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BVB-Niederlage in Hamburg: Gefährliche Lässigkeit

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31 Spiele ungeschlagen, zuletzt auch in der Champions League erfolgreich - wer sollte diesen BVB schlagen? Antwort: der HSV. Gegen die kriselnden Hamburger leistete sich der Meister eine unkonzentrierte Vorstellung und viele Fehler. BVB-Trainer Jürgen Klopp will mit Kritik dennoch sparsam umgehen.

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BVB-Spieler Jakub Blaszczykowski: Überlegen, aber am Ende unterlegen

Hamburg - Es ist ein schmaler Grat zwischen Selbstsicherheit und Überheblichkeit. Zweimal Meister, DFB-Pokalsieger, die Titel gewonnen mit stilprägendem Offensivfußball. Borussia Dortmund weiß, was es kann.

Wenn der BVB eine durchschnittliche Leistung abruft, reicht das gegen den Großteil der Bundesligisten zum Sieg, so hoch ist das Niveau inzwischen in der Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp. Was also sollte passieren beim Hamburger SV, der punktlos und fast schon hoffnungslos schlecht in die Saison gestartet war?

Die Statistiken der Partie deuteten später tatsächlich auf ein typisches BVB-Spiel hin: Die Borussia verfügte über mehr Ballbesitz als der Gegner (56 zu 44 Prozent), eine starke Passquote (80 zu 71 Prozent) und deutlich mehr Eckbälle (10 zu 2). Zudem hatten die Dortmunder insgesamt 26 Torschüsse (HSV: 6) abgegeben. Einzig in der entscheidenden Kategorie, den Toren, lag der Gastgeber vorn. 3:2 gewannen die Hamburger ihr Heimspiel.

"Wir haben dieses Spiel selbst entschieden - in beide Richtungen", ärgerte sich BVB-Kapitän Sebastian Kehl. Klopp sprach von einem "gebrauchten Tag" und war bemüht, die erste Niederlage nach 31 Spielen schnell abzuhaken. Der HSV habe zwar gut gekämpft, letztlich aber glücklich gesiegt, so Klopp: "Wenn wir unsere Chancen genutzt hätten, hätten wir 5:3 gewonnen."

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Hätte, hätte. Stattdessen aber leistete sich die Borussia einen äußerst arglosen Start. "Das erste Gegentor passte zur Anfangsphase", ärgerte sich Klopp. Bereits in der zweiten Minute hatte Heung-Min Son nach Vorarbeit von Rafael van der Vaart getroffen. Klopp: "Wir waren nicht griffig genug."

Und auch nach dem Rückstand änderte sich diese Einstellung nicht entscheidend. Unkonzentriertheiten im Angriff, ein Aussetzer von Torhüter Roman Weidenfeller beim zweiten Hamburger Treffer durch Ivo Ilicevic und mitunter überheblich wirkende Aktionen der Innenverteidiger Mats Hummels und Neven Subotic deuteten über die gesamte Spielzeit darauf hin, dass der Gegner ein wenig zu sehr auf die leichte Schulter genommen worden war.

"Wir müssen wieder dazu kommen, weniger Fehler zu machen", forderte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc. Und auch Klopp musste eingestehen, seine Mannschaft sei "weit neben dem gewesen, was wir können. Viel gefallen hat mir nicht."

Am Dienstag muss der BVB bereits bei der makellos in die Saison gestartete Eintracht aus Frankfurt antreten, am kommenden Wochenende bei Borussia Mönchengladbach, dann beim englischen Meister Manchester City (jeweils im Liveticker bei SPIEGEL ONLINE) - viel Zeit hat der Trainer also nicht, um seinem Team diese gefährliche Lässigkeit abzugewöhnen.

Vielleicht hat der 45-Jährige das aber auch gar nicht vor. "Wenn man so lange so erfolgreich war wie wir, kann ich mich nicht hinstellen und die Dinge so kritisieren, wie man sie eigentlich kritisieren müsste", sagte Klopp nach der Niederlage. Es scheint, als hätte er das Spiel auch nach dem Abpfiff noch nicht ganz ernst genommen.

Hamburger SV - Borussia Dortmund 3:2 (1:0)
1:0 Son (2.)
1:1 Perisic (46.)
2:1 Ilicevic (55.)
3:1 Son (59.)
3:2 Perisic (60.)
Hamburg: Adler - Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen - Badelj, Arslan - Son, van der Vaart (87. Sala), Ilicevic (69. Beister) - Rudnevs (77. Berg)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Leitner, Kehl (63. Blaszczykowski) - Perisic, Götze, Reus (63. Schieber) - Lewandowski Schiedsrichter: Perl
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Badelj, van der Vaart / Schmelzer

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