Drei Thesen zur Bundesliga Was bei Schalke und Leverkusen falsch läuft

In der vergangenen Saison wurde der FC Schalke dank seiner starken Defensive Vizemeister. Bayer Leverkusen spielte beeindruckenden Offensivfußball. In der neuen Saison ist von beidem nicht mehr viel zu sehen.

Sebastian Rudy
AFP

Sebastian Rudy

Von und


1. Schalke hat seine größte Stärke der Vorsaison verloren

Die Stärke von Schalke 04 in der vergangenen Saison ist die Schwäche der laufenden: Die Defensive. Kassierten die Königsblauen in der Premierensaison von Domenico Tedesco die drittwenigsten Gegentore der Liga und spielten 13 Mal zu Null, ist eben diese starke Abwehr das Sorgenkind der Schalker. Nach drei Spieltagen haben sie schon sechs Gegentreffer kassiert. Gegen Borussia Mönchengladbach wurden sogar Schwächen bei hohen Bällen offensichtlich.

Nur zur Erinnerung: Die Schalker Dreierkette ist durchschnittlich 1,94 Meter groß. Das 0:1 in Gladbach fiel nach einem Eckball, das 0:2 nach einer Flanke. Bei beiden Toren wirkte die Verteidigung erschreckend unorganisiert. Die Verpflichtung Salif Sanés von Hannover 96 sollte eigentlich für noch mehr Stabilität sorgen. Doch bislang ist das Gegenteil der Fall.

Das wurde gerade beim zweiten Gegentor deutlich, als sich vier Schalker bei einer Hereingabe von Oscar Wendt gegenseitig behinderten und Patrick Herrmann zur Entscheidung einschießen ließen. Tedesco wurde für seine Erfolge zwarvon den Schalke-Fans gefeiert, aber auch dafür kritisiert, dass er seine Mannschaft zu destruktiv spielen lässt. Wenn die Erfolge ausbleiben, dürfte die Kritik immer lauter werden.

2. Leverkusen auch

Was bei Schalke die starke Defensive war, war bei Leverkusen in der Vorsaison der Angriff: 58 Tore in 34 Spielen - Bayer stellte die viertbeste Offensive der Bundesliga. Nur die Bayern, Hoffenheim und Dortmund trafen öfter. Heiko Herrlich, selbst ehemaliger Stürmer, ließ sein Team phasenweise begeisternden Angriffsfußball spielen. Und jetzt?

In München setzte Herrlich auf eine Fünferkette und davor mit Dominik Kohr und Lars Bender zwei sehr defensiv eingestellte Sechser. Sieben Spieler, deren Hauptaufgabe es sein sollte, gegen den Ball zu arbeiten und die Bayern in ihren Kombinationen zu stören. Das ging nur bedingt auf. Leverkusen schaffte es zwar, eine sehr hohe Niederlage zu verhindern, hatte aber auch keine ernstzunehmende Chance, selbst mehr als das eine Elfmetertor durch Wendell zu erzielen und verlor hochverdient 1:3.

Dasselbe Ergebnis hatte es gegeben, als die beiden Teams im Vorjahr zum Saisonauftakt aufeinandertrafen. Dabei hatte Bayer 04 aber im 4-2-3-1 nicht nur stark mitgespielt, sondern sich eine Vielzahl guter Gelegenheiten erarbeitet. Nach dem schwachen Saisonstart scheint Herrlich der Mut verlassen zu haben, offensiv spielen zu lassen. Wenn er die Leverkusener wieder zurück zum Erfolg führen will, sollte er schnell wieder zu seiner Grundidee zurückfinden.

3. Warum so viele späte Tore fallen

Zwölf Tore fielen am bisherigen Bundesligaspieltag in der Schlussviertelstunde, zehn davon erzielten eingewechselte Spieler. Ganz klar: Die Bundesliga hat ein Joker-Problem. Wo ist Batman, wenn man ihn braucht? Aber im Ernst: Es gibt verschiedene Erklärungsansätze für die vielen späten Tore.

Zum einen sind die Kader der Bundesliga-Teams auch in der Breite immer besser besetzt, sodass die Trainer Tore einwechseln können, wie Lucien Favre es beim Dortmunder Sieg gegen Frankfurt gezeigt hat. Zum anderen scheint die Bundesliga noch ausgeglichener geworden zu sein. Die Mannschaften hinter dem Serienmeister aus München rücken immer näher zusammen.

Die größere Leistungsdichte hat zur Folge, dass kaum Spiele früh entschieden sind. Oft steht es kurz vor Abpfiff unentschieden, oder eins der Teams führt nur mit einem Tor Vorsprung. Dadurch kommt späten Treffern eine größere Bedeutung zu. Dementsprechend offensiv wechseln die Trainer. Die Folge: Die frischen, eingewechselten Spieler erzielen Tore, die spielentscheidende Bedeutung haben.

insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Teigkonaut 16.09.2018
1. Stimmt schon aber
Die Mannschaften hinter den Bayern werden immer ausgeglichener. Bei Schalke sehe ich hausgemachte Fehler: Kehrer nicht adäquat ersetzt in der Defensive, einen Max im Ärger ziehen gelassen. So verlieren die ihre Leistungsträger. Auf der anderen Seite überrascht ein Verein wie Hertha, die ohne spektakuläre Verpflichtungen diszipliniert spielen. Bei dieser Leistungsdichte werden schon einzelne Fehler (siehe Schalke) und Verletzungsprobleme (siehe Hoffenheim) gnadenlos bestraft.
sissy69 16.09.2018
2. Und was genau läuft bei S04 und LEV jetzt falsch?
Die Artikelüberschrift klingt nach einem Erklärungsansatz. Mehr als eine Zustandsbeschreibung des Offensichtlichen im Vergleich zum Vorjahr ist es leider nicht geworden. Die einen schießen zu wenig, die anderen kassieren zu viele Tore. Aha!
Pete_Ross 16.09.2018
3. Von Köln nach Schalke
Die Gründe für den Schalker Fehlstart sind folgende: Man hatte die letzte Saison mächtig viel Glück, viele Spiele wurden knapp gewonnen, die man auch hätte verlieren können oder wo man nur ein Unentschieden hätte erreichen dürfen. Garant für dieses "Glück" war eine sichere und kompakte Abwehr und schnelles Konterspiel mit einer hohen Verwertungsrate. Häufig war es so, dass der Gegner 20-Mal aufs Schalker Tor geschossen hatte - erfolglos, Schalke 1-2 Chancen hatte und den Siegtreffer erzielte. Dadurch entstand ein Zerrbild der Realität, dem man heute folgt, als hätte man wirklich guten Fußball gespielt, erfolgreich, ja, aber nicht wirklich gut. Tedesco war gestartet, um attraktiven Angriffsfußball zu spielen, aber was ist daraus geworden? Kein Konzept, kein Plan, keine Strategie, ein durcheinander laufender Hühnerhaufen, das ist alles. Ebenso kann man Leute wie Kehrer, Meyer und Goretzka nicht ersetzen. Ich behaupte einmal, dass Rudy ein kompletter Fehlkauf sein wird und er die gesamte Saison eher Zweitliga-Niveau bringen wird. Wenn Schalke diese Saison so viel Pech hat, wie Glück in der letzten Saison, dann steigen sie ab --> siehe 1. FC Köln. Die hatten in der letzten Saison auch das Pech an den Fußballschuhen kleben. Die haben teilweise richtig guten Fußball gespielt, aber einen Modeste, auf dem das ganze Spielkonzept beruhte, konnte man nicht ersetzen und ein anders Spielsystem gab es nicht. So sehe ich die ganze Sache. Das sind die Gründe. Lösung? Keine in Sicht, das kann man kurzfristig nicht mehr reparieren, ich hoffe, ich liege falsch, aber ich glaube nicht.
thomas0815-1 16.09.2018
4. Mein Gott
Es sind gerade mal 3 Spieltage (fast) rum und der SPON liefert eine "gründliche Analyse" zu Schalke und Bayer. Das ist nichts weiter als Zeilenschinderei - nullkommanix Informationswert. Ich wette nach weiteren 5 Spieltagen sieht die Tabelle ganz anders aus, und dann weiß SPON wieder ganz genau woran es liegt.
Franke aus Hamburg 16.09.2018
5. Die Liga...
... rückt enger zusammen. Das ist auch ein Grund dafür, dass Köln HRB Nr Hamburg abgestiegen sind. Diese Saison wird es auch ein oder gar zwei Vereine treffen, die heute über einen Abstieg noch lachen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.