Werder-Remis gegen Hoffenheim: In sechs Minuten Richtung Abgrund

Aus Bremen berichtet

Fußball-Bundesliga: Schipplock sorgt für Bremer Rückschlag Fotos
DPA

Lange lief es perfekt für Werder: Der Schulterschluss zwischen Fans und Mannschaft, beste Aussichten auf den ersten Sieg seit Februar. Doch sechs desaströse Minuten rissen die Bremer gegen Hoffenheim aus ihren Träumen.

Torwart Sebastian Mielitz kauerte auf dem Rasen. Sebastian Prödl, der unsichere Verteidiger, lag rücklings auf dem Spielfeld. Verzweifelt. Enttäuscht. Und nach dem 2:2 gegen den Tabellen-Vorletzten 1899 Hoffenheim irgendwie auch traumatisiert. Trotz einer 2:0-Führung kassierte Werder Bremen vor heimischen Publikum noch den Ausgleich - es war eine gefühlte Niederlage.

"Wir sind einfach nur down. Für alle hier wäre ein Sieg so wichtig gewesen", sagte Mielitz und Prödl ergänzte: "Das ist alles schwer zu glauben. Vielleicht haben wir zu früh gedacht, wir haben das Spiel gewonnen." Aus ihren Gesichtern sprach grenzenlose Enttäuschung. Und das aus gutem Grund.

Nach einem Schulterschluss zwischen Fans und Verein rafften sich die Werderaner auf, bis zur 85. Minute sah es nach dem lange ersehnten Heimsieg aus. Unter der Devise "ALLEz Grün" hatten sich die Anhänger hinter den Verein gestellt; eine Werders Meisterhelden von 1988 gewidmete Choreographie ("Nicht die Mittel entscheiden über den Erfolg - es ist die Einstellung!") mit dem Konterfei des im Stadion anwesenden Otto Rehhagel hing zur Einstimmung über der Ostkurve. Und immer wieder munterten die Zuschauer im Weserstadion die Profis auf, selbst bei profansten Aktionen.

Schaaf will Positives mitnehmen

Es half am Ende nur wenig: Zwei späte Tore des eingewechselten Sven Schipplock (85. Minute und 90.+1) nach jeweils krassen Fehlern in der Bremer Abwehr lösten wieder lähmendes Entsetzen aus. Aus einem Freudentempel war wieder ein Trauerhort geworden; die Abstiegsangst war zurück im Weserstadion. Kapitän Clemens Fritz hatte die vielleicht beste Analyse für die panikartigen Fehler in der Werder-Abwehr parat: "Die Angst, etwas zu verlieren, wenn du schon was hast, ist enorm groß."

Selbstbewusstsein und Zuversicht nach dem elften sieglosen Spiel in Folge scheinen kaum noch vorhanden. Das spürt auch der Trainer Thomas Schaaf, der bei seinem Amtsantritt 1999 einen nervenaufreibenden Abstiegskampf überstanden hatte. Der Coach versuchte sich erneut als Optimist. "Die Mannschaft hat alles abgerufen", sagte Schaaf, "mit dem Ergebnis bin auch ich nicht zufrieden, aber wir wussten doch, dass der Abstiegskampf mit diesem Spieltag noch nicht zu Ende ist." Er nehme das Positive mit, so der 52-Jährige, er freue sich nun auf Frankfurt.

Die Eintracht ist am kommenden Samstag in Bremen zu Gast und Schaaf geht fest davon aus, dass sich die stimmungsvolle Verbrüderung zwischen Mannschaft und Fans wiederholt. Der Trainer: "Ich bin 40 Jahre in dem Verein, ich habe nichts anderes erwartet. Das ist toll und fantastisch."

Führung dank glücklichem Elfmeter

Weniger erfreut dürfte Schaaf davon sein, dass sein Club weiter von den Ergebnissen der Konkurrenz abhängig ist. Mit nun 33 Punkten liegt Werder vor den beiden abschließenden Partien drei Punkte vor Düsseldorf und Augsburg sowie fünf Zähler vor Hoffenheim. Der FCA tritt erst am Sonntag in Freiburg an (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). "Ich hoffe, dass es ein Punktgewinn war und Freiburg Augsburg schlägt", sagte Sportdirektor Thomas Eichin, der dem Trainer eine Arbeitsplatzgarantie bis Saisonende ausgestellt hat: "Mit ihm kommen wir da besser raus als ohne hin."

Natürlich hatte sich auch Schaaf einen Sieg gegen Hoffenheim gewünscht, mit dem der Klassenerhalt so gut wie sicher gewesen wäre. Dass der Coach nach Spielende wortreich wegen einer angeblichen Abseitsstellung das Ausgleichstor infrage stellte, verriet seine gewaltige Ernüchterung. Doch auch Werder profitierte von einer Fehlentscheidung von Schiedsrichter Robert Hartmann, der vor dem Elfmetertreffer von Aaron Hunt (2.) fälschlicherweise auf den Punkt gezeigt hatte, obwohl das Foul von David Abraham an Hunt knapp außerhalb des Strafraums erfolgt war. Dank des 2:0 von Kevin de Bruyne (24.) deutete alles auf einen Heimsieg hin, zumal die Gastgeber neben kämpferischem Engagement auch spielerische Gefälligkeiten zu bieten hatten.

"Aber dann fangen wir uns ein Ei und machen nicht weiter", beklagte Petersen, "das tut extrem weh." Der Bayern-Leihgabe hatten die Geschehnisse in der Schlussphase so zugesetzt, dass der Stürmer noch diesen Satz in die Mikrofone sprach. "Ich weiß gar nicht, wie man solch ein Spiel noch verlieren kann."

Werder Bremen - 1899 Hoffenheim 2:2 (2:0)
1:0 Hunt (2., Foulelfmeter)
2:0 De Bruyne (24.)
2:1 Schipplock (85.)
2:2 Schipplock (90.+1)
Bremen: Mielitz - Fritz (74. Gebre Selassie), Prödl, Sokratis, Ignjovski (82. Schmitz) - Bargfrede, Kroos (85. Lukimya) - De Bruyne, Hunt, Yildirim - Petersen
Hoffenheim: Casteels - Beck, Abraham, Vestergaard, Thesker - Rudy (66. Schipplock) - Weis (76. De Camargo), Salihovic - Volland, Firmino, Johnson (46. Ludwig)
Schiedsrichter: Hartmann
Zuschauer: 41.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Fritz (3), Kroos (3), Bargfrede (4) - Abraham, Vestergaard (5), Schipplock (3)

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insgesamt 20 Beiträge
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1. go Augsburg! go Augsburg!
caine666 04.05.2013
Hoffentlich gewinnen die morgen gg. Freiburg
2.
DorianH 04.05.2013
Zitat von caine666Hoffentlich gewinnen die morgen gg. Freiburg
Ich hoffe auch, daß Augsburg morgen gewinnt. Aber nicht, weil ich gegen Bremen bin. Wie die das noch vergeigt haben, ist unglaublich. Dabei sollten sie eigentlich wissen, daß ein zwei-Tore-Vorsprung so ziemlich das gefährlichste Ergebnis ist, daß es beim Fußball gibt. In der Lage, in der sich Bremen befindet, sowieso. Machen sie das dritte, ist die Sache erledigt.....dann hätte man verwalten können.
3. Überragend
widower+2 04.05.2013
Wer heute im Stadion war, wird das niemals vergessen. 40.000 Menschen haben Werder über 90 Minuten angetrieben. Eine solche Atmosphäre habe ich noch nie in einem Stadion erlebt. Ihr packt das!
4. optional
zxmma23 04.05.2013
Ich war genau so erschoepft und enttaeuscht wie der Proedl direkt nach dem Spiel - weil Werder nicht noch verloren hat!!! Bitte Augsburg, macht es moeglich morgen! Es waere mir sowas von einer inneren Genugtuung wenn diese arroganten Nichtskoenner aus Bremen noch unten reinrutschen... Absteiger, Absteiger Ihr steigt ab!!!
5. Bremer Abwehr
steinbock16 04.05.2013
Die Bremer Verantwortlichen sollten endlich begreifen, dass das katastrophale Abwehrverhalten seit mehren Spielzeiten sich nicht gebessert hat. Wenn die Bremer hoffentlich den Klassenerhalt schaffen, muss endlich die Abwehr entscheidend personell verstärkt werden, damit diese Trauerspiele beendet werden.
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