Der grüne Virus Der mysteriöse Zerfall einer großen Mannschaft

5. Teil: Hunts Werder: Zehn Jahre treu


        Zehn Jahre treu         

Als Özil nach der WM 2010 zu Real Madrid wechselte, trauten Schaaf und Allofs Hunt und Marin zu, das kreative Duo im Offensivspiel zu werden, aber beide erfüllten die Erwartungen nicht. "Wir hatten nicht mehr die Anhäufung von Top-Spielern im Kader", sagt Allofs, "es hat nicht funktioniert, gleichwertige Nachfolger zu integrieren". Und gute Spieler, die man geholt habe, seien bei Werder nicht besser geworden.

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Erfolgreiche Mannschaftspässe in der Ära der jeweiligen Spielmacher (in %)

Die ausbleibenden Erfolge in drei Spielzeiten (13., 9., 14. Tabellenplatz) und die fehlenden Einnahmen aus europäischen Wettbewerben reduzierten die jährlichen Einnahmen um bis zu 25 Millionen Euro. Spieler, die auf Champions-League-Niveau verdienten, mussten den Verein verlassen, Per Mertesacker, Pizarro, Tim Wiese, Naldo, Marin zogen weiter zu verdienstvolleren Verträgen und beschleunigten den sportlichen Abstieg.

Werder-Stars Naldo, Borowski, Mertesacker
ddp images/ dapd

Werder-Stars Naldo, Borowski, Mertesacker

Stürmer Marin
action press

Stürmer Marin

Wo das Geld aus den Champions-League-Jahren und aus den Transfers von Diego (27 Millionen Euro) und Özil (18 Millionen) geblieben sei, wird der Aufsichtsrat immer wieder gefragt, und Lemke antwortet: "Es ist bekannt, dass wir zu Zeiten der Champions League einen sehr kostenintensiven Kader gehabt haben. Zusammen mit einigen Transfers, die nicht optimal liefen, wurden die eingenommenen Beträge recht schnell wieder in die Mannschaft investiert."

Das Gebaren von Allofs und Schaaf ähnelt der Spekulation von Spielern

Von Zockereien an den Finanzmärkten ist im Verein die Rede, von Spekulationen rund um die insolvent gegangene Reederei Beluga - einem Werder-Sponsor - und von zig Millionen, die im Stadionausbau verschwendet worden seien, aber Lemke weist das alles zurück. Allerdings sei der Verein bei der Kalkulation des Stadionausbaus von 22 und mehr Spielen pro Saison ausgegangen, die Einnahmen aus den internationalen Spielen fehlten jetzt.

Spielmacher Hunt
Getty Images

Spielmacher Hunt

Die Versuche von Allofs und Schaaf, mit teuren, aber erfolglosen Transfers (Eljero Elia, Marko Arnautovic, Ekici) schnell wieder nach oben zu kommen, engen den finanziellen Spielraum des Vereins weiter ein, so dreht sich die Abwärtsspirale immer schneller. Das Gebaren von Allofs und Schaaf ähnelt in dieser Phase der Spekulation von Zockern im Casino, die das letzte Geld einsetzen, um das große Los zu ziehen. Wegen der jahrelangen Erfolge hatten sie grenzenlosen öffentlichen Kredit.

Es gibt Siege, nach denen jene, die auf dem Platz standen, die Helden des Abends, gefeiert werden, indem erst einmal genau die aufgezählt werden, die eben nicht auf dem Platz standen. Das Publikum liebt diese Geschichten. Deshalb noch mal zur Erinnerung: Gegen Real Madrid musste Werder Bremen ohne Tim Wiese, Pierre Womé, Diego, Leon Andreasen, Torsten Frings, Hugo Almeida und Tim Borowski antreten. Nach sechs Minuten verletzte sich dann auch noch Clemens Fritz. Es sah also schlecht aus für die verbliebenden Gefährten von der Weser, für Schaafs Hobbits. Weil die größte Kraft im Fußball manchmal aus der Ausweglosigkeit entsteht, bekämpften die Bremer den Favoriten aus Madrid mit allem, was sie hatten. Und alles, was sie hatten, war in diesem Spiel vor allem der junge Aaron Hunt, der sich in Abwesenheit Diegos das Mittelfeld unterwarf und schließlich auch das entscheidende dritte Tor erzielte. Werder siegte 3:2. Eine gute Geschichte.



insgesamt 53 Beiträge
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broca 14.05.2014
1. Grammatik ändern
Ich glaube, dass wegen SpOn die Grammatik geändert werden sollte, denn hartnäckigerweise hält sich dort das grammatikzerstörende Virus, dass sein eigenes Genus mutiert und vollführt ungehindert sein zerstörerisches Werk.
Tatarak 14.05.2014
2. Was denn nun?
Durch Virus oder Fehlentscheidungen?
iki 14.05.2014
3. Interessant
In der "Elf" des Jahrzehnts fehlt noch Dys Kalkulie!
robin-masters 14.05.2014
4. Hauptfehler
der Hauptfehler war die Annahme das man mit teuren Transfers auch gute Spieler bekommt. Das Problem haben schon viele Clubs erfahren müssen inkl. BVB und Mönchen Gladbach etc. Es gibt einfach sehr viele Faktoren die dazu beitragen ob ein Spieler Erfolg hat und das ist nicht nur der Preis!
desitka 14.05.2014
5. Fehlentscheidungen
Das Problem begann aus meiner Sicht, als Werder sich von dem jahrelang erfolgreichen Prinzip, nicht mehr Geld auszugeben,als reinkam verbaschiedete. Lange wurden altgediente aber inzwischen günstige Recken wie Burgsmüller, Allofs oder Kostedde mit damals jungen noch günstigen Spielern wie Völler,Riedle,Basler,Ailton sowie international erfahrenen Ausländern wie Bratseth,Herzog,Pezzey, Micoud zu einer alle Bereiche abdeckenden Mannschaft geformt. Erst als man Anfing viel Geld in die Hand zu nehmen (Carlos Alberto,Wesley etc) und sich kaum noch für den Nachwuchs interressierte gings bergab. Als Folge müssen Spieler wie Clemens Fritz, die nicht einmal mehr entfernt die alten Listungen bringen oder Spieler wie Prödl als Einäugiger untern den Blinden das Gerüst bilden. Das kann nicht gutgehen. Im Übrigen wurden wirkliche Talente wie zB Kruse nicht als solche erkannt. Wehmütig vermisst man deshalb das gute Auge für Speiler, wie es ein Kalli Kamp besaß. Aber auch in der leitung scheint es nicht rund zu laufen. Während sich in der erfolgreichen Zeit eine klare Trennung von sportlichen Entscheidungen und geschäftsleitung immer wieder bewährt hat, wird heute, ähnlich wie beim HSV, von allen Seiten mitentschieden und hineingeredet. Das Klare Konzept jedenfalls ist auf der Strecke geblieben. So bewunderswert die Ruhe in Bremen immer wieder sein mag,hinzu kommt auch ein sich seit Jahren wiederholdendes Schönreden der Dauerkrise. Man ertappst sich auch als Fan gelegentlich dabei, den Gedanken eines Abstieges und völligem Neuanfang gar nicht für so unsymphatisch zu halten. Ob Eichin und Dutt die Richtigen dazu sind ist höchst zweifelhaft. Die Tatsache, daß Frank Baumann seine Scouting-Funktion zum Herbst aufgibt,läßt zumindest schon einmal hoffen.
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