der las sich dann so: "14.17 Uhr: Nach einem kurzen Besuch beim U21-Spiel der Kölner gegen Schalke hat sich Solbakken in seinen Ford gesetzt und hat den Waldparkplatz am Geißbockheim verlassen. 14.20 Uhr: Jetzt braust auch Co-Trainer Bard Wiggen vom Gelände des Geißbockheims. Ob wir ihn nochmal wiedersehen? 13.40 Uhr: Die anwesenden Kamerateams lassen sich Pizza kommen."
Der Medienreflex, von Solbakkens Entlassung auszugehen
Dem Reflex, nach der verkündeten Trennung in Leverkusen auch in Köln wie selbstverständlich von einer Entlassung auszugehen, haben am Sonntag zahlreiche Medien nachgegeben, nicht nur im Boulevard - auch SPIEGEL ONLINE gehörte dazu. Das Aus für Solbakken galt als sichere Sache.
Der FC, seit den Abgängen von Präsident Wolfgang Overath und Sportdirektor Volker Finke seiner Führungsebene mehr oder weniger entledigt, hat diesem Impuls dagegen letztlich widerstanden und damit der Mannschaft kein billiges Alibi verschafft. Das zumindest ist bei all dem unschönen Chaos, in dem diese Entscheidung herbeigeführt und kommuniziert wurde, bemerkenswert.
Solbakken mag nach diesem Beschluss wie ein Trainer von Gnaden der FC-Geschäftsführung wirken, wie ein Coach auf Bewährung, dessen Demission nur aufgeschoben ist. Wenn man in Köln jedoch konsequent bleibt und die angekündigten "radikalen Maßnahmen" im Team tatsächlich umsetzt, dann wäre die Entscheidung vom Sonntag auch ein Zeichen wider den Frühlingsaktionismus.
Die Erfahrung sagt allerdings: Wenn der FC am kommenden Wochenende gegen Bremen wieder verliert, dann geht alles von vorne los. Inklusive Liveticker.
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