Bundesliga-Transfers: Magie des Pinkepinke-Plans

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Bisher hat die Bundesliga weit weniger in neue Spieler investiert als im Vorjahr. Ein Trend zur Sparsamkeit ist daran aber nicht abzulesen, eher die eine oder andere neue Vereins-Philosophie. Geld für Transfercoups ist vorhanden - solange der TV-Sender Sky zahlen kann.

Transfers in der Bundesliga: Das Wechselkarussell 2010 Fotos
ddp

Natürlich Wolfsburg. Manager Dieter Hoeneß tut das, was er immer schon am besten konnte: Geld ausgeben. Der VfL hat - mit dem Segen des Volkswagen-Konzerns ausgestattet - von allen Bundesligavereinen bisher am meisten in neue Spieler investiert. Für 14 Millionen Euro hat sich der Club eine nagelneue Innenverteidigung gegönnt und vor das Garagentor gestellt wie ein Luxusmodell des Sponsors, insgesamt 22 Millionen Euro hat Wolfsburg bisher ausgegeben.

Andere waren bis dato weit zurückhaltender, selbst die potenten Spitzenclubs wie Bayern München, der VfB Stuttgart oder Werder Bremen. Da heißt es schnell, die Bundesliga gehe auf Sparkurs, von der neuen Bescheidenheit ist die Rede. Doch für eine solche bilanzierende Feststellung ist es viel zu früh.

Die Transferperiode - ein fast magisches Wort für Fans, um die Sommerpause zu überbrücken, Lebenselixier über Wochen für Zeitungen, vorzugsweise in Südeuropa. Spekuliert wird, was die Branche hergibt. Portale wie Springer-Ableger transfermarkt.de geben das tägliche Futter dazu, das Blätter wie "Bild" dann weiterverwerten: Ibrahim Afellay zu Schalke 04? Hugo Almeida zu Real Madrid? Per Mertesacker zum FC Arsenal? Marktführer transfermarkt.de nennt die Rubrik ungeniert "Gerüchteküche" - und mehr ist es auch nicht.

Bis zum 31. August haben die Vereine der Bundesliga noch Zeit, ihre Personalplanungen voranzutreiben. Noch fast vier Wochen - das ist ein sehr großes Transfer-Zeitfenster. Speziell im Jahr einer Fußball-Weltmeisterschaft, wo sich die Wechselaktivitäten traditionell zeitlich nach hinten verschieben. Während des weltmeisterlichen Schaulaufens ruhen die Geschäfte mehr oder weniger - das ist fast ein ungeschriebenes Gesetz.

Schaufenster-Effekt der WM ist übertrieben

Wobei der Effekt der WM als Schaufenster gemeinhin übertrieben wird. Wer erst während eines Turniers merkt, welcher bislang unentdeckte Spieler für die eigene Kaderplanung wertvoll sein kann, hat seine Hausaufgaben zuvor nicht gemacht. Der frisch gebackene Madrider Sami Khedira dürfte zu den wenigen gehört haben, die sich durch die WM noch interessanter gemacht haben, als sie vorher schon waren. Aber der Kontakt von Real Madrid zum Khedira-Berater Jörg Neubauer war auch schon lange hergestellt, bevor das deutsche Team aus Südafrika zurückkehrte. Noch vor dem abschließenden Spiel um Platz drei gegen Uruguay war der bisherige VfB-Profi genau über das Interesse aus Spanien informiert.

Es stimmt: Die Bundesliga hat bisher deutlich weniger ausgegeben als im Vorjahr. Damals hatte allerdings allein der 30-Millionen-Euro-Wechsel von Mario Gomez, der aus Stuttgart zu den Bayern ging, die Bilanz nach oben gejazzt. Der Markt ist im Vergleich zu den Vorjahren, als vor allem die englische Premier League mit Mondpreisen agierte, weniger überhitzt. Auch auf der Insel bewegen sich die Transfers in diesem Sommer in einem Rahmen von maximal 20 Millionen Euro. Noch fehlen die spektakulären Deals. Das heißt aber nicht, dass sie nicht noch kommen können.

Denn noch ist Geld vorhanden - auch in Deutschland. Die Zukunft des Bezahlfernsehens als einer Haupteinnahmequelle der Vereine ist zumindest kurzfristig gesichert. Der Fernsehsender Sky, der allein in diesem Jahr gut 240 Millionen Euro in die Liga pumpt, ist von seinem Haupteigner Rupert Murdoch gerade wieder mit einer Kapitalerhöhung lebensverlängernd aufgepäppelt worden.

Selbst für den Fall, dass Sky aufgeben müsste, ist das Risiko für die Deutsche Fußball Liga (DFL) in der kommenden Saison abgedeckt, nachdem der chronisch defizitäre Sender, der bei der Zahl seiner Abonnenten nach wie vor weit hinter dem Plan zurückhängt, im Mai eine Bürgschaft der Royal Bank of Scotland präsentiert hatte. Sky braucht gut drei Millionen Abonnenten, um profitabel zu arbeiten. Über 2,4 Millionen ist der Sender bislang nicht hinausgekommen.

Auch der FC Bayern könnte noch zuschlagen

Sky befinde sich "in einer Situation, die erwartet wurde. Alles ist im Rahmen dessen, was prognostiziert wurde", hat DFL-Boss Reinhard Rauball noch am Dienstag kommentiert und damit versucht, die Sorgen der Proficlubs vorerst zu vertreiben. Aber die Unsicherheit über die Zukunft des TV-Marktes wird bei manchem Vereinsmanager, der über den Tag hinausdenkt, auch dazu führen, das Vereinsvermögen erst einmal zurückhaltend auf dem Transfermarkt zu investieren.

Ein Verein wie Bayern München wird jederzeit das Potential haben, kurzfristig mit 20 bis 30 Millionen Euro auf den Markt zu gehen, um einen Topspieler zu verpflichten. Wenn er es derzeit (noch) nicht tut, dann hat das weniger mit Sparsamkeit zu tun als mit der Kader-Philosophie von Trainer Louis van Gaal, der bekanntlich lieber mit einem überschaubaren Team arbeitet - und die meisten Positionen in seinem Team ohnehin gut besetzt sieht. Falls nach Arjen Robben noch ein weiterer Schlüsselspieler über einen längeren Zeitpunkt verletzt ausfallen sollte, wird aber sicherlich auch der FC Bayern seine Zurückhaltung aufgeben.

Dass Schalke 04 derzeit den gegenteiligen Weg im Vergleich zu den Münchnern geht, liegt vorrangig daran, dass der Big Boss Felix Magath einen großen Kader bevorzugt und starke Konkurrenz eher für belebend hält als van Gaal. Magath gibt die teuren Leistungsträger der Vergangenheit wie Kuranyi, Bordon oder Rafinha ab, dadurch kommen wie im Fall Rafinha Ablösemillionen in die Kasse, stattdessen werden Stars à la Raúl geholt, die ablösefrei sind und man über das Gehalt ködert. Beim Hamburger SV hat man sich das Finanzmodell ausgedacht, einen zahlungskräftigen Investor mit dem Unternehmer Klaus-Michael Kühne an Bord zu holen und diesen dafür an den Gewinnen von Spieler-Transfers zu beteiligen.

Ein Liga-Trend ist an alldem nicht abzulesen.

Dennoch hat jedes Team zwei Wochen vor dem ersten Spieltag in der Liga noch ein oder zwei Baustellen. Bei Schalke fehlt noch ein Stürmer, beim Hamburger SV ist ein Torwart zu viel, bei Werder Bremen bleibt die Personalie Mesut Özil ungeklärt, bei Wolfsburg ist die Zukunft von Torjäger Edin Dzeko allen Machtworten der Vereinsoberen zum Trotz offen. Der 1. FC Köln bräuchte ungefähr noch acht neue Stammspieler, um die Ansprüche der Fans so einigermaßen zufrieden zu stellen. Und was ist eigentlich mit den Millionen von Sponsor Dietmar Hopp beim ehemaligen Primus 1899 Hoffenheim?

In der Gerüchteküche wird noch 26 Tage gebrutzelt.

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insgesamt 27 Beiträge
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1. Unterhaltsamer und informativer Artikel,...
phlipy 06.08.2010
... aber wenn ich an dieser Stelle eine Bitte äußern dürfte, ohne den Foren-Beckmesser zu geben: "hochjazzen" als Verb ist mir dann doch doch etwas zu exotisch in der Wortwahl. Solange die deutsche Sprache aber treffende Begriffe bereitstellt, darf man bitte diese ruhig verwenden und muss nicht auf solche vermeintlich-moderne Kunstworte zurückgreifen. Mit dem "Pinkepinke-Plan" hingegen kann ich gut leben.
2. das mit Sky funktioniert in Deutschland nicht...
derlabbecker 06.08.2010
.... ich bin dafür ein gutes Beispiel. Ich bin absoluter Fussball-Fan. Dennoch habe ich kein Sky Abo, und hatte auch noch nie eins, ob Premiere, Arena, oder eben Sky. Warum nicht? Wir Deutschen ticken anders. In England oder Italien setzt sich die ganze Familie vor den Fernseher und schaut den Liebslingsverein. In Deutschland sollte ich das mal vorschlagen... :-). Ich hab ehlich gesagt auch besseres zu tun um am Wochenende mir an diesen mittlerweile furchtbar gesplitteten Spieltagen die ganzen Spiele anzusehen. Da gehe ich im Sommer lieger in den Garten und höre auf WDR2 'Liga Live'. Und die Zusammenfassung in der Sportschau oder im Sportstudio bzw. auf Sport 1 sind doch OK.
3. Es wäre nicht schade um Sky
Nordblick 06.08.2010
Wenn dieses Werbeinstrument von der TV-Bühne verschwinden würde, könnte es dem Fussball auf Dauer nur besser gehen. Aber auch dem Zuschauer, dem dieser unerträgliche Werbeterror rücksichtslos zugemutet wird. Neben Sky ist besonders auch der sog. Sportsender "Sport 1" zu nennen, der mit einem nie dagewesenen, kläglichen Niveau seiner Programme und Berichterstattung die Freude am Sport nur noch verleiden kann. Also abschalten, wenn diese Sender das schon nicht freiwillig tun!
4. ...
Chekov 06.08.2010
Zitat von NordblickWenn dieses Werbeinstrument von der TV-Bühne verschwinden würde, könnte es dem Fussball auf Dauer nur besser gehen.
Können sie das präzisieren?
5. Sky geht vorbei
niklaw 06.08.2010
Die Betriebsblindheit von Premiere/Sky ist eigentlich schon legendär. Es will den "Top Managern" einfach nicht in den Kopf, dass ihr Angebot einfach nicht attraktiv genug ist angesichts GEZ, Kabelgebühren und vielen frei empfangbaren Sendern. Lustig ist auch die Freundschaftswerbung, die letzte Saison bei jedem Spieltag gelaufen ist. "Laden Sie einen Freund ein Sky zu bestellen und wir schenken Ihnen einen Monat". Dann sitzen meine Freunde und ich alle alleine zu Hause, zahlen zusammen das fünffache und müssen endlich nicht mehr das Geschrei bei Chancen und Toren ertragen. Geht´s noch?
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