Der grüne Virus Der mysteriöse Zerfall einer großen Mannschaft

7. Teil: Allofs' Werder: Das letzte Pferdchen


        Das letzte Pferdchen         

Gegen die Vorwürfe aus dem Aufsichtsrat, Allofs und Schaaf hätten zu viel Geld verbrannt bei sportlich fragwürdigen Transfers, verteidigt sich Allofs heute damit, er könne "eine Liste aufsetzen, die beweist, dass die Herren nicht richtig liegen", aber er wolle nicht zurückblicken.

Für Marco Bode, mit 101 Toren der Bundesliga-Rekordschütze des Vereins und seit eineinhalb Jahren im Aufsichtsrat, sind Transfers immer eine "Wette auf die Zukunft". Wenn ein Verein wie Werder eine dieser Wetten mit hohem Einsatz verliere, werde es schon zum Problem; wenn dann hektisch versucht werde, "mit noch mehr Risiko weitere Wetten abzuschließen, kann das zur Problemkette werden".

Transfereinnahmen und -ausgaben

Allofs verteidigt seine Transferpolitik mit der Luft, "die immer dünner wird, wenn du Erfolg hast". Wenn man jahrelang Champions League spiele, "seien Transfers nötig, die die Mannschaft auf hohem Niveau noch besser machen", und damit steigt die Geldsumme, die man einsetzen muss. Und das Risiko.

Widersacher Allofs, Lemke
picture alliance/ Pressefoto ULMER

Widersacher Allofs, Lemke

2003 zahlte Werder 32 Millionen Euro im Jahr für Spielergehälter, Bayern München lag bei 60 Millionen, die Kirch-Krise hatte die Einnahmen aller Klubs gesenkt, Werder machte mehr daraus als andere. "Geld schießt Tore", diesen Spruch habe Werder jahrelang widerlegt, sagt Hickel, daraus zog der Verein seine bundesweite Wertschätzung bei Fußballromantikern. Und damit befeuerte Lemke den Klassenkampf gegen die Millionarios aus München.

Marktwert des Kaders

Mit den Champions-League-Einnahmen hat sich Werder solange nach oben gewirtschaftet, bis die Mannschaft so teuer war, dass der sportliche Misserfolg sie in die Luft jagte und über ganz Europa verstreute. Die großen Spieler sind weg, und auch die Millionen sind weg. Seit drei Jahren macht der Verein hohe Verluste, das Eigenkapital hat sich innerhalb von zwei Jahren halbiert, ist auf 16,5 Millionen Euro zusammen geschmolzen. Sponsoren kürzen ihre Zahlungen, und neue Geldgeber sind nicht in Sicht.

Der Verein sei "kulturell im Umbruch", sagt Hickel, aus dem Traditionsverein werde Schritt für Schritt ein "von Technokraten geführter, kapitalorientierter Verein", dem allerdings dummerweise das Kapital fehle.

Manager Allofs, Fotografen
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Manager Allofs, Fotografen

Bayern München zahlt inzwischen 140 Millionen für Spielergehälter, Werder ist wieder bei gut 30 Millionen angekommen. "Die Dimensionen im Fußball haben sich verändert", sagt Allofs, "so wie vor zehn Jahren geht es nicht mehr". Die Vereine, die regelmäßig in der Champions League spielen, erlangen einen Wettbewerbsvorteil, den die anderen Vereine nicht mehr aufholen können. "Wenn man in vielen Personalentscheidungen richtig liegt", sagt Allofs, der inzwischen bei Wolfsburg 18 und 22 Millionen Euro Ablöse für Spieler wie Luiz Gustavo und Kevin de Bruyne ausgeben darf, "kann man allerdings den Abstand verringern".

Umsätze und Gewinn

3:1 in München, so wie am 8. Mai 2004, oder 5:2 in München, so wie am 20. September 2008, Meister mit sechs Punkten Vorsprung vor Bayern München so wie in der Saison 2003/04 - davon können Vereine wie Werder Bremen nur noch im Blick zurück träumen.

16 Transferflops in sechs Jahren

 


1992/1993 wird Bremen Deutscher Meister. Spieler Klaus Allofs, Stefan Kohn (mit der Meisterschale) und Trainer Otto Rehhagel
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1992/1993 wird Bremen Deutscher Meister. Spieler Klaus Allofs, Stefan Kohn (mit der Meisterschale) und Trainer Otto Rehhagel

Seit 1994 konnte man sich im Weltfußball auf zwei wesentliche Dinge verlassen. Alle vier Jahre ist Weltmeisterschaft. Und alle fünf Jahre gewinnt Werder Bremen den DFB-Pokal. 1994, 1999, 2004. Nun standen die Bremer auch 2009 wieder im Finale von Berlin. Das Unvermeidliche offenbarte sich schließlich in Form einer feinen Zusammenarbeit zwischen dem scheidenden und dem kommenden Spielmacher der Bremer. Umringt von drei Gegenspielern steckte Diego, in seinem letzten Spiel für Werder, auf Özil durch, der René Adler zum 1:0 überwand. Eine Stunde später hielt Kapitän Frank Baumann den Pokal in die Berliner Nacht. Auch für ihn war es das Abschiedsspiel. Baumann arbeitet heute, fünf Jahre später, in der Geschäftsführung der Bremer. Einen Pokalsieg wird er diesmal nicht erleben. Aber immerhin: Es ist Weltmeisterschaft. Und er verlässt Werder im Herbst.



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broca 14.05.2014
1. Grammatik ändern
Ich glaube, dass wegen SpOn die Grammatik geändert werden sollte, denn hartnäckigerweise hält sich dort das grammatikzerstörende Virus, dass sein eigenes Genus mutiert und vollführt ungehindert sein zerstörerisches Werk.
Tatarak 14.05.2014
2. Was denn nun?
Durch Virus oder Fehlentscheidungen?
iki 14.05.2014
3. Interessant
In der "Elf" des Jahrzehnts fehlt noch Dys Kalkulie!
robin-masters 14.05.2014
4. Hauptfehler
der Hauptfehler war die Annahme das man mit teuren Transfers auch gute Spieler bekommt. Das Problem haben schon viele Clubs erfahren müssen inkl. BVB und Mönchen Gladbach etc. Es gibt einfach sehr viele Faktoren die dazu beitragen ob ein Spieler Erfolg hat und das ist nicht nur der Preis!
desitka 14.05.2014
5. Fehlentscheidungen
Das Problem begann aus meiner Sicht, als Werder sich von dem jahrelang erfolgreichen Prinzip, nicht mehr Geld auszugeben,als reinkam verbaschiedete. Lange wurden altgediente aber inzwischen günstige Recken wie Burgsmüller, Allofs oder Kostedde mit damals jungen noch günstigen Spielern wie Völler,Riedle,Basler,Ailton sowie international erfahrenen Ausländern wie Bratseth,Herzog,Pezzey, Micoud zu einer alle Bereiche abdeckenden Mannschaft geformt. Erst als man Anfing viel Geld in die Hand zu nehmen (Carlos Alberto,Wesley etc) und sich kaum noch für den Nachwuchs interressierte gings bergab. Als Folge müssen Spieler wie Clemens Fritz, die nicht einmal mehr entfernt die alten Listungen bringen oder Spieler wie Prödl als Einäugiger untern den Blinden das Gerüst bilden. Das kann nicht gutgehen. Im Übrigen wurden wirkliche Talente wie zB Kruse nicht als solche erkannt. Wehmütig vermisst man deshalb das gute Auge für Speiler, wie es ein Kalli Kamp besaß. Aber auch in der leitung scheint es nicht rund zu laufen. Während sich in der erfolgreichen Zeit eine klare Trennung von sportlichen Entscheidungen und geschäftsleitung immer wieder bewährt hat, wird heute, ähnlich wie beim HSV, von allen Seiten mitentschieden und hineingeredet. Das Klare Konzept jedenfalls ist auf der Strecke geblieben. So bewunderswert die Ruhe in Bremen immer wieder sein mag,hinzu kommt auch ein sich seit Jahren wiederholdendes Schönreden der Dauerkrise. Man ertappst sich auch als Fan gelegentlich dabei, den Gedanken eines Abstieges und völligem Neuanfang gar nicht für so unsymphatisch zu halten. Ob Eichin und Dutt die Richtigen dazu sind ist höchst zweifelhaft. Die Tatsache, daß Frank Baumann seine Scouting-Funktion zum Herbst aufgibt,läßt zumindest schon einmal hoffen.
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